20.02.2020 Leon Müller

Tesla: Hochnotpeinlich

-%
Tesla

Die Tesla-Aktie eilt von Hoch zu Hoch, lässt andere Automobilhersteller alt – und mitunter auch klein – aussehen. Mit der Eile dahin ist es hingegen mit Blick auf ein essentielles Vorhaben des US-E-Auto-Pioniers in Europa und in Deutschland. Tesla wird behindert, bis am Ende gar ein Vorzeigeprojekt verhindert wird. Der Schaden ist bereits jetzt immens. Ein Kommentar.

Deutschland nimmt Schaden. Ein Umweltverein macht mobil gegen die ökologisch durchaus als fortschrittlich geltende Elektromobilität des US-Pioniers Tesla. Die Grüne Liga Brandenburg stoppt mit einer Klage die für die Einhaltung des Zeitplans – bereits Mitte 2021 sollen die ersten Fahrzeuge in Grünheide vom Band rollen – wichtige Rodung eines Kiefernwalds, den selbst Mitglieder der Partei Bündnis 90/Die Grünen als „Plantage“ bezeichnen, was auf seine mindere Bedeutung für die Ökologie hindeutet.

Tatsächlich legt ein Gutachten nahe, die Artenvielfalt sei gering. Wörtlich heißt es seitens der Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, es sei „abwegig, eine Kiefernplantage zu einem Wald zu erklären“. Man kann ihr und allen Kritikern der Klage nur recht geben. Das Klagerecht in Deutschland lässt dennoch zu, dass ein national bedeutendes Vorhaben in Brandenburg unter Missbrauch des Artenschutzrechts be-, schlimmstenfalls sogar verhindert wird. Grüne-Liga-Landeschef Heinz-Herwig Mascher lässt durchblicken, der Naturschutz stehe bei der Klage nicht im Vordergrund. Vielmehr gehe es darum, ein „rechtsstaatlich sauberes Verfahren“ zu gewährleisten. Dass Tesla-Chef Elon Musk versprochen hat, für jede gefällte Kiefer drei neue Bäume zu pflanzen, Tiere umzusiedeln – all das lässt der Verband mit seiner Klage außer Acht.

Hier wird der – grundsätzlich begrüßenswerte – Schutz der Natur mit Füßen getreten, weil er berechtigte Vorhaben in Verruf bringt. Es wird die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland gefährdet und ein Stellvertreterkrieg geführt, der die überlasteten Gerichte zusätzlich beschäftigt. Der gesamte Vorgang ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Das Kopfschütteln der Grünen („Man muss nicht gegen alles sein“) ist in diesem Fall richtig und in seiner Vehemenz durchaus überraschend. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Würde es ähnlich heftig ausfallen, würde nicht Tesla hier ein E-Auto-Werk hochziehen, sondern VW, BMW oder Daimler eines für konventionelle Fahrzeuge?

Während die Klage noch läuft, stehen die Verlierer bereits fest: Deutschland und seine Bürger. Im Ausland wird das Vorhaben Teslas mit Argusaugen verfolgt. Verzögerungen sind für jeden Investor ein sensibles Thema. Schon Kleinigkeiten können darüber entscheiden, ob internationale Konzerne sich für Deutschland entscheiden. Die Klage der Grünen Liga Brandenburg bringt die Republik in eine hochnotpeinliche Situation, die – würden sich einige nicht so wichtig nehmen – vermeidbar gewesen wäre. So ist es leider nur ein weiterer Beleg für die Innovationsfeindlichkeit (Windkraft, Atomkraft, Mobilität et cetera) einiger, die das Leben vieler einschränkt – und nicht nur jener, die, wie in diesem Fall, auf einen neuen Arbeitsplatz gehofft haben.

Folgen Sie Leon Müller auf Twitter. Besuchen Sie www.twitter.com/LeonTMueller und diskutieren Sie den aktuellen Standpunkt.

Dieser Kommentar ist erschienen als Standpunkt in DER AKTIONÄR Ausgabe 9/2020, die Sie hier als E-Paper direkt lesen können.

Buchtipp: Die Tesla-Methode

Jeweils für einige Jahrzehnte waren Autobauer wie Ford oder Toyota das Maß aller Dinge – dann kam Tesla und übernahm mit seinen zukunftsweisenden Methoden das Ruder. Teslas Marketing-, Produktions-, Vertriebs- und Technologiestrategien verändern eine ganze Branche. Sie sind völlig anders – und extrem erfolgreich. Michaël Valentin hat sowohl diesen durch neue Technologien hervorgerufenen Wandel wie auch Tesla selbst genauer unter die Lupe genommen. Dabei hat er sieben Prinzipien entdeckt, die er als entscheidend für Teslas Erfolg identifiziert. Und er erklärt, wie andere Firmenlenker – nicht nur aus der Automobilbranche – die Tesla-Methode erfolgreich in ihrem Unternehmen implementieren können. Ein Buch nicht nur für Tesla-Fans, sondern für alle, die ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen wollen!

Autoren: Valentin, Michael
Seitenanzahl: 280
Erscheinungstermin: 14.01.2021
Format: Softcover
ISBN: 978-3-86470-714-8