Es geht nun Schlag auf Schlag bei der Commerzbank. Das freiwillige Übernahmeangebot der UniCredit läuft noch rund eine Woche, aber die angedienten Anteile sind mittlerweile größer als gedacht. Der Ton zwischen den beiden Banken verschärft sich damit erneut.
Das Wichtigste kurz und knapp
• UniCredit erhöht ihren Anteil auf rechnerisch 37,68 Prozent der Commerzbank.
• Beide Banken greifen sich an und streiten über das Übernahmeverfahren.
• Die Commerzbank-Aktie steigt weiter, das Management gerät unter Druck.
Die italienische Großbank UniCredit hat mit ihrem Übernahmeangebot für die Commerzbank weitere Aktien angedient bekommen. Commerzbank-Aktionäre hätten ihr bis zum 9. Juni 10,91 Prozent der Aktien angedient, teilte die Unicredit am Dienstagabend in Mailand mit. Eine Woche zuvor waren den Italienern im Zuge der Offerte 7,58 Prozent angeboten worden.
Nachdem das Geldhaus aus Mailand bisher schon 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien gehalten hatte, würde ihre Beteiligung mit den angedienten Aktien nun rechnerisch auf 37,68 Prozent steigen. Für jede Commerzbank-Aktie bieten die Mailänder 0,485 eigene Papiere.
Das ist auf Basis der jüngsten Schlusskurse weniger, als man für eine Commerzbank-Aktie derzeit an der Börse bekommt. Zusätzlich verfügt die UniCredit über Finanzinstrumente, mit denen sie auf eine Menge weiterer Commerzbank-Aktien zugreifen kann. Die Großbank aus Mailand behält sich vor, die bis 16. Juni geltende Offerte bis 3. Juli zu verlängern. Die Commerzbank lehnt eine Übernahme ab.
Dass die UniCredit deutlich vor Fristende schon so viele Aktien einsammelt, überrascht, weil ihre Offerte unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie liegt. Zudem dienen Großinvestoren ihre Papiere meist erst kurz vor Ende der Übernahmefrist an. Die Commerzbank kritisierte das Vorgehen der Unicredit erneut. „Nach den uns vorliegenden Informationen konnte bislang keine einzige Angebotsannahme eines institutionellen Investors identifiziert werden, und die Summe sämtlicher Annahmen durch Privatanleger entspricht einem Aktienanteil von lediglich rund 0,05 Prozent.“
Die Commerzbank hatte kürzlich bereits die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. So monierte das Geldhaus, die angedienten Aktien stammten überwiegend von Banken und mit ihnen verbundenen Parteien, von denen einige bekannte Gegenparteien der Unicredit für Finanzinstrumente seien – und keine unabhängigen Investoren.
Die UniCredit wiederum kritisierte die Abwehrstrategie der Commerzbank. Ihr Management habe jedes Recht, von der Annahme des Übernahmeangebots abzuraten. Sie sei jedoch nicht berechtigt, „die Integrität des Bieterverfahrens zu untergraben, indem sie unbegründete Vorwürfe erhebt“. Die Angaben der UniCredit erfolgten nach den gesetzlichen Anforderungen und stünden im transparenten Dialog mit der Bafin.
Zwar rechnet UniCredit-Chef Andrea Orcel selbst nicht damit, durch die laufende Offerte die Mehrheit und somit die Kontrolle an der Commerzbank zu erlangen. Die Luft für das Management in Frankfurt wird aber immer dünner. Aktionäre konnten sich gestern indes erneut über steigende Kurse freuen. Wer bereits investiert ist, nimmt steigende Kurse nun weiter mit. Spekulationsorientierte Anleger sollten bedenken, dass die UniCredit ihr Angebot auch nicht erhöhen könnte.
Mit Material von dpa-AFX.
FAQs zur Commerzbank
Was macht die Commerzbank?
Die Commerzbank ist eine der führenden Banken in Deutschland. Sie betreut Privatkunden, Firmenkunden und institutionelle Investoren. Nach der Deutschen Bank ist die Commerzbank die zweitgrößte börsengelistete Bank Deutschlands.
Ist die Commerzbank-Aktie im DAX gelistet?
Ja, die Commerzbank-Aktie ist im DAX gelistet und zählt damit zu den wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland.
Zahlt die Commerzbank eine Dividende?
Ja, die Commerzbank zahlt grundsätzlich eine Dividende. Die Höhe hängt von der Geschäftsentwicklung, der Kapitalausstattung und den Beschlüssen von Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung ab. In den vergangenen Jahren wurde sie mehrfach kräftig erhöht. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 1,10 Euro je Aktie gezahlt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 07:16