Mit der gestrigen Präsentation der Quartalszahlen hat sich Commerzbank-CEO Bettina Orlopp wie erwartet auch zur geplanten Übernahme durch die UniCredit geäußert. Dabei schlug Orlopp ganz andere Töne an als noch zuletzt und ändert damit ihre Strategie im Übernahmekampf grundlegend.
Kurz und knapp
• Bettina Orlopp zeigt sich gegenüber einer Zusammenarbeit mit der UniCredit offenbar aufgeschlossener.
• Die UniCredit könnte im vierten Quartal die Kontrolle über 49,75 Prozent der Commerzbank-Anteile erlangen.
• Ein höheres Übernahmeangebot oder weitere Aktienkäufe der UniCredit könnten für Anleger Kurschancen eröffnen.
Wie erwartet rückten die Quartalszahlen gestern in den Hintergrund. Obwohl das Zahlenwerk übermäßig gut ausfiel, DER AKTIONÄR berichtete, interessierte Anleger ganz klar der Stand der Dinge in puncto Fusion mit der UniCredit. Orlopp, die bis zuletzt für eine Eigenständigkeit der Frankfurter Bank gekämpft hatte, scheint sich nun mit den Italienern zu arrangieren.
Im Rahmen einer Telefonkonferenz mit Analysten sagte sie gestern: „Wir sollten prüfen, ob sich durch eine Zusammenführung von Geschäftsaktivitäten im Rahmen eines mittelfristigen Zielbildes Synergien erzielen lassen.“ Ein gemeinsamer Ansatz habe „das Potenzial, Wert zu schaffen“, sofern er „auf den bestehenden Geschäftsmodellen“ basiere. Die Commerzbank-Strategie Momentum 2030 erwähnte Orlopp nicht mehr.
Wie UniCredit-Chef Andrea Orcel bereits zuvor, geht nun auch Orlopp davon aus, dass im vierten Quartal alle Genehmigungen für die Italiener vorliegen. Damit wird die Übernahme der Kontrolle mit 49,75 Prozent der Commerzbank-Anteile möglich.
Auf die Frage, ob es in den Gesprächen mit der UniCredit nun auch um die Standortfrage für eine künftige Zentrale gehe – Frankfurt oder München, wo die UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) sitzt und die UniCredit einen neuen Büroturm errichten will –, antwortete Orlopp: „Wir werden alle potenziellen Gestaltungskriterien im Hinblick auf die Zielbilder prüfen.“
Die UniCredit will in den kommenden zwei Jahren die Commerzbank derart umbauen, dass danach ein Zusammenschluss mit der HVB erfolgen soll. Das eröffnet die Chance für bereits investierte Anleger auf ein höheres Übernahmeangebot oder steigende Kurse durch weitere Käufe der UniCredit am Markt. Daher bleiben Anleger an Bord.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Enthält Material von dpa-AFX
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