22.07.2019 Marion Schlegel

Kampf zweier Dividenden-Perlen: US-Pläne sorgen für Miss-Stimmung bei Roche-Aktionären, Novartis gibt Entwarnung

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Roche
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Pläne der US-Regierung, die Preise für Medikamente in der staatlichen Krankenversicherung Medicare für Rentner zu begrenzen, könnten Roche treffen. Der schweizerische Pharmakonzern habe im vergangenen Jahr in seinem wichtigsten Markt USA Arzneien im Wert von 23 Milliarden Franken verkauft, berichtete "NZZ am Sonntag".

Ein Roche-Sprecher sagte gegenüber der Zeitung, rund 40 Prozent dieser Umsätze habe der Konzern über Medicare vergütet erhalten. Aufgrund verschiedener Sonderfaktoren seien aber insgesamt lediglich Umsätze in Höhe von rund 3,5 Milliarden Franken direkt durch die Pläne der US-Regierung tangiert.

Laut den Plänen des Gesundheitsministeriums, die im August vorgelegt werden sollen, sollen die Preise für Medikamente bei Medicare deutlich gesenkt werden. Präsident Donald Trump hatte gesagt, seine Regierung arbeite daran, dass die Amerikaner in Zukunft nur noch den Preis bezahlen würden, der irgendwo auf der Welt als tiefster Preis entrichtet werde. Für rund ein Viertel der Medikamente soll ein internationales Referenzpreissystem einführt werden.

Medicare zahlt dem Bericht zufolge für die älteren Roche-Krebsmedikamente Avastin und Herceptin rund das Doppelte des international üblichen Preises. Das Roche-Medikament Lucentis gegen Blindheit kostet Medicare rund 3,3 Millionen US-Dollar pro Gramm - das Siebenfache dessen, was in Frankreich vergütet wird. Die Statistik habe das US-Gesundheitsministeriums erstellt.

Als Grund für die unterschiedlichen Preise zwischen den USA und etwa Europa sieht ein Analyst die Preispolitik. "Beim Start kosten Medikamente in den USA in der Regel mindestens rund 20 Prozent mehr als in Europa. Doch in den USA steigen dann die Preise mit großer Regelmäßigkeit, während sie in Europa nur nach unten gehen", sagte Finanzanalyst Olav Zilian von der Privatbank Mirabaud gegenüber der Zeitung. Das führe dazu, das inzwischen viele Arzneien in den USA ein Mehrfaches dessen kosteten, was in Europa gezahlt werde.

Novartis sei von den Plänen in deutlich geringerem Masse betroffen. "Für Novartis spielen - anders als für andere Wettbewerber - Verkäufe an die US-Regierungsprogramme eine untergeordnete Rolle", wird Novartis-Chef Vas Narasimhan zitiert.

Unter den internationalen Pharmafirmen sieht DER AKTIONÄR durchaus beide Schweizer sehr gut positioniert. Novartis gibt allerdings derzeit insbesondere mit dem seit Februar 2018 neuen Konzernchef, Narasimhan, besonders Gas. Deswegen ist hier wohl erst einmal eine bessere Performance zu erwarten. DER AKTIONÄR empfiehlt aber, bei beiden Werten die Gewinne laufen zu lassen.

(Mit Material von dpa-AFX)