25.06.2011 Markus Horntrich

Softing: "Mit Porsche starten wir ein neues Geschäftssegment"

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Bisher musste Softing über den Auftraggeber für einen neuen Geschäftsbereich in der Sparte Messtechnik schweigen. Nun ist es raus: Porsche könnte Softing einen Wachtsumsschub bescheren. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät Softing-Chef Dr. Wolfgang Trier, was künftig von seiner Firma zu erwarten ist.

Mit einer Vervierfachung beim Gewinn je Aktie von drei auf zwölf Cent hat Softing im ersten Quartal die Anleger überrascht. Warburg Research geht davon aus, dass das EBIT 2011 bei 3,2 Millionen Euro liegen könnte. Nachdem Softing jetzt endlich offiziell über den Vertrag mit Porsche reden darf, hat DER AKTIONÄR Vorstandschef Dr. Wolfgang Trier über die weiteren Aussichten befragt.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Trier, wie groß ist der Auftrag, den Sie im vierten Quartal letzten Jahres von Porsche akquirieren konnten und wie wird er voraussichtlich in diesem und im nächsten Jahr ertragswirksam?

In diesem Jahre müssen die Komponenten fertiggestellt werden. Daher gehen wir für 2011 von keinen nennenswerten Erträgen mit dem Verkauf von Messtechnik aus. Es bleibt in 2010 bei Umsätzen im sechsstelligen Bereich. Wir streben für dieses Jahr die finale Produktfreigabe an. Für 2012 rechnen wir allerdings schon mit einem ertragreichen Volumen im siebenstelligen Umsatzbereich.

Handelt es sich hier auch um Werkstattdiagnosegeräte, wie Sie sie bisher schon im Programm hatten oder müssen Sie dafür neu entwickeln?

Nein, die Messtechnik wird nicht in den Werkstätten stehen. Es handelt sich hier um extrem hochwertige Geräte, die absolut state oft the art in der Technik und im Qualitätsanspruch sind.

Die Anwendungsgebiete der Messtechnik beim Automobilhersteller sind die Fahrerprobung und der Betrieb von Motorprüfständen. Bei der Fahrerprobung testen die Hersteller Prototypen der neuen Fahrzeuge in Bezug auf Fahrwerk, Karosserie und Antrieb. Dabei werden Größen wie etwa Fahrdynamik, Bremsleistungen, Verformungen in der Karosserie, Belastungen des Antriebsstrangs, Schwingungsuntersuchungen, die Eigenschaften des Öl- und Wasserhaushalts im Motor und vieles weitere mehr untersucht. Bei den Prüfständen geht es um die sehr umfangreichen Tests neuer Motoren zu Ihrer Leistung, den Verschleiß sowie um alle Fragen des Verbrauch und der Emissionen.

Die gemeldeten Großaufträge bedeuten aber nicht, dass Softing ins klassische Automobilzuliefergeschäft einsteigen will oder ist die Börse da noch nicht richtig informiert?

Automobilzulieferer ist man bekannt dann, wenn man Produkte in die Serienproduktion liefert, die also in die Autos verbaut werden. Trotz hoher Qualitätsstandards und -kontrollen ist damit immer das Risiko verbunden, bei Qualitätsproblemen enorme Kosten aus Rückrufen mitzutragen. Ferner sind die Zulieferer den Zyklen des Automobilabsatzes unvermittelt ausgesetzt.

Softing hat vor Jahren schon die strategische Entscheidung getroffen, das Zulieferergeschäft zu meiden. Um hier nachhaltig rentabel zu arbeiten sollte man über Umsätze von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr verfügen. Dies trifft auf unser Automobilgeschäft nicht zu. Die Richtigkeit unserer Entscheidung hat sich seitdem immer wieder bestätigt. Durch den Eintritt in die Messtechnik wird Softing in keiner Weise ins Zuliefergeschäft und die damit verbundene Risikogruppe eintreten.

