Mit dem seit einer Woche tobenden Krieg im Iran hat sich die Situation für europäische Bankaktien fundamental gedreht. Anleger verkaufen die Branche übermäßig ab, obwohl sie direkt von Auswirkungen der Versorgungssituation mit fossilen Brennstoffen nicht betroffen ist. Aber der Fall der Commerzbank zeigt, dass es um etwas anderes geht.
Die neue Woche beginnt gleich tiefrot an den Märkten. Der DAX notiert am Vormittag annähernd drei Prozent tiefer, Sorgen um die Versorgung mit Öl und Gas machen die Runde. Die Preise sind über das Wochenende nochmals spürbar angestiegen, Öl der Sorte Brent notiert deutlich über 100,00 Dollar.
Da die Straße von Hormus von Tankern nicht mehr passiert wird, steht ein guter Teil der Öl- und Gasversorgung aus dem Nahen Osten still. Finanzinstitute wie die Commerzbank sind unmittelbar nicht betroffen von der Preiseskalation bei den fossilen Energieträgern. Schwerwiegender sind aber die Zweitrundeneffekte.
Denn die Commerzbank finanziert viele mittelständische Unternehmen aus der Industrie und auch mehrere Schwergewichte. Diese Branchen leiden stark unter einem Anstieg der Energiepreise, die in Deutschland seit Jahren ohnehin im globalen Vergleich hoch sind. Nun könnte es zu noch mehr Insolvenzen und dann zu mehr Kreditausfällen bei Geldhäusern kommen.
Die Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen ist das Kerngeschäft der Commerzbank. Sie würde unter solch einem Szenario besonders leiden, zumal dann die Nachfrage nach neuen Darlehen und somit die Zinserträge spürbar sinken dürften. Genau dieses Szenario spielt der Markt nun.
Denn hält der Krieg im Iran und mit ihm die Verknappung von Öl und Gas noch länger an, dann droht ein weltweiter Energiepreisschock mit steigender Inflation und möglicherweise anziehenden Zinsen. Diese wären im ersten Moment zwar gut für die Bankenbranche. Aber sie würden die Wirtschaft wohl abwürgen und eine Rezession provozieren.
Die Aktie der Commerzbank wird aktuell nach unten durchgereicht und hat alle gleitenden Durchschnitte gerissen. Auch die Unterstützung bei 30,95 Euro hat am Freitag nicht gehalten. Der Stopp bei 29,00 Euro ist nun gefährlich nahe gekommen. Anleger behalten ihn genau im Blick.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 10:21