Wall Street im Zahlenrausch: GE Vernova, Vertiv, Philip Morris, Boeing und Tesla im Fokus

Wall Street im Zahlenrausch: GE Vernova, Vertiv, Philip Morris, Boeing und Tesla im Fokus
Foto: Reuters/ Jeenah Moon
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Annalena Götz Heute, 20:15 Annalena Götz

Am Mittwoch gibt es für US-Aktien kräftig Rückenwind. Die verlängerte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sorgt an den Märkten weiter für Entspannung. Gleichzeitig läuft die Berichtssaison auf Hochtouren und beschert ordentliche Kursgewinne. Das wichtigste Ereignis des Tages steht noch aus: Tesla legt nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vor. 

Die Spannung steigt: Kurz nach 22 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht der E-Auto-Pionier Tesla seine Q1-Zahlen. Nach zuletzt schwachen Auslieferungszahlen, zunehmendem Preisdruck und starker Konkurrenz durch BYD und Xiaomi ist das Sentiment eingetrübt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 15 Prozent an Wert verloren. Der S&P 500 stieg im gleichen Zeitraum um vier Prozent. Was sich die Analysten von den Quartalsergebnissen erwarten und auf welche Zahlen es nachher ankommt, lesen Sie hier

Tesla (WKN: A1CX3T)

Klar ist: Elon Musk wird in der anschließenden Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren alles daran setzen, die Robotaxi-Fantasie weiter anzuheizen. Angesichts des schwächelnden Kerngeschäfts lenkt der Tesla-CEO den Fokus zunehmend weg von den E-Autos hin zu Fortschritten bei autonomen Fahrtechnologien und humanoiden Robotern. Konkrete Ergebnisse bleiben bislang allerdings überschaubar. Im Gegensatz zur Alphabet-Tochter Waymo hat Tesla noch kein serienreifes Robotaxi am Start.

Zudem rückt die Energy-Sparte auf den Plan. Tesla könnte sich hier ein margenstarkes zweites Standbein aufbauen, dass die Schwächen im Autogeschäft zumindest teilweise kompensieren könnte. Im Auslieferungsbericht gab Tesla jedoch bekannt, in den ersten drei Monaten des Jahres Batteriespeichersysteme mit einer Kapazität von lediglich 8,8 Gigawattstunden installiert zu haben. Nach dem Rekordwert von 14,2 Gigawattstunden im vierten Quartal 2025 fiel die Reaktion der Investoren verhalten aus.

GE Vernova mit Top-Zahlen

Beim Energieanlagenbauer GE Vernova gab's schon vor US-Börseneröffnung den großen Zahlen-Knall (DER AKTIONÄR berichtete). Der Auftragseingang explodierte im ersten Quartal um 71 Prozent und lag fast doppelt so hoch wie der Quartalsumsatz. Umsatz- und Gewinnzahlen lagen allesamt deutlich über den Erwartungen. Die Aktie schoss in der Spitze um 15 Prozent nach oben bis auf 1.142 Dollar – neues Allzeithoch. Die Analysten bleiben bullish: Die Rally hat dank des KI-Booms, der massenhaft Energie frisst, fundamentalen Rückenwind. 

GE Vernova (WKN: A404PC)

Vertiv: Das reicht nicht

Auch Vertiv lieferte ein bärenstarkes Quartal ab: 30 Prozent Umsatzplus, Gewinne klar über den Schätzungen, dazu ein sprudelnder Cashflow. Vor allem das US-Geschäft boomt gewaltig und trieb das Wachstum im ersten Quartal an. Doch der Ausblick haute die Anleger trotz angehobener Jahresprognose nicht vom Hocker. Nach der starken Rally in den vergangenen Monaten nutzten einige Anleger heute die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen. Die Aktie liegt aktuell rund drei Prozent im Minus bei 302,78 Dollar. 

Philip Morris: Tabakriese liefert ab

Der Umsatz von Philip Morris stieg im ersten Quartal um 9,1 Prozent auf 10,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie kletterte von 1,69 Dollar auf 1,96 Dollar und lag damit klar über der Analystenschätzung von 1,85 Dollar. Wachstumstreiber bleibt das rauchfreie Geschäft rund um IQOS, das mittlerweile fast die Hälfte des Umsatzes ausmacht. "Langfristig sollte der Ausbau des rauchfreien Geschäfts für steigende Umsätze und Margen sorgen", erwartet Kenneth Shea von Bloomberg Intelligence. 

Obwohl die Prognose für das Gesamtjahr 2026 leicht unter den Markterwartungen lag, reagierte die Aktie mit einem satten Kurssprung: Das Tageshoch bei 164,71 Dollar markiert den höchsten Stand im April. Philip Morris ist damit der Rückeroberung des GD50 (bei 170,60 Dollar) heute ein gutes Stück nähergekommen und steht kurz vor dem Sprung über den GD200 (bei 164,77 Dollar). 

Philip Morris International (WKN: A0NDBJ)

Boeing: Zahlen besser als gedacht – Aktie hebt ab

Beim kriselnden Flugzeugbauer Boeing hellt sich die Lage ein Stück weit auf. Der Konzern startete überraschend solide ins Jahr und zeigt erste Fortschritte im mühsamen Turnaround. Die Auslieferungen zogen von 130 Einheiten im Vorjahresquartal auf 143 Einheiten an – das ist der höchste Q1-Auslieferungswert seit 2019. Der Umsatz wuchs zweistellig auf 22,2 Milliarden Dollar. Besonders wichtig: Der bereinigte Verlust je Aktie von 20 Cent fällt deutlich geringer aus als befürchtet. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Verlust in Höhe von 76 Cent je Aktie gerechnet. An der Börse kommt das gut an: Die Boeing-Aktie liegt aktuell 5,1 Prozent im Plus. 

United Airlines: Prognose-Schock löst Abverkauf aus

Anders sieht es bei United Airlines aus. Eigentlich präsentierte die Fluggesellschaft gute Zahlen, aber der Ausblick verhagelt die Party. United Airlines verdiente im ersten Quartal netto 389 Millionen Dollar – 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie stieg von 0,90 auf 1,19 Dollar. Beim Umsatz stand ein Plus von knapp elf Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar. Das Problem: Die Kerosinpreise sind seit Ausbruch des Iran-Kriegs explodiert, die Airline musste ihre Gewinnerwartung für das Gesamtjahr deshalb drastisch senken. Das dürfte auch ein unangenehmer Vorgeschmack auf den im Mai anstehenden Geschäftsbericht von Lufthansa und Ryanair sein. 

Anleger schicken die Aktie am Mittwoch in den Sinkflug. Mit einem Kursminus von sieben Prozent rutscht United Airlines unter den GD50 und GD200 und löst ein Verkaufssignal aus. 

United Airlines Holdings (WKN: A1C6TV)

Die US-Unternehmen servieren diese Woche frische Zahlen im Akkord. GE Vernova und Vertiv haben mit Top-Ergebnissen untermauert, dass sie die zweite Reihe der KI-Profiteure anführen. Philip Morris liegt mit seiner rauchfreien Zukunftsstrategie weiter auf Kurs und ist zudem ein attraktiver Dividendenwert. Alle drei Titel stehen auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR. 

Jetzt richtet sich der Blick auf Tesla. Mit seinem Geschäftsbericht dürfte der Konzern nachbörslich den nächsten Impuls setzen. 

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Philip Morris International, Tesla.

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