Investieren wie Peter Lynch - So geht's
19.10.2020 Thorsten Küfner

Vor dem Champions-League-Auftakt Lazio Rom gegen Borussia Dortmund: Das große Aktien-Duell

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SOC. SPORT. LAZIO

Am Dienstag empfängt Lazio Rom zum Auftakt der Champions League Borussia Dortmund. Schon jetzt gibt es das Duell der Aktien beider Clubs. Wer hat hier die Nase vorne? 

Charttechnik 0:0 

Das „Spiel“ beginnt relativ unspektakulär: Keine Punkte für beide. Denn sowohl beim BVB als auch bei Lazio Rom sind die Chartbilder derzeit ähnlich schwach. Beide Kurse markierten kürzlich neue Zwischentiefs. Es bleibt beim 0:0. 

SOC. SPORT. LAZIO (WKN: A0BMUB)
Borussia Dortmund (WKN: 549309)

Kader 0:1 

Was bereits beim Blick auf die morgigen Startaufstellungen auffallen wird: Der BVB ist gespickt mit einer Vielzahl an spannenden Talenten: Allen voran Erling Haaland und Jadon Sancho, die das Zeug zu kommenden Weltstars haben. Zudem sorgten die 17-jährigetgn Giovanni Reyna und Jude Bellingham bereits zum Saisonstart für Aufsehen – und demnächst wohl auch das Mega-Talent Youssoufa Moukoko 

Bei Lazio Rom sucht man derart junge Hoffnungsträger derzeit vergebens. Viele Leistungsträger sind bereits über der Marke von 30 Jahren. Der wertvollste Spieler im Kader ist der 25-jährige Serbe Sergej Milinkovic-Savic, dessen Marktwert aktuell auf 65 Millionen Euro geschätzt wird. Hinzu gesellen sich einige interessante Spieler, aber keiner vom Format von Sancho oder Haaland.

Letztlich ein klarer Punkt für den BVB. 

„Marktstellung“ /Aussichten 0:2 

Der BVB ist weiterhin der „zweite Leuchtturm“ in Deutschland. Auch gemessen an den Fans gibt es nur den FC Bayern, dessen Anhängerschaft noch größer ist. In den vergangenen zehn Jahren qualifizierten sich die Borussen neunmal für die Champions League. Auch in diesem Jahr wäre es eine riesengroße Überraschung, sollte es der BVB mit seinem hochtalentierten und breiten Kader nicht schaffen, unter die ersten vier Plätze zu kommen. 

Von dieser Konstanz kann Lazio Rom hingegen nur träumen. In der vergangenen Saison glückte erstmals seit 13 Jahren wieder die Qualifikation für die Königsklasse. Hauptverantwortlich hierfür war eine historische Siegesserie ab Herbst 2019. Die Leistungen nach dem Restart und zum Saisonauftakt (nur 4 Punkte aus 4 Spielen) waren allerdings eher durchwachsen. Die Mehrheit der Experten rechnet daher und auch wegen der im Sommer zum Teil deutlich verstärkten Konkurrenz aus Turin, Mailand (AC und Inter), Neapel, Bergamo sowie dem Stadtrivalen AS Rom nicht damit, dass sich Lazio Rom erneut für die lukrative Champions League qualifizieren kann. 

Der nächste Punkt für Dortmund.


Bewertung: 1:2 

Die mittel- bis langfristige Ertragsstärke des BVB ist zwar klar höher als die von Lazio Rom. In diesem Jahr werden die Dortmunder allerdings rote Zahlen erwirtschaften. Schließlich trifft den BVB der Ausschluss der Zuschauer enorm hart. 

Bei Lazio machen die Zuschauereinnahmen einen weitaus geringeren Teil der Erträge aus. Wegen der zusätzlichen Einnahmen in der Champions League dürften die Römer erstmals seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben. Daher kann für den BVB genauso wie im letzten Jahr kein KGV ermittelt werden, bei Lazio Rom könnte es in diesem Jahr auf ein Gewinnvielfaches von 20 bis 30 hinauslaufen.  

Auch gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis sind die Anteile von Lazio mit 0,5 niedriger bewertet als die BVB-Aktie mit 0,9. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist ebenfalls bei den Italienern niedriger. 

Punkt für Lazio Rom. 


Bilanzstärke 1:3

Dieser Punkt geht wieder ganz klar an den BVB. Die Dortmunder haben seit der Beinahe-Insolvenz vor 15 Jahren die Eigenkapitalbasis enorm gestärkt. Ende Juni lag das Eigenkapital bei 305 Millionen Euro, daraus errechnet sich eine stolze Eigenkapitalquote von 65 Prozent. 

Bei Lazio Rom wurde zwar auch in den vergangenen Jahren sehr viel richtiggemacht: Die Schulden wurden kräftig abgebaut, zudem das ehemals negative Eigenkapital stetig aufgestockt. Zuletzt verringerte sich das Eigenkapital aber wieder regelmäßig. Die Eigenkapitalquote lag nur noch bei 14 Prozent.  

Bei beiden Clubs muss allerdings noch erwähnt werden, dass in den Bilanzen zum Teil sehr hohe stille Reserven schlummern. Diese entstehen dadurch, dass die Ablösesummen der verpflichteten Spieler zunächst den „Immateriellen Vermögensgegenständen" zugerechnet werden. Anschließend werden diese Investitionen über die Vertragslaufzeit der jeweiligen Spieler abgeschrieben. Durch diese Praxis dürfte etwa in der BVB-Bilanz Jadon Sancho nur mit einem niedrigen einstelligen Millionenbereich erfasst sein – im kommenden Jahr dürfte er aber Experten zufolge wohl für einen dreistelligen Betrag wechseln.  

Wieder ein Punkt für den BVB, der zum Gesamtsieg führt. 


Das Spiel morgen könnte spannend werden, das Aktienduell zwischen Lazio Rom und dem BVB war es eher nicht. Denn die BVB-Aktie ist relativ klar die bessere Wahl.

Solange sich die Aktie aber noch im Abwärtstrend befindet, sollten Anleger mit einem Einstieg noch abwarten. Wer bereits investiert ist, beachtet den Stopp bei 4,25 Euro.  

Um die Lazio-Aktie sollten Anleger hingegen weiterhin einen Bogen machen.