Die Lage im Nahen Osten hat sich über das Wochenende dramatisch zugespitzt. Nach massiven israelischen Luftschlägen auf Teheran, der Zerstörung der iranischen Satelliten-Leitzentrale und brennenden Öllagern steht höchstwahrscheinlich eine weitere von Rückschlägen geprägte Börsenwoche bevor. Für Anleger bleibt nur eine Frage: Wie weit schießt der Ölpreis nach oben?
Die Ereignisse im Nahen Osten an diesem Wochenende markieren eine neue Eskalationsstufe im ohnehin angespannten Verhältnis zwischen Israel und Iran. Nach massiven Angriffen auf Ziele in Teheran und im religiösen Zentrum Ghom deutet vieles darauf hin, dass der Konflikt ein neues Maß an Zerstörung erreicht hat.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, sein Land werde den Iran „ohne Gnade“ treffen und sprach von weiteren „Überraschungen“. Beobachter werten die jüngsten Angriffe als Versuch, die militärischen und politischen Strukturen der Islamischen Republik empfindlich zu schwächen.
In der Nacht zum Sonntag nahm die israelische Luftwaffe erneut Ziele im Iran ins Visier – diesmal offenbar gezielt Öllager. Berichten zufolge stehen staatliche Öllager bei Teheran in Flammen. Die Folgen sind besonders vor Ort spürbar: In Teilen der Hauptstadt riecht die Luft verbrannt, Augenzeugen sprechen von schwarzem Rußregen und zunehmender Benzinknappheit.
Der Iran zählt zu den bedeutenden Förderländern im globalen Ölmarkt. Zugleich liegt das Land an einer der strategisch wichtigsten Engstellen des Welthandels: der Straße von Hormus. Durch diese Meerenge wird normalerweise ein erheblicher Teil der weltweit gehandelten Öltransporte verschifft.
Doch derzeit ist der Schiffsverkehr dort de facto zum Erliegen gekommen. Viele Tanker meiden die Passage, Reedereien haben ihre Transite ausgesetzt. Die Folge: Der Ölpreis schießt nach oben. Am Sonntagabend wird ein Barrel Brent beim Broker Lang & Schwarz mit 98,99 Dollar und damit vier Prozent höher als am Vortag taxiert. Die magische 100-Dollar-Marke rückt damit immer näher.
In Teheran deutet sich außerdem ein politischer Umbruch von historischem Ausmaß an – mit tiefgreifenden Folgen für die Märkte. Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei verdichten sich die Hinweise, dass dessen Sohn Modschtaba Chamenei als Nachfolger die Macht übernehmen könnte. Der 56-Jährige gilt als noch kompromissloserer Hardliner als sein Vater und ist seit Jahren eine Schlüsselfigur im Netzwerk der Revolutionsgarden.
Für die Börse zeichnet sich damit das Worst-Case-Szenario ab: Ein Regime, das auf Eskalation statt Entspannung setzt. Israels Regierung hat bereits signalisiert, dass man auch gegenüber einem neuen, möglicherweise noch radikaleren Führer keine Zurückhaltung üben werde. Damit rücken neue militärische Spannungen ebenso in den Bereich des Möglichen wie ein Anstieg der Ölpreise durch die geopolitische Risikoprämie.
Der DAX dürfte mit einem Minus von rund einem Prozent in den Montag starten. Am Wochenende gibt die Indikation bei IG um 242 Zähler auf 23.388 Punkte nach. Damit würde der DAX nahtlos an seine Talfahrt anknüpfen. Neben der 23.000-Punkte-Marke gilt nun nur noch das November-Tief bei 22.943 Zähler als letzte Unterstützung.
Neben dem Nahost-Konflikt dürften auch einige Unternehmenstermine und Wirtschaftsdaten die Kursentwicklungen beeinflussen.
Am Montag will die Gabler Group ihren ersten Handelstag im Börsensegment Scale der Frankfurter Wertpapierbörse feiern – vorausgesetzt, der Börsengang wird auf den letzten Metern nicht noch zurückgezogen. Im Vorfeld wurde der Ausgabepreis auf 44 Euro je Aktie festgesetzt, etwas über der Mitte der Spannweite von 37 bis 47 Euro. Zudem veröffentlichen zum Wochenauftakt die Gea Group und Hewlett Packard Enterprise frische Zahlen. Aus China kommen zudem Erzeuger- und Verbraucherpreise.
Am Dienstag öffnen Volkswagen, Hugo Boss, BioNTech, und Oracle sowie Lindt & Sprüngli ihre Büche. Der Pharmakonzern Roche lädt derweil zur Hauptversammlung ein und Renault präsentiert seine neue Konzernstrategie. In Spanien hält Repsol indes einen Kapitalmarkttag ab. In China stehen hingegen die Handelsbilanz und Im- und Exportdaten im Fokus.
Zur Wochenmitte blicken die Anleger auf die Zahlen von Rheinmetall, Porsche AG, Henkel und Wacker Chemie. Bei Klöckner & Co spielen die Jahreszahlen wegen der bevorstehenden Übernahme hingegen nur noch eine untergeordnete Rolle. Zudem stehen Verbraucherpreise aus Deutschland, Portugal und den USA auf der Agenda. In Zypern findet außerdem ein Informelles Treffen der Verteidigungsminister der EU-Staaten statt.
Am Donnerstag steht die nächste Zahlenflut an: Es veröffentlichen unter anderem BMW, Brenntag, Daimler Truck, Hannover Rück, K+S, RTL, RWE, Siltronic und Zalando Jahreszahlen. Nachbörslich stehen noch Q1-Zahlen von Adobe auf dem Plan. Zudem dürften die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA die Wall Street bewegen.
Ruhig dürfte dagegen der Freitag werden: Unternehmenstechnisch stehen nur die Zahlen von De Longhi auf der Agenda. In den USA wird außerdem das Verbrauchervertrauen veröffentlicht.
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08.03.2026, 22:00