BP hat im dritten Quartal deutlich vom angespannten Energiemarkt profitiert. Höhere Rohölpreise und besonders starke Margen im Raffineriegeschäft ließen den bereinigten Nettogewinn auf knapp 8,5 Milliarden US-Dollar steigen. Im Vorjahresquartal hatte er 2,21 Milliarden Dollar betragen. Damit übertraf der britische Konzern die Analystenerwartungen klar.
Mehr als die Hälfte des Ergebnisses entfiel auf Raffinerien und den Handel mit Energieprodukten. An der Börse gewann die BP-Aktie nach der Mitteilung knapp zwei Prozent.
Konzernchefin Meg O’Neill verwies auf die anhaltende Unruhe an den Energiemärkten und gestörte Lieferwege. Viele Raffinerien liefen demnach nahe ihrer Kapazitätsgrenze, um fehlende Produkte auszugleichen. Gleichzeitig müssen Tanker Umwege fahren und längere Strecken zurücklegen. Die Freigabe staatlicher Reserven und der Abbau kommerzieller Lagerbestände helfen zusätzlich, Versorgungslücken zu überbrücken.
Diesmal keine Aktienrückkäufe
Zu den Ursachen der knappen Versorgung zählen der Iran-Krieg sowie ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien. Der Ölpreis liegt bereits wieder über 100 Dollar je Barrel und einzelne Kraftstoffe haben sich zuletzt sogar noch stärker verteuert. Davon profitieren BP und Wettbewerber wie Shell. Anders als mehrere andere große Ölkonzerne stellte BP diesmal jedoch keine zusätzlichen Aktienrückkäufe in Aussicht.
O’Neill führt BP erst seit April und ist die erste Frau an der Spitze des Unternehmens. Sie will Kosten senken, Vermögenswerte veräußern und Schulden abbauen. Am 15. Dezember will sie die strategische Ausrichtung des Konzerns vorstellen.
Es bleibt dabei: Das aktuelle Marktumfeld mit anhaltend hohen Öl- und Gaspreisen spielt BP natürlich voll in die Karten. Allerdings ist der recht einseitige und kurzsichtige Fokus des BP-Vorstands auf Öl und Gas auch vermehrt einigen Aktionären ein Dorn im Auge. Die Aktien von Repsol, Shell oder TotalEnergies sind daher mittel- bis langfristig attraktiv. Der Dividendentitel BP ist daher letztlich weiterhin eine solide Halteposition (Stopp: 6,50 Euro).
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