Die Elektrifizierung ihrer Portfolios kostet die deutschen Autobauer rund um BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen Milliarden und belastet nach wie vor die Gewinne. Gleichzeitig entwickelt sich die Nachfrage nach Stromern schwächer als erwartet. Nun greift Deutschland mit einer neuen E-Auto-Prämie unter die Arme. Da jedoch auch chinesische Hersteller profitieren, stellt sich die Frage. Was bringt die Förderung?
Die Bundesregierung startet einen neuen Anlauf, um den stockenden Absatz von Elektroautos zu beleben. Käufer oder Leasingnehmer erhalten künftig je nach Einkommen, Familiensituation und Antriebsart zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Für reine Elektroautos liegt die Basisförderung bei 3.000 Euro. Haushalte mit einem Einkommen bis 60.000 Euro bekommen 4.000 Euro, bis 45.000 Euro sind es 5.000 Euro. Pro Kind kommen 500 Euro hinzu, maximal 1.000 Euro. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug mindestens drei Jahre gehalten wird. Gebrauchtwagen bleiben außen vor.
Für Plug-in-Hybride fällt die Unterstützung mit 1.500 Euro deutlich geringer aus. Gefördert werden nur Modelle mit höchstens 60 Gramm CO2 pro Kilometer oder mindestens 80 Kilometern elektrischer Reichweite. Insgesamt stehen drei Milliarden Euro bereit, ausgelegt für rund 800.000 Fahrzeuge bis 2029. Beantragt werden kann die Prämie rückwirkend für Neuzulassungen ab dem 1. Januar, die Auszahlung startet voraussichtlich im Mai.
Welche Vorteile haben Mercedes, BMW und Co von der Prämie?
BMW, Mercedes-Benz und der Volkswagen-Konzern dürften profitieren. Die Prämie senkt den Preisdruck im Handel und kann Rabatte teilweise ersetzen. Schätzungen zufolge dürfte die Prämie die Nachfrage nach Stromern 2026 um 20 bis 30 Prozent steigern, Olaf Lies, Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat, nennt die soziale Staffelung „überzeugend“ und betont, der Umstieg müsse „für alle bezahlbar sein“. Gleichzeitig wächst aber auch die Kritik. Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research warnt vor Mitnahmeeffekten: „Es besteht die Gefahr, dass die Prämie eingepreist wird.“
Auch BYD profitiert von der Kaufprämie
Brisant an der Entscheidung: Die Förderung steht allen Herstellern, auch chinesischen Anbietern wie BYD, offen. Bundesumweltminister Carsten Schneider sagte am Montag, man wolle sich „dem Wettbewerb stellen“ und sehe keinen Anlass für Herkunftsbeschränkungen. Erst jüngst kam die EU der Volksrepublik entgegen und schlug vor, die zusätzlichen Importzölle auf chinesische E-Autos durch Mindestpreise zu ersetzen.
Die Prämie dürfte die hiesige Nachfrage nach E-Autos merklich ankurbeln. Aufgrund des hohen Marktanteils dürften die deutschen Hersteller am meisten profitieren. VW hat aufgrund des breiten Portfolios und der niedrigeren Einstiegspreise wohl den größten Hebel. DER AKTIONÄR hat aktuell allerdings nur Mercedes-Benz auf der Empfehlungsliste – die Stuttgarter profitieren von der Prämie durch den wieder stärker auf Einstiegsmodelle gelegten Fokus und verzeichnen gleichzeitig starke Nachfrage nach den teuren und margenstarken AMG- und Maybach-Modellen. Am Montag steht die Branche aufgrund der neuesten Zollankündigung Trumps allerdings unter Druck.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz., Mercedes-Benz.
Heute, 16:50