Kommt jetzt der Crash? Im Zweifel: Kaufen
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11.10.2018 Martin Weiß

Diesen Chart würde Donald Trump am liebsten verbieten (aus gutem Grund)

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DAX

Börsen auf Rekordhoch, boomender Arbeitsmarkt, starke Wirtschaftsdaten – keine Statistik, die Donald Trump nicht über Twitter mit seinen Millionen Fans teilt, sofern sie ihn in einem guten Licht erscheinen lässt. Aus diesem Grund dürften seine Anhänger diesen einen Chart auch kaum jemals zu Gesicht bekommen.

Was ist passiert?

Die Wall Street bebt. Zinsängste und der eskalierende Handelskrieg treiben die Anleger aus dem Aktienmarkt. Der Dow Jones büßte am Mittwoch 3,2 Prozent an Wert ein, für Techwerte ging es noch deutlich stärker nach unten.

US-Präsident Donald Trump hat einen Schuldigen für die Misere schon ausgemacht: die amerikanische Notenbank. In einem Interview bezeichnete er deren Zinsanhebungen als falsch und die Banker als verrückt.

Weshalb ist das relevant?

Donald Trump liebt den öffentlichen Auftritt, vor allem aber liebt er Nachrichten, die ihn als knallharten und erfolgreichen Dealmaker zeigen. Zuletzt schwamm der seit zwei Jahren amtierende US-Präsident auf einer regelrechten Erfolgswelle:

1) Handelsabkommen NAFTA durch USMCA ersetzt – Tweet

2) Arbeitslosigkeit gesunken – Tweet

3) Gute Umfragewerte – Tweet

Dass ihm Notenbank-Chef Jerome Powell nun quasi in die Suppe spuckt – und das auch noch vor den wichtigen Midterm-Wahlen im November – gefällt dem US-Präsidenten gar nicht. Zumal er sich gerade noch damit gebrüstet hatte, dass der US-Aktienmarkt seine globale Führungsrolle weiter ausgebaut hat (Tweet).

Vor diesem Hintergrund wird ihm auch kaum dieser Chart zusagen, der vor allem eines zeigt: die schnell kippende Stimmung am Aktienmarkt.

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Das große Ganze

Inklusive Mittwoch ist der marktbreite Standard & Poor's 500 fünf Tage in Folge gesunken und damit so lange, wie noch nie während der Amtszeit von Donald Trump. Der rasante Abstieg könnte dem Präsidenten noch Ärger bereiten, vor allem, wenn ihn seine Kritiker als Folge der ultra-aggressiven "Make-Amerika-great-again"-Kampagne ausschlachten.

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