Börsenexperte: Eurokrise kommt schneller, als wir denken

Börsenexperte: Eurokrise kommt schneller, als wir denken
Foto: Börsenmedien AG
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Andreas Deutsch 19.07.2015, 09:30 Andreas Deutsch
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Bleibt Griechenland im Euro? Es sieht ganz danach aus. Daniel Zindstein, Dachfondsmanager bei Gecam, hält einen Grexit für keine Katastrophe. Für die Aktienmärkte ist der Experte optimistisch.

DER AKTIONÄR: Herr Zindstein, sind Sie mit dem Griechenland-Kompromiss zufrieden?

DANIEL ZINDSTEIN: Aus Kapitalanlegersicht könnte man zufrieden sein, da der Kompromiss – sofern er denn schlussendlich umgesetzt wird – für eine Beruhigung sorgt und den Blick wieder freimacht auf ökonomische Realitäten. Die Wirtschaft wächst weltweit. In den USA, in Deutschland und sogar in Europa steigen die Unternehmensgewinne.
Leider kann es aus der Sicht einem an Ordnungspolitik gelegenen Staatbürgers schon bange werden um die Zukunft in einem Währungsgebiet, das sich nicht an eigene Regeln, Gesetze
und Gepflogenheiten hält. Und darüber hinaus meint, permanent ökonomische Gesetzmäßigkeiten und Volkes Wille mit Füßen treten zu können.

Angenommen, es gäbe irgendwann mal einen Grexit. Würde er funktionieren oder in einer Katastrophe enden, wie mancher Ökonom befürchtet?

Es gäbe keine Katastrophe. Ein Grexit bedeutete halt einen Währungswechsel, der die notwendigen Konsequenzen einer neuen, an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit orientierten Währung, mit sich brächte. Renten und Gehälter sowie Geldvermögen würden zwar an Kaufkraft verlieren, hingegen würden Arbeitskraft, Investitionen und Exporte in einer neuen Währung attraktiver.
Ergo: Die Wachstumskräfte würden gestärkt, Besitzstandswahrer geschwächt. Natürlich müssten sichtbare Härten durch Hilfen ausgeglichen werden.

Wann wird uns das Thema Griechenlandkrise wieder heimsuchen?

Früher als wir denken, denn es geht ja nicht nur um Geld, sondern auch um den destruktiven Einfluss und Stimmungsmache von radikalen Links- und Rechtspolitikern auf die Europäische Politik auch in anderen Politikfragen.
Man muss bedenken, dass die zweifelhaften Figuren, die uns in der griechischen Regierung präsentiert werden, bei allen Fragen mit am Tisch sitzen – also in der Außenpolitik, Innenpolitik, Flüchtlingspolitik, Sozialpolitik. Viele Beschlüsse müssen einstimmig gefasst werden. Das ist ein permanentes Feld für Erpressungsversuche, Nationalismen und ideologische Stimmungsmache. Eine gruselige Vorstellung.

Haben die Aktienmärkte trotzdem Potenzial?

Ja. Exportstarke Unternehmen aus Rohstoffe importierenden Ländern wie Deutschland, Japan und China besitzen noch sehr viel Gewinn- und Wachstumspotenzial. Das Zinsniveau in diesen
Ländern wird niedrig bleiben, so dass Aktien weiter sowohl von der Gewinnseite, als auch von der Bewertungsseite Potenzial haben. Noch zehn Prozent im laufenden Jahr könnten sehr gut machbar sein. In den Folgejahren erwarte ich im Schnitt eine Wachstumsrate bei den Gewinnen von rund sieben Prozent. Alternativanlagen im Zinsbereich in den bedeutenden Volkswirtschaften erreichen grundsätzlich keine attraktiven Niveaus. Deswegen ist auch eine Bewertungsexpansion beim KGV um 20 bis 30 Prozent in den kommenden Jahren denkbar.

Vielen Dank für das Interview.

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