Angekündigt waren für heute Mittag die Zahlen für das vierte Quartal. Doch kurz zuvor sorgte eine andere Meldung für ordentlich Aufsehen. Die beiden BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci werden das Unternehmen verlassen. Bis spätestens Ende 2026 wird das Ehepaar ausscheiden, so BioNTech. Die Aktie rutscht in einer ersten Reaktion massiv ab. Die eigentlichen Zahlen rücken dadurch in den Hintergrund.
BioNTech stellt die Weichen neu: Die Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci planen den Aufbau eines eigenständigen Unternehmens, das sich auf mRNA-Technologien der nächsten Generation konzentriert. BioNTech will dazu entsprechende Rechte und Technologien einbringen, um innovative Ansätze mit großem Potenzial schneller voranzutreiben. Der Konzern selbst fokussiert sich künftig stärker auf seine spätklinische Pipeline mit Immunmodulatoren, Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten und mRNA-Kandidaten. Ziel sind weiterhin bis Ende 2026 insgesamt 15 Phase-3-Studien in der Onkologie. Das Covid-19-Impfstoffgeschäft und laufende Studien bleiben von den Plänen unberührt. Sahin und Türeci wollen Ende des Jahres in die Führung des neuen Unternehmens wechseln. Weitere Details zum neuen Unternehmen wurden bislang nicht bekanntgegeben.
„In den vergangenen 18 Jahren haben wir BioNTech von einem Start-up zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen mit einer starken und diversifizierten Pipeline aufgebaut. Während der Covid-19-Pandemie haben wir unser Engagement über die Onkologie hinaus erweitert und den ersten zugelassenen mRNA-Impfstoff entwickelt, der zum Schutz von Menschen weltweit beigetragen hat. Heute ist das Unternehmen sehr gut aufgestellt, seine Mission weiter voranzutreiben und sich zu einem kommerziellen Biopharma-Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu etablieren“, so Sahin.
Kurz nach Bekanntgabe dieser News wurden die Zahlen veröffentlicht. Der Umsatz fiel im vierten Quartal mit 907,4 Millionen Euro zwar niedriger aus als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, als 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftet wurden. Die Einnahmen lagen jedoch über den von Analysten erwarteten 754,8 Millionen Euro. Allerdings musste BioNTech einen deutlichen Verlust hinnehmen: 1,25 Euro je Aktie betrug das Minus im vierten Quartal. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum erwirtschaftete man noch einen Gewinn von 1,08 Euro je Aktie. Auch für das vierte Quartal hatte der Markt ein kleines Plus erwartet. Mit liquiden Mitteln von 17,2 Milliarden Euro hat BioNTech aber nach wie vor ein starkes finanzielles Fundament.
Anleger reagieren nach dem Bekanntwerden des Rückzugs von Sahin und Türeci aber erst einmal mit Verkäufen. Die Aktie von BioNTech verliert aktuell auf Tradegate mehr als 14 Prozent auf 74,90 Euro. Die Aktie rutschte damit auch unter den Stopp des AKTIONÄR und wurde verkauft. Nun gilt es für BioNTech, möglichst schnell einen neuen starken Vorstandschef zu präsentieren und die Lage zu beruhigen. Wichtig wären nach wie vor zudem positive News von der Pipelineseite. Anleger warten an der Seitenlinie neue Details ab.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BioNTech.
Die Autorin hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BioNTech.
Heute, 12:12