Amerika dreht Amazon & Co. den Steuerhahn zu – welche Aktien davon trotzdem profitieren

Amerika dreht Amazon & Co. den Steuerhahn zu – welche Aktien davon trotzdem profitieren
Foto: Simonkolton/iStockphoto
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Ingo Nix Heute, 14:53 Ingo Nix
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Ein Bundesstaat nach dem anderen kassiert seine Vergünstigungen für Rechenzentren ein. Für Amazon, Meta und Google klingt das nach einer Milliardenrechnung. Die eigentliche Rechnung steht an anderer Stelle.

Ohio befreite Rechenzentren vor mehr als einem Jahrzehnt von der Umsatzsteuer auf Server, Netzwerktechnik und Baumaterial. Im Jahr 2025 summierte sich der Verzicht auf rund 1,6 Milliarden Dollar — elfmal so viel wie ursprünglich veranschlagt. Gouverneur Mike DeWine hat neue Befreiungen ausgesetzt, Abgeordnete beider Parteien wollen sie streichen und die Altverträge aufschnüren, die Amazon, Meta und Google für bis zu 40 Jahre absichern. Arizona hat ein dreijähriges Moratorium beschlossen, Illinois bearbeitet seit dem 1. Juli keine neuen Anträge mehr. Mehr als 35 Bundesstaaten bieten solche Vergünstigungen.

Rechenzentren: Die Gegenrechnung

Nicht die Steuerbefreiung entscheidet darüber, wo die nächsten Rechenzentren entstehen — sondern der Netzanschluss. Den 1,6 Milliarden Dollar, die Ohio in einem Jahr entgangen sind, steht ein Budget von rund 725 Milliarden Dollar gegenüber, das die großen Hyperscaler für 2026 angekündigt haben; auf Amazon allein entfallen etwa 200 Milliarden. Der komplette Steuerverzicht eines der wichtigsten Standorte des Landes entspricht gut zwei Promille dessen, was die Branche in zwölf Monaten ausgibt.

Der Grund liegt in der Struktur der Kosten. Die Umsatzsteuer fällt einmal an, beim Kauf der Ausrüstung. Der Strom fällt jeden Tag an, über die gesamte Laufzeit der Anlage. Es ist wie beim Autokauf: Über den Rabatt beim Händler lässt sich reden, über den Verbrauch der nächsten zehn Jahre nicht. Genau dort setzen die Bundesstaaten inzwischen an. Texas hat die Regulierungsbehörde angewiesen, Rechenzentren die Netzkosten selbst tragen zu lassen, Illinois und Ohio arbeiten an Sondertarifen für Großverbraucher. Das ist der teurere Hebel.

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Welche Termine wirklich zählen

  • 1. Oktober 2026, Ohio: Kippt der Bundesstaat die Steuerbefreiung, zahlen die Betreiber auf jeden neuen Server wieder Umsatzsteuer.
  • Mitte November 2026, Illinois: Das Parlament entscheidet, ob Rechenzentren als Großabnehmer höhere Stromtarife zahlen müssen.
  • Anfang 2027, Texas: Das Parlament tagt nur alle zwei Jahre und verhandelt dann Abbotts Paket aus sparsamerer Kühlung, Mindestabständen zu Wohngebieten und dem Ende der Steuerbefreiung.

Big Tech: Was dagegen spricht

Billig ist der Vorgang für die Konzerne trotzdem nicht. Server werden alle fünf bis sechs Jahre ersetzt, die Steuer fiele bei jedem Zyklus erneut an, und jede der landesweit gültigen Ohio-Vereinbarungen kann mindestens 600 Millionen Dollar im Jahr wert sein. Teurer als die Steuer ist am Ende aber die Politik. Rund 18 Kommunen in Ohio haben Bausperren verhängt oder geprüft, in Independence in Missouri verlor ein Stadtrat sein Mandat, nachdem er für Anreize gestimmt hatte. Amazon hat seit dem Jahr 2015 knapp 40 Milliarden Dollar im Bundesstaat investiert und im vergangenen Jahr fast elf Millionen Dollar an Grundsteuern und Gebühren gezahlt. Wer nicht bauen darf, spart keine Steuer.

Wer den Trend spielen will, landet deshalb bei den Zulieferern der Steckdose: GE Vernova baut Turbinen und Netztechnik, Eaton die Stromverteilung im Gebäude, Constellation Energy liefert Grundlast aus Kernkraft. Sie werden bezahlt, egal welcher Bundesstaat seine Befreiung streicht.

Was aussieht wie eine Milliardenrechnung für Amazon, Meta und Google, ist in Wahrheit eine Milliardenlücke im Haushalt der US-Bundesstaaten. Die Konzerne verlieren einen Rabatt, die Bundesstaaten verlieren ein Argument. Entschieden wird der Standortwettbewerb der nächsten Jahre nicht an der Kasse, sondern am Umspannwerk — jener Anlage, die den Hochspannungsstrom aus dem Fernnetz auf ein Niveau herunterregelt, mit dem ein Rechenzentrum arbeiten kann. Wer dort keinen Anschluss bekommt, hat von jeder Steuerbefreiung der Welt nichts.


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