23.04.2020 Jochen Kauper

Daimler: Gewinn bricht ein, Prognose gestrichen - Fusion als einziger Ausweg?

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Daimler

Gewinneinbruch bei Daimler, die Prognose für das Gesamtjahr entfällt. Die Aktie reagiert auf die vorläufigen Zahlen für das erste Quartal mit Kursgewinnen. Steht Daimler möglicherweise sogar vor einer Fusion?

In den ersten drei Monaten ging das EBIT laut den vorläufigen Zahlen von 2,798 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 617 Millionen Euro zurück. Die Prognose für das Gesamtjahr entfällt. Die Zahlen für das erste Quartal sind – wenig überraschend – stark eingebrochen. „Die Werte für Q2 könnten noch schlechter ausfallen. Die Coronavirus-Krise ist von den wirtschaftlichen Auswirkungen her unserer Einschätzung deutlich gravierender als 9/11 oder die Finanzkrise“, schreibt NordLB-Analyst Frank Schwope in seiner neuesten Studie.

Trotzdem sieht sich Daimler finanziell gut aufgestellt, um nach der Corona-Krise wieder durchzustarten: "Angesichts des Umstands, dass wir umfassende Maßnahmen zum Schutz unseres Barmittelbestands getroffen und unsere finanzielle Flexibilität erhöht haben, sind wir zuversichtlich, für die Zeit während und nach der Krise gut positioniert zu sein", heißt es in der Pressemitteilung zu den vorläufigen Zahlen.

"Daimler hat unter anderem einen sehr hohen Anteil an Nutzfahrzeugen. Außerdem ist Daimler im Vergleich zu VW und BMW stärker von Nordamerika abhängig."

Jürgen Pieper Bankhaus Metzler

Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sieht Daimler im Vergleich zu Volkswagen und BMW jedoch im Hintertreffen. „Daimler hat unter anderem einen sehr hohen Anteil an Nutzfahrzeugen. Außerdem ist Daimler im Vergleich zu VW und BMW stärker von Nordamerika abhängig. Den Automarkt in Nordamerika sehe ich in den nächsten Monaten eher skeptisch. Außerdem hat Daimler im Vergleich ein schlechteres Kostenmanagement“, sagt Pieper gegenüber dem AKTIONÄR.

"Angesichts der Krise aber auch mit Blick auf die disruptiven Zeiten ist vielleicht auch für Daimler die Zeit gekommen, über einen Zusammenschluss nachzudenken."

Frank Schwope NordLB

Analyst Schwope sieht Daimler unter Druck. „Angesichts der Krise aber auch mit Blick auf die disruptiven Zeiten ist vielleicht auch für Daimler die Zeit gekommen, über einen Zusammenschluss nachzudenken, zumal die Bewertungen der Unternehmen gegenwärtig relativ niedrig sind“, so Schwope.

Daimler (WKN: 710000)

Der Börsenwert von Daimler ist in den letzten Wochen auf rund 30 Milliarden Euro zusammengeschmolzen. Zum Vergleich: Der Elektroautohersteller Tesla bringt aktuell stolze 120 Milliarden Euro auf die Waage!

Steht Daimler vor einer Fusion?

Daimler ist in Sachen E-Mobility ins Hintertreffen geraten. Vielleicht ist es an der Zeit, die Kräfte zu bündeln. Mit BMW besteht eine Zusammenarbeit in Sachen autonomes Fahren. Jedoch: Eine Fusion der beiden ist unwahrscheinlich. Bleibt der chinesische Partner Geely. Geely hält bereits 9,7 Prozent an Daimler. Und Geely-Chef Li Shufu hat bereits beweisen, dass er verstaubte Autobauer wie Volvo oder Lotus wieder aufpolieren kann. Volvo zum Beispiel hat mit seiner Elektromarke Polestar ein Ausrufezeichen gesetzt.

daimler.com

„Geely Chairman Li Shufu ist mutig und erfolgreich. Daimler und Geely, das wird laufen. Alle die es schaffen, sich mit chinesischen Partnern stabil aufzustellen, sind die potentiellen Gewinner“, sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber dem AKTIONÄR.

Werden wichtige Investitionen zurückgestellt?

Die Corona-Pandemie kommt für die deutschen Autobauer wie Daimler zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Wandel weg vom Verbrennungsmotor, der Cash-Cow der letzten Jahrzehnte, hin zur Elektromobilität, neuen Mobilitästdiensten und dem richtigen Thema autonomes Fahren wird Milliarden verschlingen. Viele Investitionen könnten zurückgestellt werden. Wodurch Daimler, BMW und VW wertvolle Zeit im Kampf gegen Tesla, Nio oder XpengMotors verlieren könnten.

Dennoch: Was die Aktie von Daimler betrifft, so hat die Börse viel Negatives vorweggenommen. Gut möglich, dass Kurse zwischen 25 Euro und 27 Euro institutionelle Investoren (Geely, BAIC) anlocken, ihren Anteil weiter auszubauen. Anleger legen sich bei Daimler bei Kursen um 27 Euro auf die Lauer. Mut und Geduld sind gefragt.

Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß §34b WpHG: Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Daimler.

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