Bei Salesforce’ Dreamforce-Konferenz prallen zwei Sichtweisen aufeinander: Anthropic-Chef Dario Amodei und OpenAI-CEO Sam Altman plädieren für mehr Vorsicht bei der Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle. Nvidia-Chef Jensen Huang hält eine Verlangsamung dagegen nicht für nötig. Für Anleger steht neben der Sicherheitsfrage vor allem ein neues Produkt im Fokus.
- Jensen Huang: Geschwindigkeit und Sicherheit seien kein Widerspruch.
- Sam Altman und Dario Amodei: Sicherheitsprüfungen und Überwachung müssten mit der Entwicklung Schritt halten.
- Nvidia und Salesforce: Das neue CRM-Modell Koa soll Agentforce mit Nvidia-Technologie erweitern.
Amodei betrat die Bühne in San Francisco zuerst. Wenige Tage zuvor hatte der Anthropic-Chef in einem Essay gefordert, die Entwicklung immer leistungsfähigerer Modelle zu verlangsamen. Die Debatte hatte zuletzt an Schärfe gewonnen. Auch OpenAI-Chef Sam Altman und weitere Branchenvertreter signalisierten Unterstützung.
Im Gespräch mit Salesforce-Chef Marc Benioff bekräftigte Amodei seine Position: „Ich denke, das ist der Weg, die Branche voranzubringen: mit gutem Beispiel voranzugehen und zu zeigen, dass jeder immer besser werden kann.“
Nvidia-Chef Jensen Huang schlug einen anderen Ton an. Neue Gesetze oder zusätzliche Regulierung seien nicht zwingend nötig. Geschwindigkeit und Sicherheit seien kein Widerspruch: „Man kann definitiv beides gleichzeitig haben.“ Seine Botschaft an die Entwickler: „Lauft so schnell ihr könnt.“ Wenn ein Produkt nicht sicher genug sei oder die Kontrolle verloren gehe, müsse jedoch eine Pause eingelegt werden.
Auch OpenAI-Chef Sam Altman sprach sich für einen stärkeren Fokus auf Sicherheit aus. Unternehmen dürften ihre Verantwortung nicht davon abhängig machen, ob die Konkurrenz ebenfalls entsprechend handle. „Dafür darf es keine Einschränkung geben“, sagte Altman.
Für Nvidia ging es bei Dreamforce aber nicht nur um die Sicherheitsdebatte. Gemeinsam mit Salesforce stellte der Konzern Koa vor, ein auf CRM-Anwendungen zugeschnittenes Reasoning-Modell für die Agentforce-Plattform.
Koa basiert auf dem offenen Nvidia-Modell Nemotron 3 Super und soll komplexe Aufgaben in Vertrieb, Kundenservice und Marketing bearbeiten. Salesforce trainierte das Modell nach eigenen Angaben mit synthetischen Szenarien auf Basis von fast drei Jahrzehnten CRM-Erfahrung. Kundendaten seien dabei nicht zum Training verwendet worden.
Für Nvidia ist Koa ein weiterer Schritt über reine Rechenleistung hinaus. Der Konzern liefert zunehmend auch Modelle und Software für konkrete Unternehmensanwendungen. Salesforce wiederum könnte mit einem eigenen, spezialisierten Modell die Abhängigkeit von externen Anbietern wie OpenAI und Anthropic verringern.
Die Sicherheitsdebatte ist für alle KI-Unternehmen und insbesondere für Nvidia relevant. Koa zeigt zugleich, wohin sich der Markt bewegt: weg von allgemeinen Chatbots und hin zu spezialisierten KI-Systemen, die konkrete Geschäftsprozesse übernehmen. Die Nvidia-Aktie bleibt ein Kauf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
Nvidia-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
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