08.05.2020 Nikolas Kessler

Wirecard: Dafür interessiert sich auch die Finanzaufsicht

-%
Wirecard

Für die Kommunikation mit dem Finanzmarkt musste Wirecard in der Vergangenheit immer wieder Kritik einstecken. Die Aussagen kurz vor der Veröffentlichung des Sonderprüfungsberichts in der Vorwoche rufen nun auch die Finanzaufsicht BaFin auf den Plan.

Eine Sprecherin der Behörde erklärte, dass die BaFin jetzt auch die Kommunikation von Wirecard unmittelbar vor dem Erscheinen des KPMG-Berichts unter die Lupe nimmt. Das berichtet am Freitag die Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatte es bereits geheißen, dass die Ergebnisse der Untersuchung in die ohnehin laufenden Ermittlungen der Finanzaufsicht wegen des Verdachts der Marktmanipulation bei der Wirecard-Aktie einfließen sollen.

War Wirecard zu optimistisch?

Wirecard hatte in Pflichtmitteilungen vor der Veröffentlichung des KPMG-Berichts zu der monatelangen Sonderprüfung erklärt, es hätten sich nach derzeitigem Stand keine Belege für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation ergeben. Auch zur Veröffentlichung des KPMG-Berichts erklärte Wirecard, die Wirtschaftsprüfer hätten keine „belastenden Belege“ für die Vorwürfe der Bilanzmanipulation gefunden und es hätten sich keine „substanziellen Feststellungen“ ergeben, die zu einem Korrekturbedarf der Jahresabschlüsse von 2016 bis 2018 führten (DER AKTIONÄR berichtete).

Im veröffentlichen Untersuchungsbericht von KPMG hieß es dagegen, die Prüfer könnte im Bereich Drittpartnergeschäft keine Aussage treffen, dass bestimmte Umsatzerlöse existierten und der Höhe nach korrekt seien, noch sei das Gegenteil möglich. Hauptproblem dabei sei die mangelnde Kooperationsbereitschaft einiger Drittpartner. Wörtlich ist im KPMG-Bericht in dem Zusammenhang von einem „Untersuchungshemmnis“ die Rede.

Wirecard (WKN: 747206)

Leichte Erholung vom Kursdebakel

Die Hoffnung, dass der Prüfbericht die wiederkehrenden Zweifel an der Bilanzierung des DAX-Konzerns ausräumen kann, war groß. Das zeigt sich daran, dass der Aktienkurs im Vorfeld der Veröffentlichung bis in den Bereich von 140 Euro geklettert ist. Statt Klarheit zu schaffen, hat der Bericht jedoch neue Fragen aufgeworfen. Die Aktie ist daraufhin erneut eingebrochen und war am gestrigen Donnerstag kurzzeitig wieder für rund 80 Euro zu haben.

Zwar konnte sie sich von dort aus etwas erholen und einen Rückfall unter das Krisentief von Mitte März zunächst abwenden, zumindest auf mittlere Sicht dürfte es aber turbulent bleiben. Wer noch investiert ist, sollte den Stopp bei 75 Euro im Auge behalten.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6