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21.11.2020 Carsten Kaletta

Fraport-CEO: "Die aktuellen Nachrichten machen uns Mut"

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Fraport

Fraport macht die Corona-Pandemie schwer zu schaffen. Trotz der jüngsten positiven Impfstoff-News dürfte es lange dauern, bis sich eine neue – für den Flughafenbetreiber – profitable Normalität einstellt. DER AKTIONÄR hat mit Fraport-Chef Dr. Stefan Schulte über den langen Weg zurück, über das Thema "Terminal 3", den wichtigen Standort Antalya und die Verschuldung gesprochen.

Dr. Stefan Schulte, Fraport-CEO
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DER AKTIONÄR: Sehr geehrter Herr Dr. Schulte, 2021 rechnen Sie mit 35 bis 45 Prozent des Vor-Corona-Niveaus, also des Passagieraufkommens von 2019. Womit rechnen Sie konkret im Jahr 2022?
Stefan Schulte: Ich bin davon überzeugt, dass sich der Reiseverkehr auch 2022 weiter erholen wird. Konkrete Prognosen bereits für das übernächste Jahr abzugeben, fällt aufgrund der nach wie vor diffusen Lage schwer. Da gibt es einfach zu viele Variablen, die niemand sicher bewerten kann. Viel hängt davon ab, wie sich die Infektionszahlen weltweit entwickeln und wann ein wirksamer Impfstoff breit verfügbar ist. Da machen die aktuellen Nachrichten uns Mut. Und natürlich hängt vieles auch davon ab, wie schnell sich die Weltwirtschaft erholt und wie sich Arbeitslosigkeit und verfügbare Einkommen entwickeln. Das Jahr 2022 wird aber sicher deutlich besser als das Jahr 2021, da bin ich sehr zuversichtlich.

Sie erwarten, dass das Passagieraufkommen 2023/2024 bei 80-90 Prozent des Vor-Corona-Niveaus liegt. Dann würden Sie – konservativ gerechnet - das 2019er-Niveau erst 2030 wieder (ein jährliches Passagierwachstum von drei Prozent unterstellt) erreichen. Oder rechnen Sie bereits früher wieder mit dem Erreichen des Vor-Corona-Niveaus?
Wir sehen durchaus Chancen, deutlich früher wieder die bisherigen Höchstwerte zu erreichen, wenn es keine größeren Rückschläge gibt. Und wir gehen davon aus, dass wir von diesem Niveau aus dann auch wieder ein nachhaltiges, langfristiges Wachstum der Passagierzahlen sehen werden. Deshalb setzen wir ja auch unsere Investitionen in die Zukunftsfähigkeit fort – insbesondere den Bau von Terminal 3. 

Wird der durch Corona verstärkte Trend zu mehr digitaler Business-Kommunikation (Teams, Zoom und Co.) zunehmend zu einem Problem?
Mit Sicherheit werden Unternehmen stärker auf digitale Alternativen setzen, um Dienstreisen zu reduzieren. Doch eines ist auch klar: Die Welt wird weiterhin arbeitsteilig sein, die Globalisierung wird nicht zurückgedreht. Und für viele Anlässe ist dann doch der persönliche Kontakt unerlässlich. Sei es, dass man wichtige Verhandlungen führt oder Ingenieure an die Baustellen und Produktionsanlagen weltweit schickt. Business-Verkehre haben in Frankfurt übrigens schon vor Corona nur noch einen Anteil von 35 bis 40 Prozent am Gesamtverkehr gehabt. Entscheidend ist also vielmehr, wie sich der Urlaubs- und Kurzreiseverkehr entwickelt. Und da sind wir positiv gestimmt.

Ende 2024 verlieren Sie ihre Konzession für Antalya. Mit dem Flughafen haben Sie in den vergangenen Jahren rund 50 Millionen Euro Gewinn pro Jahr erwirtschaftet: Wie wollen Sie das kompensieren?
Zunächst einmal sind wir froh, dass sich unsere Beteiligung in Antalya in den vergangenen Jahren so stark entwickelt hat. Die Türkei bleibt – trotz aktueller Schwierigkeiten – ein wirtschaftlich interessantes Land und die Region um Antalya ein sehr attraktiver Tourismusstandort. Wir haben gemeinsam mit unseren Partnern bewiesen, dass wir den Flughafen dort erfolgreich weiterentwickeln können. Unabhängig davon sind wir international breit aufgestellt mit unseren rund 30 Standorten weltweit, die noch deutliches Gewinnsteigerungspotential haben. Das wollen wir in den nächsten Jahren weiter entwickeln und ausbauen.  

