Der britische Energieriese BP sorgt mit einem überraschenden Führungswechsel für Unruhe an den Märkten. Der Konzern hat Verwaltungsratschef Albert Manifold mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Als Grund nannte BP „ernste Bedenken“ hinsichtlich Unternehmensführung, Kontrolle und Verhalten. Weitere Details dazu lieferte das Unternehmen allerdings nicht.
• BP setzt Verwaltungsratschef Albert Manifold überraschend mit sofortiger Wirkung ab.
• Hintergrund sind laut Konzern „ernste Bedenken“ bei Führung und Kontrolle.
• Die Aktie reagiert heftig und verliert zeitweise rund neun Prozent.
Die Reaktion an der Börse fiel heftig aus: Die Aktie sackte zeitweise um rund neun Prozent ab und lag zuletzt noch deutlich im Minus. Übergangsweise übernimmt nun Ian Tyler den Vorsitz des Verwaltungsrats. Parallel startet BP die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge.
Aus dem Unternehmen hieß es, man halte unverändert an der eingeschlagenen Strategie fest. BP wolle die operative Entwicklung weiter vorantreiben und den Fokus auf finanzielle Disziplin sowie höhere Renditen für Aktionäre legen.
Besonders brisant: Manifold war erst seit Oktober Chairman des Konzerns. Schon bei der Hauptversammlung im vergangenen Monat hatte seine Wahl ungewöhnlich wenig Rückhalt erhalten. Lediglich 81,8 Prozent der Aktionäre stimmten für ihn – für BP-Verhältnisse ein schwaches Ergebnis. Üblicherweise erhalten Kandidaten nahezu vollständige Zustimmung. Aktivistische Investoren hatten bereits damals deutliche Kritik an Fragen der Unternehmensführung und Klimastrategie geäußert.
Die Personalie kommt in einer sensiblen Phase für den Konzern. BP richtet den Fokus derzeit wieder stärker auf das klassische Öl- und Gasgeschäft und fährt die Ambitionen im Bereich erneuerbarer Energien zurück. Gleichzeitig steht mit Meg O’Neill seit Kurzem eine neue Konzernchefin an der Spitze des Unternehmens.
Seit dem Hoch Ende März hat die Aktie von BP zuletzt peu à peu an Wert verloren. Nun rückt die 200-Tage-Linie bei 473 Britischen Pence wieder näher. Wird auch diese gerissen, wäre dies ein neues Verkaufssignal für die Aktie. Die Aktie, die insbesondere wegen ihrer hohen Dividendenrendite von derzeit 4,7 Prozent bei den Anlegern beliebt ist, ist bereits seit Längerem vom AKTIONÄR nur noch als Halteposition eingestuft. Stopp auf 5,20 Euro nachziehen.
Heute, 15:01