Das tragische Unglück von Crans-Montana ist menschlich eine Katastrophe. Mindestens 40 Todesopfer und über 100 Verletzte erschüttern die Schweiz. Auch für den Versicherer AXA hat das Inferno Folgen. Aus Anlegersicht gilt es jedoch, zwischen der menschlichen Tragweite und den finanziellen Auswirkungen klar zu trennen.
AXA Schweiz hat bestätigt, dass sowohl die Gemeinde Crans-Montana als auch die betroffene Bar „Le Constellation“ über Haftpflichtversicherungen bei dem Konzern verfügten. Beide Policen seien branchenübliche Standardprodukte mit vertraglich begrenzten Deckungssummen. Wer letztlich haftet, ist Gegenstand laufender strafrechtlicher Untersuchungen.
Bekannt ist bereits, dass die bestehenden Versicherungssummen im Falle einer Haftung nicht ausreichen dürften. Gemeinde und Bar waren damit unterversichert. AXA stellte dennoch klar, den vertraglichen Verpflichtungen vollumfänglich nachzukommen.
Die medizinische Versorgung der Betroffenen ist unabhängig von der Haftungsfrage gesichert. Für in der Schweiz wohnhafte Opfer kommen vorleistungspflichtige Sozialversicherungen auf, darunter auch die Unfallversicherung der AXA. Diese Versicherer können ihre Kosten später teilweise von den Haftpflichtigen zurückfordern.
Für nicht gedeckte Schäden wie Genugtuungsansprüche besteht zudem die Möglichkeit, Gesuche nach dem Schweizer Opferhilfegesetz zu stellen. Der neue CEO von AXA Schweiz, Patric Deflorin, regte die Einrichtung eines runden Tisches unter Führung des Bundes an. Ziel ist eine koordinierte, unbürokratische Lösung mit allen Beteiligten. Dadurch sollen jahrelange Einzelverfahren vermieden werden.
Schätzungen gehen von möglichen Gesamtschadensforderungen von über 200 Millionen Franken aus. Darin enthalten sind Rettungskosten, medizinische Versorgung, langfristige Rentenzahlungen, Lohnausfälle sowie Schadenersatzforderungen. Verifizieren lässt sich diese Zahl aktuell nicht.
AXA hat allein in der Schweiz ein Geschäftsvolumen von über sechs Milliarden Franken bei einem Reingewinn von zuletzt rund 800 Millionen Franken. Zudem sind Großschäden üblicherweise rückversichert. Ein Teil der Belastungen dürfte somit bei Rückversicherern wie Hannover Rück, Munich Re oder Swiss Re landen.
Das Ereignis von Crans-Montana ist menschlich erschütternd und wirft viele offene Fragen auf. Für den AXA-Gesamtkonzern sollten die finanziellen Folgen jedoch überschaubar bleiben. Die Aktie bleibt eine laufende Empfehlung. Investierte Anleger halten an der Position fest.
09.01.2026, 07:47