Kurz vor dem erwarteten offiziellen Übernahmeangebot für die Commerzbank setzt die UniCredit ein Ausrufezeichen. Die italienische Großbank ist besser ins Jahr gestartet als von Analysten erwartet und hebt ihre Ziele für 2026 leicht an. Für UniCredit-Chef Andrea Orcel kommen die starken Zahlen genau zum richtigen Zeitpunkt.
Die UniCredit hat den Nettogewinn im ersten Quartal um 16 Prozent auf den Rekordwert von 3,22 Milliarden Euro nach oben geschraubt. Damit haben die Italiener die Erwartungen pulverisiert. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 2,68 Milliarden Euro gerechnet.
Auch bei den Erträgen schnitt die UniCredit besser ab als erwartet. Sie legten im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Der Analystenkonsens hatte bei 6,44 Milliarden Euro gelegen.
Getragen wurde die Entwicklung sowohl vom Zins- als auch vom Provisionsüberschuss. Beide Kennzahlen legten zu. Für das Gesamtjahr zeigt sich das Management nun etwas optimistischer. UniCredit rechnet jetzt mit einem Nettogewinn von mindestens elf Milliarden Euro. Bisher hatte die Bank rund elf Milliarden Euro angepeilt.
Vorstandschef Andrea Orcel verwies im Rahmen der Zahlenvorstellung auf die Stärke des Geschäftsmodells. Die Zahlen würden die Widerstandsfähigkeit und Konsistenz der Bank sowie die erfolgreiche Umsetzung der Strategie zeigen.
Das Zahlenwerk kommt für Orcel zu einem wichtigen Zeitpunkt. UniCredit will noch am heutigen Dienstag das offizielle Übernahmeangebot für die Commerzbank vorlegen. Ziel ist es, die Schwelle von 30 Prozent der Anteile zu überschreiten. Damit könnte sich UniCredit nach Ablauf bestimmter Fristen mehr Spielraum für weitere Aktienkäufe verschaffen.
Für die Commerzbank bleibt die Lage spannend. Die Frankfurter Bank wehrt sich gegen die Pläne aus Mailand und hält die eigene Strategie für den besseren Weg. Am Donnerstag will Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp mit eigenen Quartalszahlen und einem Strategie-Update kontern. Anleger dürften dabei vor allem auf neue Finanzziele bis 2030 achten.
Mit den heutigen Quartalszahlen demonstriert die UniCredit vor dem offiziellen Angebot für die Commerzbank die eigene Stärke. Für Commerzbank-Aktionäre bleibt allerdings entscheidend, zu welchen Konditionen Orcel tatsächlich bietet. Liegt die Offerte wie bislang erwartet unter dem aktuellen Börsenkurs, ist sie unattraktiv.
Die Übernahmefantasie bleibt intakt. Die starken UniCredit-Zahlen ändern daran nichts – im Gegenteil: Sie unterstreichen, dass Orcel finanziell weiter offensiv agieren kann. Entscheidend wird nun, wie attraktiv das Angebot ausfällt und wie überzeugend die Commerzbank am Donnerstag dagegenhält. Der Stoppkurs verbleibt bei 29,00 Euro.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 08:31