Die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit nimmt weiter Fahrt auf. Insidern zufolge strebt UniCredit-Chef Andrea Orcel einen kompletten Umbau an der Spitze des deutschen Geldhauses an. Auch Chefin Bettina Orlopp und Aufsichtsratschef Jens Weidmann sollen dabei ihre Plätze räumen müssen.
- UniCredit-Chef Andrea Orcel will Insidern zufolge offenbar die Ablösung von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erreichen.
- Auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann soll demnach seinen Posten räumen.
- Orcel lehne zudem die Forderung der Bundesregierung nach zwei Aufsichtsratssitzen ab.
UniCredit-Chef Andrea Orcel will einem Reuters-Bericht zufolge im Zuge der geplanten Übernahme der Commerzbank die Ablösung von Vorstandschefin Bettina Orlopp erreichen. Zudem spreche sich der Italiener gegen die Forderung der Bundesregierung aus, zwei Sitze im Aufsichtsrat des DAX-Konzerns zu behalten. Das sagten drei mit den Vorgängen vertraute Personen gegenüber Reuters.
Zudem soll auch Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann seinen Posten räumen. Das berichteten zwei der Insider. Die UniCredit und die Commerzbank wollten sich dazu bislang nicht äußern. Auch das Bundesfinanzministerium nahm keine weitere Stellung.
Am Montag hatte das Finanzministerium nach einem Treffen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Orcel mitgeteilt, dass die Bundesregierung auf zwei Sitzen im Aufsichtsrat bestehe. Der Bund hält rund 13 Prozent an der Commerzbank.
Damit dürfte der Konflikt zwischen Berlin und UniCredit weiter an Schärfe gewinnen. Während die Bundesregierung ihren Einfluss auf das Frankfurter Institut sichern will, drängt die UniCredit offenbar auf weitreichende Veränderungen in den Gremien und an der Konzernspitze.
Bettina Orlopp selbst hatte Anfang September offen gelassen, ob sie auch künftig an der Spitze der Commerzbank stehen wird. „Ich habe einen Vertrag bis 2029“, sagte die Managerin. Ein solcher Vertrag ergebe allerdings nur dann Sinn, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt seien: „erstens eine Vertrauensbasis zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstand“ und „zweitens, wenn man sich über die Strategie einig ist“.
Gerade an diesen beiden Punkten dürfte es zwischen Orlopp und UniCredit erhebliche Differenzen geben. Die Commerzbank hatte sich lange deutlich gegen die Übernahmepläne der Italiener gewehrt. Orcel könnte nun versuchen, mit einer neuen Führung den Weg für die Integration des deutschen Instituts zu ebnen.
Ein Wechsel an der Führungsspitze wäre daher alles andere als überraschend. Die UniCredit dürfte kaum bereit sein, eine Übernahme zu stemmen und anschließend die bisherige Strategie der Commerzbank unverändert fortzuführen. Gleiches gilt für die Zusammensetzung des Aufsichtsrats.
Allerdings könnten die jüngsten Berichte auch Teil des Säbelrasselns im Machtkampf zwischen UniCredit, der Bundesregierung und der Commerzbank sein. Solange keine offiziellen Entscheidungen gefallen sind, bleibt offen, ob Orlopp und Weidmann tatsächlich ihre Posten verlieren.
Die Auseinandersetzung um Vorstand, Aufsichtsrat und staatlichen Einfluss zeigt, wie komplex die Übernahme der Commerzbank ist. Dennoch wird sie früher oder später kommen. Investierte Anleger halten daher weiter an der Aktie fest.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
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