17.09.2019 Jochen Kauper

Daimler: Sind Flugtaxis die Lösung aller Verkehrsprobleme?

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Am Samstag flog ein Flugtaxi des Start-ups Volocopter erstmals vor Publikum über Stuttgart. Daimler ist bereits länger an Volocopter beteiligt. Daimlers chinesischer Partner Geely ist vor kurzem über eine Finanzierungsrunde bei Volocopter eingestiegen. Werden Daimler und Geely auf lange Sicht von Volocopter profitieren können?

Bei dem Test am Samstag drehte das Fluggerät von Volocopter gut vier Minuten lang vor dem Mercedes-Museum seine Runden. Der Volocopter flog dabei ohne Passagiere. Ein Pilot steuerte das Fluggerät vom Boden aus auf gut 30 Meter Höhe und blieb etwa 100 Meter vor den etwa 12.500 Zuschauern in der Luft stehen.

Der Ultraleichthubschrauber von Volocopter, der mit seinen 18 Rotoren aussieht wie eine Mischung aus Hubschrauber und Drohne, wird mit Strom angetrieben, verursacht also in der Stadt keine Abgase und ist deutlich leiser als normale Helikopter.

Daimler-Chef Källenius hält fliegende Taxis für eine Lösung der Verkehrsprobleme in den Städten. Er sei überzeugt, dass das Stauproblem auf bestimmten Strecken auf diese Art und Weise gelöst werden könne. Der Autobauer ist an dem Bruchsaler Start-up beteiligt. Auch Daimlers chinesischer Großaktionär Geely ist jüngst über eine Finanzierungsrunde bei Volocopter eingestiegen. Insgesamt hat das Start-Up bislang 85 Millionen Euro von Investoren eingesammelt.

Deutschlandweit wird an Flugtaxis gearbeitet: So hat das fünfsitzige elektrische Flugtaxi Lilium Jet im Mai in Oberpfaffenhofen seinen Jungfernflug erfolgreich absolviert. Der Flugzeugbauer Airbus hatte kurz davor in Donauwörth seinen viersitzigen elektrischen City-Airbus mit vier Rotoren erstmals in die Luft gebracht. Forscher der RWTH und der Fachhochschule Aachen wollen bis 2024 ihr elektrohybrides Kleinflugzeug Silent Air Taxi in Betrieb nehmen.

Wann tatsächlich Flugtaxis in deutschen Innenstädten unterwegs sein werden, ist noch offen. Der Flughafen Frankfurt prüft gemeinsam mit Volocopter, wie das drohnenähnliche Verkehrsmittel in den Flughafenbetrieb integriert werden kann. Für einen kommerziellen Betrieb mit Passagieren - auch mit Pilot - fehlt Volocopter bislang noch die Genehmigung. Als nächstes sind Testflüge in Singapur geplant. Unter welchen Bedingungen - ob autonom oder mit Pilot - ist noch nicht bekannt.

In Dubai hatte der Volocopter vor zwei Jahren seinen komplett autonomen Jungfernflug absolviert. Experten der Unternehmensberatung Horváth und Partner rechnen schon 2025 damit, dass Flugtaxis in großen Städten auf ersten festgelegten Routen Passagiere transportieren. Mit autonomen Flügen ohne Pilot rechnen die Experten erst 2035. Bis dahin müsste es auch einen gesetzlichen Rahmen für solche pilotenlose Flüge geben.

Der Flug in Stuttgart war Teil eines Forschungsprojekts der Stuttgarter Hochschule für Technik. Ziel ist es unter anderem herauszufinden, was ein möglicher 15-minütiger Taxiflug von der Innenstadt an den Flughafen Stuttgart einmal kosten darf. Eine vergleichbare - bei freien Straßen etwa halbstündige - Taxifahrt liegt bei rund 35 Euro. Dabei gehen die Forscher auch der Frage nach, wer sich überhaupt einem Taxiflieger ohne Piloten anvertrauen würde. Erste Ergebnisse sollen schon im Oktober veröffentlicht werden.

Daimler ist bereits seit 2017 an Volocopter beteiligt. Ein weitsichtiger Schritt, keine Frage. Der Ruf nach neuen Mobilitätsformen sowie neuen Antrieben wie Elektromobilität oder Wasserstoff wird im Zuge des Klimawandels immer lauter. Die Autobauer müssen sich völlig neu erfinden. Bis Flugtaxis allerdings salonfähig werden, werden sicherlich noch 10 oder 20 Jahre vergehen. Daimlers Schritt ist richtig, allerdings wird Volocopter noch viele Jahre benötigen, um den Durchbruch zu schaffen, sodass Daimler von seiner Beteiligung profitiert.

Daimler (WKN: 710000)

Für Entwarnung ist es noch zu früh. Ein Kaufsignal signalisiert die Daimler-Aktie erst, wenn die 200-Tage-Linie bei 49,67 Euro fällt. DER AKTIONÄR geht nicht davon aus, dass die Daimler-Aktie in einem Zug diese wichtige Hürde nehmen wird. Nach dem letzten Anstieg ist eine Konsolidierung zwischen 45,50 Euro und 48,00 Euro wahrscheinlich. Im Anschluss kann die Aktie mit neuer Dynamik die 200-Tage-Linie angreifen.

(Mit Material von dpa-AFX).

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Daimler.