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Mercedes, Porsche AG und VW gefragt ‑ das steckt dahinter

Mercedes, Porsche AG und VW gefragt ‑ das steckt dahinter
Foto: BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen
Mercedes-Benz Group AG -%
Jochen Kauper Heute, 15:49 Jochen Kauper

Aktien deutscher Autobauer sind im freundlichen Gesamtmarkt am Dienstag überdurchschnittlich gestiegen. Sie profitierten nicht nur von der allgemeinen Entspannung an den Börsen, da die USA und der Iran eine weitere Gesprächsrunde erwägen. Auch die Aussagen der beiden Autobauer Mercedes und Porsche zur Entwicklung im ersten Quartal (Pre-Close Calls), bevor bis zur Vorlage der Zahlen die Schweigeperiode folgt, sorgten für positive Stimmung.

Zwei neue BMW Modelle stehen in der Landschaft
Quelle: BMW Group/Cover Images/picture alliance/dpa

Continental als Zulieferer der Autobranche stiegen ebenfalls. Ihnen kam eine Hochstufung auf "Overweight" durch die britische Bank Barclays zugute. Im aktuellen Umfeld setzt Analyst Erwann Dagorne stärker auf Defensivqualitäten und Preismacht, und Conti vereine dies in sich.

Am frühen Nachmittag gewannen die Papiere des Reifenherstellers im festen Dax 1,9 Prozent auf 64,82 Euro. Mercedes-Benz stiegen zugleich um 2,0 Prozent auf 55,30 Euro und überwanden damit - wie auch Porsche AG - wieder die 200-Tage-Durchschnittslinie, die ein viel beachteter Indikator für den längerfristigen Trend ist.

Porsche AG (WKN: PAG911)

VW gewannen 1,7 Prozent auf 89,34 Euro, während BMW nach schwachen Absatzzahlen im ersten Quartal um 0,3 Prozent auf 83,60 Euro nachgaben. Im festen MDax ging es für den Sportwagenbauer Porsche AG um 4,1 Prozent auf 43,20 Euro nach oben.

Besser als befürchtet ausgefallene Aussagen in den Calls von Mercedes und Porsche hätten nicht nur den Aktien der beiden, sondern auch der gesamten Autobranche geholfen, sagte ein Händler. Analysten sprachen von erfreulichen Entwicklungen in einigen Bereichen der zwei Autobauer, wiesen aber auch auf Details hin, die einen kritischeren Blick rechtfertigen.

Futuristische, digitale und nachhaltige Produktion des neuen Mercedes CLA
Quelle: Mercedes-Benz

So rechnet Barclays-Analyst Henning Cosman nach den Aussagen von Porsche mit einem "soliden Quartal", allerdings von einer schwachen Basis ausgehend. Der Umsatz insgesamt dürfte weniger stark zurückgehen als der im Großhandelsgeschäft. Die Margen für das operative Ergebnis (Ebit) und den Mittelzufluss (Free Cashflow) im ersten Quartal erwartet der Experte jeweils am oberen Ende der Zielspannen für 2026. Der Grund für die positiven Auswirkungen auf die Margen sei etwa der starke Modell-Mix des Sportwagenbauers.

Jefferies-Experte Philippe Houchois sah keine großen Überraschungen, korrigierte aber seine Schätzung für den freien Barmittelzufluss nach oben. Und die Experten von Bernstein und Oddo BHF hoben zwar die Margenentwicklung positiv hervor, stellten aber auch die für das erste Quartal noch geringen Neuausrichtungskosten dazu ins Verhältnis.

