Mit Wero wollen europäische Banken endlich eine ernsthafte Antwort auf PayPal, Visa und Mastercard liefern. Doch der Start der neuen Bezahlmethode im Onlinehandel verläuft bislang alles andere als dynamisch. Das ist eine gute Nachricht für die etablierten Zahlungsanbieter, insbesondere für PayPal.
Fünf Monate nach dem offiziellen E-Commerce-Start fehlt es Wero laut einem Handelsblatt-Bericht auf der Händlerseite noch immer an den ganz großen Namen. Das zeigt: DER AKTIONÄR lag mit seiner Einschätzung (siehe hier) richtig, dass der Erfolg von Wero keineswegs ausgemacht ist.
In Deutschland bietet bislang keiner der größten Onlinehändler Wero flächendeckend als Bezahlmethode an. Selbst dort, wo Gespräche laufen oder eine Einführung geprüft wird, fehlen oft konkrete Zeitpläne. Das ist ernüchternd, schließlich sollte Wero als europäische Alternative zu PayPal eigentlich schnell an Relevanz gewinnen. Stattdessen dominieren weiter die etablierten Anbieter.
Für die Zurückhaltung gibt es gleich mehrere Gründe. Erstens ist die technische Integration offenbar aufwendiger als gedacht. Händler, Zahlungsdienstleister und Shopsoftware-Anbieter müssen ihre Systeme anpassen. Hinzu kommen Fragen rund um Retouren, Störfälle und Beschwerden.
Zudem trifft Wero auf einen Markt, der mit starken und etablierten Lösungen bereits gut besetzt ist. Vor allem PayPal bleibt für viele Händler trotz vergleichsweise hoher Kosten attraktiv, weil Verbraucher den Dienst kennen, ihm vertrauen und ihn regelmäßig nutzen.
Zwar verweist Wero auf Millionen Nutzer und mehr als 300 angebundene Händler. Doch ohne prominente Top-Händler und ohne transparent ausgewiesene Transaktionszahlen bleibt offen, wie stark die tatsächliche Nutzung tatsächlich schon ist. Genau darin liegt das Problem: Reichweite allein reicht nicht, wenn die Sichtbarkeit im Alltag der Verbraucher fehlt.
Für PayPal ist das vorerst eine gute Nachricht. Der Wettbewerbsdruck aus Europa bleibt deutlich geringer, als es manche Beobachter noch vor Monaten erwartet hatten. An der grundsätzlichen Einschätzung zur Aktie ändert das allerdings nichts. PayPal profitiert zwar davon, dass Wero bislang nicht zündet. Die entscheidenden Baustellen liegen aber weiterhin im operativen Geschäft und im Vertrauen des Marktes. An der Gesamteinschätzung zur Aktie ändert sich daher nichts. Vor allem vor den am 5. Mai anstehenden Zahlen lassen Anleger die Finger von PayPal.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: PayPal.
Heute, 10:10