Der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer kommt nicht zur Ruhe. Erneut muss das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf Fehler in der Bilanzierung beheben und wird den für den 26. Februar angekündigten Geschäftsbericht verschieben. Im frühen Handel rutscht der SDAX-Wert erneut prozentual zweistellig ab.
Die vom Unternehmen eingeleitete noch laufende Untersuchungen erfordern mehr Zeit für die Aufstellung und Abschlussprüfung, so Gerresheimer in einer Pressemitteilung vom späten Dienstagabend. Auf Basis der derzeitigen Erkenntnisse der laufenden Untersuchungen und der Abschlussprüfungsarbeiten inklusive der bereits angekündigten Korrekturen von Umsätzen aus Bill-and-Hold ergebe sich damit für das Geschäftsjahr 2024 aktuell ein Korrekturbedarf von insgesamt voraussichtlich rund -35 Millionen Euro bei den Umsatzerlösen und voraussichtlich rund -24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA, heißt es weiter.
Die Wertminderungen haben Auswirkungen auf die Prognose für 2025. Der Umsatzrückgang soll am oberen Ende des erwarteten Umsatzrückgangs zwischen zwei und vier Prozent liegen. Darüber hinaus muss Gerresheimer bei der bereinigten EBITDA-Marge mit 16,5 bis 17,5 Prozent kleinere Brötchen backen (zuvor: 18,5 bis 19,0 Prozent).
Für das Geschäftsjahr 2026 stellt Gerresheimer wieder steigende Gewinnspannen in Aussicht: Die bereinigte EBITDA-Marge soll sich zwischen 18,0 und 19,0 Prozent einfinden. Der Umsatz wird zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro erwartet (vor M&A-Aktivitäten).
Um die Kosten besser im Griff zu haben, haben die Düsseldorfer ein Transformationsprogramm aufgelegt. Unter anderem soll der Standort in Chicago Heights geschlossen werden. Indes ist kurzfristig nicht mit einem Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts zu rechnen. Dafür will sich Gerresheimer von der US-Tochter Centor trennen, die sich auf Verpackungssysteme für die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente in den USA konzentriert.
Nach mehreren Gewinnwarnungen und Unstimmigkeiten in der Bilanzierung muss Gerresheimer einen weiteren Nackenschlag verkraften. Es dürfte nun noch länger dauern, das verlorengegangene Vertrauen des Kapitalmarktes zurückzugewinnen. Anleger greifen nicht ins fallende Messer und bleiben an der Seitenlinie.
Heute, 07:53