04.06.2019 Michael Schröder

Infineon: Gibt US-Präsident Trump grünes Licht für die Übernahme?

-%
Infineon
Trendthema

Die Übernahmepläne von Infineon stoßen bei den Aktionären auf Skepsis. Zu teuer, lautete die erste Reaktion der Investoren, vor allem in der gegenwärtigen Marktphase. Die Aktie des Halbleiterherstellers sackte auf den tiefsten Stand seit September 2016. Zu allem Überfluss muss am Ende auch noch US-Präsident Donald Trump grünes Licht für die Übernahme geben.

Mit einem Abschlag von rund acht Prozent war die Infineon-Aktie am Montag der schwächste Wert im DAX. In der Spitze ging es im Tief auf 14,44 Euro sogar über elf Prozent nach unten.

Infineon wagt den bisher größten Übernahmeversuch in seiner Unternehmensgeschichte und will für neun Milliarden Euro den US-Konkurrenten Cypress Semiconductor kaufen. Dazu sind die Münchner bereit, den US-Amerikanern einen Aufschlag von 46 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Handelstage zu zahlen.

Hoher Preis
„Es ist ein stolzer Preis, da ist kein Zweifel", räumt Vorstand Reinhard Ploss ein. Allerdings habe sein Konzern im Vergleich zu Wettbewerbern den Vorteil, dass es diese Summe trotz des Abschwungs in der Branche finanzieren könne. Hätten andere eine ähnlich gute Ausgangsposition gehabt, wäre der Preis noch höher ausgefallen, schätzt Ploss.

Kein Zeitdruck
Um den Kauf zu finanzieren, nimmt der DAX-Konzern zunächst einmal Kredite auf. Zeitdruck? Fehlanzeige! Die Kreditzusagen der Banken laufen über fünf Jahre. 30 Prozent der Kaufsumme soll dem Vernehmen nach durch neues Eigenkapital finanziert werden. Wann die Kapitalerhöhung von bis zu 2,7 Milliarden Euro kommt, ist noch offen.

Freigabe durch die Behörden
Ebenfalls offen ist, ob die zuständigen Behörden die Übernahme überhaupt durchwinken. Vor zwei Jahren hatte die US-Regierung Infineon die Übernahme von Wolfspeed untersagt und ihr Veto mit einer angeblichen Gefährdung der nationalen Sicherheit begründet. Cypress stellt im Gegensatz zu Wolfspeed aber nichts von militärischer Bedeutung her. Ploss zeigt sich daher recht zuversichtlich: „Wir fühlen uns – soweit man das in diesem Umfeld sagen kann – wohl, was die Freigabe durch die Behörden angeht“, so Ploss. Wirklich sicher kann man sich bei Trump und Co allerdings nie sein.

Breiteres Produktportfolio
Fakt ist: Der Kauf hat auch seine guten Seiten – und die dürften schon bald in den Vordergrund rücken. Die geplante Übernahme ist ein richtungsweisender Schritt bei der strategischen Weiterentwicklung von Infineon. Der Konzern erweiterte durch den Zukauf seine Kompetenz und seine Produktpalette – und wird so mehr und mehr zum Komplettlieferanten. Mit künftig rund zehn Milliarden Euro Umsatz steigt Infineon zudem in die Top 10 der größten Halbleiterhersteller der Welt auf.

Die Synergie-Prognose vom Vorstand klingt auf den ersten Blick realistisch. Winken die US-Behörden den Deal durch und geht der Übernahmeplan von Ploss auf, dürfte der Konzern mittelfristig operativ profitieren – und die Aktie deutlich höher notieren. Anleger mit Weitblick können das aktuelle Niveau daher zum Auf- oder Ausbau einer Position nutzen. Bis zu offiziellen Ankündigung, wie und zu welchen Konditionen das notwendige Eigenkapital aufgenommen werden soll, dürfte sich die Aktie aber recht volatil zeigen.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Akien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.