Sind Sie auch für die oben genannten Produkte bei anderen großen Automobilherstellern in der Akquisitionsphase?

Ja, das ist korrekt. Allerdings sind Entscheidungen in der Messtechnik Systementscheidungen, die die Hersteller in der Regel auf lange Zeit  fest an den Lieferanten binden. Entsprechend lang dauert auch die Akquisitionsphase. Wir arbeiten heute darauf hin, dass beginnend mit dem Jahr 2013 neben Porsche neue Großkunden dazu kommen. Mehr möchte ich aber auch aus Wettbewerbsgründen derzeit nicht verraten.

Kommt Softing mit diesen Aufträgen in ein deutlich höheres Ertragsniveau?

Das würde ich alleine aus dem Einstieg in die Messtechnik nicht ableiten wollen. Wir haben gewisse Fixkosten, die von all unseren Produkten und Leistungen getragen werden müssen. Daher geht bei steigendem Umsatz typischerweise unsere EBIT-Marge nach oben. In diesem Sinne wird auch die in jeder Weise profitabel geplante Messtechnik zu einem höheren Ertragsniveau beitragen.

Werden Sie auch bei ausländischen Automobilproduzenten in dieser Richtung aktiv werden?

Ja, wir sind in allen Segmenten international aufgestellt. Die Notwendigkeit für Messtechnik trifft jeden Automobilhersteller.

Und wie läuft das Segment Industrial Automotion in 2011?

Auch im Segment Industrial Automation läuft es sehr ordentlich. Wir sehen unsere Planung in allen wesentlichen Punkten bestätigt bzw. übertroffen. Für die Wachstumsperspektive des Unternehmens zählt aber nicht nur Quartalsumsatz oder -EBIT. Mindestens so wichtig bei Investitionsgütern ist, dass die Produkt-Pipeline am kurz-, mittel- und langfristigen Ende gut gefüllt ist. Das sind unsere Umsätze von morgen und übermorgen. Hier sehen wir uns gut aufgestellt.

Wann werden Sie die Prognose erhöhen?

Ich habe bereits auf unsere Hauptversammlung darauf hingewiesen, dass nach dem ersten Quartal auch die Folgemonate keine Anzeichen von Ermüdung zeigen. Natürlich schwankt die Ergebnisqualität von Quartal zu Quartal aufgrund des Produkt-Mixes. Wir sind aber unverändert vom Verlauf des Jahres begeistert. Um belastbare Zahlen zu haben, wollen wir den Verlauf des zweiten Quartals abwarten. Grundsätzlich sind aber alle bisherigen Signale in Richtung Guidance-Erhöhung zu bekräftigen.

Wie werden Sie hinsichtlich der Dividendenpolitik verfahren?

Wenn wir ein sehr gutes Jahr haben, so werden neben unseren Mitarbeitern sicher auch die Aktionäre davon profitieren. Wenn's richtig gut laufen sollte, dürfte die Dividende mehr als nur „leicht" angehoben werden.

Wann werden Sie selbst wieder eigene Aktien kaufen?

Ich habe fest vor, wieder Aktien der Softing AG zu kaufen. Ich rechne mit einer sehr guten wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens. Dies sollte am Kapitalmarkt zu einer entsprechenden Bewertung der Aktie führen. Es  wird aus Sicht der Insider-Problematik schwer werden,  einen Zeitpunkt zu finden, zu dem mein Engagement formell nicht angegriffen werden kann.

Sind Sie mit dem aktuellen Kursverlauf zufrieden?

Ich denke dass der Markt die Chancen und die Entwicklung des Unternehmens bei Weitem noch nicht berücksichtigt hat. Allerdings muss man auch sehen, dass der gesamte Nebenwertebereich im Angesicht der Überwiegend politischen Risiken derzeit schwächelt. Meine Empfehlung ist daher klar, sich bei der Softing Aktie zu noch sehr preiswerten Konditionen einzudecken.

Herr Dr. Tier, vielen Dank für das Gespräch.