Auf der anderen Seite wollen Sie ab 2025 Terminal 3 eröffnen – mit entsprechendem Kostenblock. Womöglich haben wir dann noch immer kein Vor-Corona-Niveau: Wäre es nicht wirtschaftlicher sinnvoller, das Terminal 3 erst 2026/2027/2028 aufzumachen?
Wir werden die Inbetriebnahme von Terminal 3 definitiv von der Entwicklung der Passagierzahlen abhängig machen. Aktuell gehen wir davon aus, dass wir im Jahr 2025 die entsprechende Nachfrage sehen werden, aber es kann auch 2026 werden. Hier können wir flexibel agieren. Deshalb laufen die Baumaßnahmen weiter, auch wenn uns die aktuelle Krise natürlich Gelegenheit gibt, einzelne Maßnahmen und Vergaben zeitlich zu strecken. 


Die Nettoverschuldung ist aufgrund des regelmäßig negativen freien Cash-Flows von 2016 (2,4 Milliarden Euro) auf 5,5 Milliarden Euro gestiegen. Bis Ende 2023 dürften es 6,5 Milliarden Euro Schulden sein. Wie wollen Sie diesen Prozess umkehren?
Wir steuern massiv gegen und reduzieren durch ein Bündel an Maßnahmen die Personalkosten und die Sachkosten um 350 bis 400 Millionen Euro pro Jahr. Rund eine Milliarde an ursprünglich geplanter Investitionen haben wir gestrichen oder aufgeschoben. Dennoch ist es richtig, dass wir gerade bei Terminal 3 in diesem und im kommenden Jahr noch hohe Mittelabflüsse haben. Danach ist hier der Peak überschritten. Unterm Strich gehen wir davon aus, dass wir bereits 2023 wieder einen positiven Free Cash Flow sehen werden. 


Zum Abschluss natürlich die Frage: Warum sollten Anleger gerade jetzt die Fraport-Aktie kaufen?
Die Corona-Krise hat unsere gesamte Branche schwer getroffen, das ist keine Frage. Aber es ist inzwischen klar, dass der Luftverkehr kein wesentlicher Treiber der Infektionen ist. Und die Chancen stehen gut, dass wir – unterstützt von Schnelltests und den ersten verfügbaren Impfstoffen – zumindest ab der kommenden Sommerflugplanperiode eine deutliche Erholung sehen. Gerade in der Hochlaufphase wird sich der Verkehr auf die großen Hubs konzentrieren, denn die Airlines werden vor allem dort Verbindungen anbieten, wo sie die Flieger gut auslasten können und wo eine exzellente Anbindung auch intermodal zur Bahn gegeben ist. Davon sollten wir am Flughafen Frankfurt profitieren.

Langfristig bin ich ohnehin davon überzeugt, dass der Luftverkehr ein Wachstumsmarkt bleiben wird. Die Menschen möchten weiterhin die Welt entdecken, und die Globalisierung wird nicht zurückgedreht. Wir sind mit Terminal 3 und auch unseren weitgehend abgeschlossenen Ausbauprojekten an den internationalen Standorten sehr gut aufgestellt, um davon zu profitieren. 


Fraport (WKN: 577330)

Fraport dürfte noch lange mit den Folgen der Corona-Pandemie kämpfen. Wann der Flughafenbetreiber wieder schwarze Zahlen schreibt, ist ungewiss. Zudem dürfte der freie Cashflow bis weit in die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts negativ bleiben. Aus Sicht des AKTIONÄR ist nach dem jüngsten starken Kursanstieg schon sehr viel an positiver Entwicklung vorweggenommen. Anleger sollten den Kursen nicht mehr hinterherlaufen. Fazit: Die Aktie ist kein Kauf.