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Samsung finanziert den Nvidia‑Angreifer – was Anleger jetzt wissen müssen

Samsung finanziert den Nvidia‑Angreifer – was Anleger jetzt wissen müssen
Foto: Samsung
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Ingo Nix Heute, 08:48 Ingo Nix
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Euclyd aus Eindhoven hat eine Series-A-Finanzierung – die erste große Finanzierungsrunde nach der Gründungsphase – über mehr als 200 Millionen Euro unterzeichnet. Angeführt wird die Runde gemeinsam von Samsung Electronics, Somerset Capital Partners, dem von EQT gemanagten Scaleup Europe Fund und Innovation Industries. Beteiligt haben sich außerdem mehrere europäische Kapitalgeber, darunter die dänische Förderbank EIFO.

Peter Wennink, bis zum Jahr 2024 Chef von ASML, übernimmt den Vorsitz des Verwaltungsrats. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2024 von Bernardo Kastrup und Atul Sinha. Auf der Roadmap stehen zwei Produkte: craftwerk, ein Chip für agentische Arbeitslasten, und craftwerk station CWS, das zugehörige Rechenzentrumssystem. Erste Auslieferungen sind für das Jahr 2028 geplant, Tausende Firmenkunden für 2030.

Damit sind die 200 Millionen Euro nicht die Summe, mit der ein europäischer Herausforderer Nvidia angreift. Sie sind der Preis für zwei Jahre Entwicklungszeit. Fällig ist er sofort, der Gegenwert erst im Jahr 2028.

Euclyd: Die Zahl im richtigen Maßstab

Nvidia setzte im Quartal bis zum 26. Juli 96,2 Milliarden Dollar um, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das sind rund 44 Millionen Dollar je Stunde. Die komplette Euclyd-Runde entspricht damit gut fünf Stunden Nvidia-Umsatz. Der zweite Vergleich fällt ähnlich aus: Die operativen Aufwendungen des Konzerns lagen im selben Quartal bei 8,4 Milliarden Dollar, also bei rund 92 Millionen Dollar je Tag. Was Euclyd für die Entwicklung der nächsten Jahre eingesammelt hat, gibt Nvidia in etwa zweieinhalb Tagen aus. Das entwertet die Runde nicht. Es ordnet sie ein: Europa finanziert hier keinen Wettlauf um Marktanteile, sondern eine technische These.

Samsung Electronics Co Ltd (ISIN: KR7005930003)

Memory Wall: Wo der Strom wirklich verschwindet

Der Kern dieser These liegt nicht im Rechenwerk, sondern daneben. Bei großen Sprachmodellen verbringt ein Chip den größten Teil seiner Energie damit, Gewichte und Zwischenergebnisse zwischen Speicher und Recheneinheit hin- und herzuschieben. Fachleute nennen das die Memory Wall. Bildlich gesprochen: Ein Koch, der jede Zutat einzeln aus dem Keller holt, verliert seine Zeit nicht am Herd, sondern auf der Treppe. Euclyd will Prozessor und Speicher gemeinsam entwerfen und die Treppe verkürzen. Genau deshalb ist Samsung als einer der weltgrößten Speicherhersteller mehr wert als sein Scheck, und genau deshalb betont Kastrup, der Konzern könne auf mehr Wegen helfen als nur mit Geld. Das Fernziel nennt das Unternehmen selbst „Abundant Intelligence“ – Künstliche Intelligenz im Überfluss.

Jalapeño: Was die Gegenseite schon vorgelegt hat

Wie schnell dieses Rennen läuft, zeigt OpenAI. Der erste eigene Inferenzchip Jalapeño wurde im Juni vorgestellt, die ersten Messwerte folgten am 25. August. Nach Unternehmensangaben liefert er das 1,5- bis 1,9-Fache an Rechenarbeit je Watt und eine 1,7- bis 3,6-fach geringere Latenz als das Vergleichssystem, bei 700 Watt und 216 Gigabyte HBM4-Speicher.

Vom ersten Schaltungsentwurf im Februar 2025 bis zum ersten Silizium im Mai 2026 vergingen 15 Monate. Erstes Silizium – so nennt die Branche den Augenblick, in dem der Entwurf die Fabrik verlässt und erstmals als echter Chip vorliegt; bis dahin ist ein Prozessor nur eine Datei. Diese 15 Monate hat OpenAI gebraucht, mit Broadcom als Partner und einem Abnehmer, der die Chips selbst verbaut.

Drei Prüfsteine

  • Bis Ende 2026 will OpenAI Jalapeño im eigenen Rechenzentrum einsetzen; gelingt das, verschiebt sich der Effizienzmaßstab, an dem Euclyd im Jahr 2028 gemessen wird.
  • Im Jahr 2027 muss ein lauffähiges Testsilizium vorliegen, sonst ist der Auslieferungstermin 2028 nicht zu halten.
  • Bis 2030 sollen Tausende Firmenkunden bedient werden; der erste unterschriebene Großauftrag ist der Punkt, an dem aus der Erzählung ein Geschäftsmodell wird.

Profiteure: Wer am Effizienztrend verdient, bevor Euclyd liefert

Wenn Inferenz – also der laufende Betrieb fertig trainierter Modelle, nicht ihr Training – künftig über Effizienz entschieden wird, verdienen daran zuerst die Zulieferer dieses Umbaus. Das gilt unabhängig davon, ob sich ausgerechnet Euclyd durchsetzt. Samsung Electronics liefert den Speicher, um den herum solche Architekturen gebaut werden, und sitzt in diesem Fall zugleich im Kapital. Broadcom entwickelt kundenspezifische Beschleuniger für alle, die neben Nvidia eigene Wege gehen; Jalapeño belegt, dass das Geschäft trägt.

Die Runde ist für europäische Verhältnisse groß und für den Markt, den sie angreift, klein. Sie kauft Euclyd keinen Vorsprung, sondern Zeit: zwei Jahre Entwicklung, finanziert von Investoren, die den Preis dafür kennen. Ob daraus ein Wettbewerber wird, entscheidet nicht diese Meldung, sondern das erste lauffähige Silizium. Bis dahin ist Euclyd eine These – und eine gut ausgestattete.

Fünf Stunden Umsatz kosten Nvidia keine Nachtruhe. Interessanter ist für Anleger derzeit die Frage, wer am Bau der Rechenzentren verdient, die bis 2028 ohnehin entstehen.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.

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