Mercedes-Benz S-Klasse
Quelle: Mercedes-Benz Group

Die Kernaussage von Porsche betraf laut Bernstein-Analyst Stephen Reitman die operative Konzernprofitabilität. Die operative Marge (Ebit), so schrieb er, werde wohl am oberen Ende der im März prognostizierten Spanne liegen, womit auch die Konsensprognose von Visible Alpha übertroffen würde. "Wir weisen jedoch darauf hin, dass die von Porsche für das Quartal prognostizierten strategischen Neuausrichtungskosten von etwa 100 Millionen Euro ungewöhnlich gering sind im Vergleich zu den für das Geschäftsjahr 2026 erwarteten 800 bis 900 Millionen Euro", schrieb er. Und Oddo schrieb: Die relativ robuste Profitabilität im ersten Quartal sei, abgesehen vom Produktmix, auf die Art der Kostenverteilung zurückzuführen.

Mercedes-Benz (WKN: 710000)

Auch mit Blick auf Mercedes sahen Analysten Licht und Schatten. Alles in allem seien die Aussagen des Autobauers etwas besser gewesen als von ihm erwartet, kommentierte Jefferies-Analyst Philippe Houchois und lobte dabei vor allem die Margen im Geschäft mit Transportern. Zwar hob er seine Schätzungen daraufhin für seine Margen-Prognosen leicht an, bleibt wegen des Nahostkonflikts aber vorsichtig für das Gesamtjahr.

Reitman von Bernstein Research sprach von einem robusten Cashflow und Barclays-Analyst Cosman sieht für Mercedes mit dem ersten Quartal das Tief des Jahres 2026 erreicht. Die Oddo-Experten senkten unterdessen ihr Kursziel von 43 auf 42 Euro und bekräftigten ihre "Underperform"-Einschätzung. Sie sehen einen schleppenden Jahresstart des Autosegments von Mercedes, sowohl hinsichtlich der Absatzmengen als auch der operativen Leistung, die von Produktumstellungen beeinträchtigt werde. Ihnen zufolge steht Mercedes weiter vor "erheblichen strukturellen Herausforderungen". Zwar stütze die großzügige Ausschüttungspolitik die Aktie, doch angesichts der Verschlechterung der Fundamentaldaten haben sie "Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Strategie".

Mercedes EQS steht vor indirekt beleuchtetem dunklen Hintergrund
Quelle: Mercedes-Benz AG

Die BMW-Aktie litt zunächst wohl unter schwachen Verkäufen in China und bei Elektroautos im ersten Quartal. Vor dem in Kürze anstehenden Pre-Close Call herrscht zudem Vorsicht. Analyst Patrick Hummel von der UBS senkte erst kürzlich sein Kursziel für die BMW-Aktie, auch wenn der Premiumhersteller mit seinen Aussagen positiv überraschen könnte. Auch Houchois von Jefferies hatte in der vergangenen Woche sein Kursziel für BMW gesenkt und auf die Auswirkungen des Iran-Kriegs hingewiesen, auch wenn diese im ersten Quartal noch zu vernachlässigen sein dürften.

BMW (WKN: 519000)

Volkswagen muss Tempo machen. Für den Massenhersteller wird die Luft immer dünner. Produktseitig kann VW derzeit nicht glänzen. Die Konkurrenz in China ist nahezu auf und davon. Und in Europa sind andere Hersteller bereits mit Elektroautos unter 25.000 Euro vorgeprescht. Aktuell ist es (noch) zu wenig was Volkswagen präsentiert, um die Aktie zum Kauf zu empfehlen. 

Ähnliches gilt für den Premium-Hersteller Mercedes-Benz. Allen voran in China hat das Team von CEO Ola Källenius Schwierigkeiten, den Absatzrückgang zu stoppen.

BMW dagegen konnte zuletzt Volumen und Preise in China stabilisieren, unter anderem durch Anpassungen im Händlernetz und Preissenkungen. Allerdings bleibt der Wettbewerb intensiv. Insgesamt gilt: Die Neue Klasse hat das Potenzial zum Gamechanger zu werden, nicht nur in China. Die Technik ist überzeugend, der Erfolg hängt jedoch in erster Linie von der Preisgestaltung ab. Grundsätzlich gilt: BMW ist mit seinem Portfolio an Verbrennern, Hybriden und reinen E-Autos gut positioniert. 

Enthält Material von dpa-AFX

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