Großer Erfolg für die deutsche Tech-Branche: Die Telekom-Tochter T-Systems und der Softwarekonzern SAP haben sich einen prestigeträchtigen Großauftrag der Bundesregierung gesichert. Wie das Bundesdigitalministerium in Berlin mitteilte, geht der Zuschlag für den Aufbau einer zentralen KI-Plattform für die öffentliche Verwaltung an die beiden DAX-Riesen.
Das Projekt war im Vorfeld monatelang blockiert. Ein Bündnis um den US-Technologieriesen Google und den Dortmunder IT-Dienstleister Adesso hatte Rechtsmittel gegen das Vergabeverfahren eingelegt. Diese Vergaberüge wurde nun überraschend zurückgezogen. Damit ist Google endgültig ausgebremst und der Weg frei für die deutschen Anbieter.
Das Gesamtvolumen des Auftrags beläuft sich auf knapp 250 Millionen Euro. Um kritische Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten von vornherein zu vermeiden, hat das Ministerium den Auftrag bewusst gesplittet. Das erstplatzierte Konsortium aus Telekom und SAP erhält 70 Prozent des Volumens. Die verbleibenden 30 Prozent gehen an ein zweites Konsortium um das Wiesbadener IT-Unternehmen SVA System Vertrieb Alexander. Dieses Prinzip soll die digitale Robustheit stärken. Bereitet ein Auftragnehmer Probleme, steht der andere parat.
Die neue KI-Cloud soll zur zentralen Schaltstelle für Bund, Länder und Kommunen werden. Das Ziel ist eine Beschleunigung der Verwaltung: Die Plattform soll Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen, die Dokumentenverarbeitung optimieren und automatisierte Textzusammenfassungen in den Behörden ermöglichen.
Kampfansage an die US-Konkurrenz
Die Beteiligten betonen nach der Entscheidung die strategische Bedeutung für den Standort. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) machte die Tragweite deutlich: „Mit der KI-Cloud schaffen wir das Rückgrat einer souveränen, digitalen und KI-fähigen Verwaltung in Deutschland. Wir setzen damit eine strategische Entscheidung um: Leistungsfähige Digitalisierung für Bund, Länder und Kommunen läuft auf einer Infrastruktur, die wir selbst kontrollieren - sicher, skalierbar und europäisch anschlussfähig.“
Telekom-Chef Tim Höttges drängt nach der langen Hängepartie auf Tempo: „Europa hat enormen Nachholbedarf, den wir nicht mit Diskussionen, sondern nur mit Taten beheben.“ Die Telekom gehe hierbei mit SAP voran. „Zusammen sorgen wir dafür, dass Deutschland und Europa die digitale Zukunft selbst in der Hand haben.“
Für SAP-Chef Christian Klein ist die Plattform ein entscheidender Baustein für die Unabhängigkeit: „Digitale Souveränität und Künstliche Intelligenz gehören zusammen. Wir bringen unsere Stärke aus Geschäftsprozessen, Daten und vertrauenswürdiger KI über die SAP Business AI Platform ein, um gemeinsam mit der Telekom Innovation im öffentlichen Sektor zu beschleunigen - sicher, skalierbar und entlang eines gemeinsamen Standards für Kommunen, Länder und den Bund als Teil des Deutschland-Stacks.“ Mit einem Stack ist ein modularer digitaler Baukasten gemeint, in dem verschiedene technologische Module aufeinander aufbauen.
Die Deutsche Telekom beweist einmal mehr ihre Rolle als verlässlicher Fels in der Brandung. Bei SAP unterstreicht der Deal die erfolgreiche Transformation zum Business-AI-Anbieter und lässt die zwischenzeitlichen KI-Verdrängungssorgen weiter schwinden. Das spielt auch der jüngsten Derivate-Empfehlung von DER AKTIONÄR in die Karten.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Deutsche Telekom.
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Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 20:37