Als Werbevermarkter wurde Ströer im Jahr 2025 durch Konjunktursorgen und insbesondere durch den US-Zollstreit spürbar ausgebremst. Ende August musste Vorstand Udo Müller sogar die Jahresprognose senken. Die Aktie hat im Jahresverlauf fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Doch nun deutet sich eine Trendwende an – sowohl operativ als auch charttechnisch.
Mit den testierten Zahlen für das abgelaufene Jahr 2025 hat Ströer Ende März seine vorläufigen Zahlen bestätigt. Demnach zeigte der Außenwerbe- und Digitalvermarkter im Geschäftsjahr 2025 insgesamt nur ein verhaltenes Bild. Der Umsatz bewegte sich mit rund 2,05 Milliarden Euro etwa auf dem Niveau des Vorjahres, nachdem das ursprünglich erwartete Wachstum im Jahresverlauf aufgrund eines schwächeren Werbemarktes zurückgenommen werden musste. Parallel dazu entwickelte sich auch das operative Ergebnis seitwärts: Das bereinigte EBITDA lag mit rund 626 Millionen Euro ebenfalls ungefähr auf Vorjahresniveau. Insgesamt war 2025 damit für Ströer ein Jahr der Stabilisierung, geprägt von einer soliden, aber kaum wachsenden Geschäftsentwicklung bei leicht erhöhtem Margendruck. Unter dem Strich stand ein Gewinn je Aktie von 2,70 Euro. Abgehakt.
Für das laufende Jahr wird ein Umsatzwachstum im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Beim bereinigten EBITDA wird eine weitgehend stabile Entwicklung in Aussicht gestellt. Ein klarer Aufschwung ist zwar noch nicht in Sicht. Für das erste Quartal signalisierte Co-CEO Udo Müller jedoch eine bessere Entwicklung im Kerngeschäft als noch bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen – immerhin.
Doch damit nicht genug: Ströer hat zudem ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Bis November sollen eigene Aktien im Volumen von bis zu 50 Millionen Euro erworben werden. Darüber hinaus sollen Aktionäre für 2025 eine Dividende von 1,85 Euro je Aktie erhalten, nach 2,30 Euro im Vorjahr. Daraus resultiert eine Dividendenrendite von 5,3 Prozent.
Die Kombination aus Dividende und Rückkauf verdeutlicht trotz der Investitionen in den Umbau des Geschäftsmodells das Vertrauen in die eigene Cashflow-Qualität und die vorhandenen finanziellen Spielräume.
Als Werbevermarkter kombiniert Ströer Außenwerbung, digitale Medien, Dialogmarketing, E-Commerce und Data-as-a-Service unter einem Dach. Strategisch richtet sich das Unternehmen zunehmend auf Künstliche Intelligenz aus. KI soll künftig zur zentralen Transformations-Engine werden und den Wandel vom klassischen Werbeflächenvermarkter hin zu einem KI-getriebenen Plattformgeschäft ermöglichen. So können Werbekampagnen automatisiert geplant, individueller ausgespielt und in Echtzeit datenbasiert optimiert werden.
„Dieser Transformationsprozess verändert unsere operative Hebelwirkung grundlegend: Unser künftiges Umsatzwachstum erfordert keinen proportionalen Personalaufbau mehr, sondern profitiert von einer strukturell höheren Produktivität. Über die nächsten drei bis fünf Jahre sehen wir ein erhebliches Effizienzpotenzial, das zu deutlichem Margenaufbau, verbesserter Kapitaleffizienz und einer stärkeren Free-Cashflow-Conversion führt. Vor diesem Hintergrund sind wir sehr zuversichtlich für die weitere profitable Entwicklung von Ströer in den kommenden Jahren und erwarten dementsprechend auch eine Verbesserung des Free Cashflows“, so Co-CEO Müller.
Mit der angekündigten Transformation zu einer KI-basierten Plattform erhofft sich der Vorstand mittelfristig frische Impulse für das Geschäft und höhere Margen. Im laufenden Jahr dürfte nach einer Phase stagnierender Erlöse und Ergebnisse zumindest die Rückkehr auf den Wachstumspfad gelingen.
Bei Umsätzen von 2,16 Milliarden Euro (2025: 2,07 Milliarden Euro) könnte unter dem Strich ein Gewinn je Aktie von 2,99 Euro (2025: 2,70 Euro) stehen. Das macht die mit einem 2026er-KGV von 12 günstig bewertete Aktie nach der mehrmonatigen Talfahrt zu einer durchaus interessanten Comeback-Spekulation.
Belegen die nächsten Q1-Zahlen am 12. Mai die skizzierte operative Entwicklung und wird diese im weiteren Jahresverlauf bestätigt, dürfte sich die Aktie wieder nachhaltig von ihren Tiefstständen lösen. Passend dazu wurde der Abwärtstrend gebrochen und eine erste Gegenbewegung eingeleitet. DER AKTIONÄR setzt im Real-Depot daher auf steigende Kurse.
Hinweis auf Interessenkonflikte: Aktien von Ströer befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 10:10