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29.05.2020 Martin Mrowka

Kahlschlag bei Easyjet, IAG, Ryanair und American Airlines! Wird bei den Aktien von Fluggesellschaften nun alles wieder gut?

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American Airlines

Warren Buffett hat oft den richtigen Riecher. Der legendäre Investor trennte sich vor wenigen Wochen komplett von den Beteiligungen an Fluggesellschaften. Jahrelang war er ihnen treu geblieben, auf dem Höhepunkt der Corona-Krise gab Buffett dann bekannt, alle seine Airlines-Beteiligungen verkauft zu haben. Delta Air Lines, American, Southwest und United Airlines werden noch lange unter den Auswirkungen der Pandemie leiden. Nun reagieren sie mit einem Job-Kahlschlag. Aber auch europäische Fluggesellschaften dünnen ihren Mitarbeiterbestand aus.

Der britische Billigflieger Easyjet will wegen der Corona-Krise rund 30 Prozent seiner Mitarbeiter entlassen. Rund 4.500 der etwa 15.000 Jobs stehen bei der Airline auf der Kippe. Von den rund 15.000 Easyjet-Beschäftigten seien rund 4.000 Piloten und 8.000 Flugbegleiter, hieß es. Diese dürften von den Kürzungen am stärksten betroffen sein, weil ihre Arbeit direkt von der kräftig schrumpfenden Zahl der Flugzeuge abhängt.

Easyjet-Chef Johan Lundgren begründete die Kürzungen mit dem Einbruch des Flugverkehrs infolge der Coronavirus-Pandemie und der Erwartung, dass die Nachfrage nach Flugtickets nicht vor dem Jahr 2023 wieder auf das Niveau von 2019 klettert. "Wir müssen uns auf die geringere Nachfrage einstellen", sagte er.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten positiv aufgenommen, werden durch die Entlassungen doch Kosten gespart. Die Easyjet-Aktie legte am Morgen an der Londoner Börse zeitweise um fast neun Prozent zu. Zum Handelsschluss blieb ein Plus von 4,4 Prozent, womit Easyjet aber immer noch zu den stärksten Titeln im britischen Leitindex FTSE 100 zählte. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier aber fast die Hälfte an Wert eingebüßt.

Zuvor hatten schon die British-Airways-Mutter IAG und der irische Billigflieger Ryanair angekündigt, wegen der Krise zusammen rund 15.000 Arbeitsplätze zu streichen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach ebenfalls bereits von rechnerisch überzähligen 10.000 Mitarbeitern, wenn der Konzern seine Flotte um 100 Flugzeuge verkleinere.

Auch die angeschlagene US-Fluggesellschaft American Airlines will Personal abbauen. Rund 30 Prozent ihres Management- und Assistenzpersonals soll gehen. Die Kosten müssten weiter gesenkt werden, um in der Krise liquide bleiben zu können, schrieb Vizepräsidentin Elise Eberwein in einem Memo an die Mitarbeiter. Rund 5.000 Jobs sind nach Angaben des Unternehmens von diesen Sparmaßnahmen betroffen.

Details sollen im Juli kommuniziert werden. Die Stellenstreichungen betreffen vor allem die oberen Etagen des Konzerns, doch es gab auch schon starke Einschnitte in anderen Bereichen. Laut Eberwein hatten schon fast 39.000 der rund 130.000 Mitarbeiter freiwillige Auszeiten oder vorzeitigen Ruhestand akzeptiert.

Anders als das Easyjet-Papier sackte die Aktie von American Airlines am Donnerstag ab. Auch die Konkurrenten Delta Air Lines und Southwest Airlines gehören zu den Verlierern. In den vergangenen Tagen hatten sie jedoch teils deutliche Kursaufschläge verbucht. Die Papiere von American Airlines schafften es über die 50-Tage-Linie.

American Airlines (WKN: A1W97M)

Nun stufte die Ratingagentur Moody's die American Airlines Group auch noch deutlich herab. Die Corona-Pandemie hat den Flugverkehr nahezu zum Erliegen und die Luftfahrt-Industrie in schwere Finanznot gebracht. Die US-Regierung hat ein großes Rettungspaket für Fluggesellschaften aufgelegt, aus dem American Airlines 5,8 Milliarden Dollar erhielt. Im Rahmen der Hilfen - einer Mischung aus Fördermitteln und Krediten - hatten sich die Airlines verpflichtet, bis zum 31. September keine Mitarbeiter unfreiwillig zu beurlauben und deren Gehälter nicht zu kürzen.

Ende April hatte das Unternehmen mit Sitz im texanischen Fort Worth seinen ersten Quartalsverlust seit der Rückkehr aus der Insolvenz im Jahr 2013 gemeldet. In den drei Monaten bis Ende März fiel unterm Strich ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar an. Der Umsatz brach im Jahresvergleich um knapp 20 Prozent auf 8,5 Milliarden Dollar ein. (Mit Material von dpa-AFX)

Auf absehbare Zeit dürfte mit Airline-Aktien kein Blumentopf zu gewinnen sein. Erst mit dem Ende der Corona-Krise und einem deutlich zunehmenden Flugverkehr werden die Gewinne wieder fließen. Aktionäre haben derweil keine Eile mit einem Investment, nur Trader dürften zwischenzeitliche Chancen finden. DER AKTIONÄR hält es da bis auf weiteres eher mit Warren Buffett: Airline-Aktien? Nein, danke!

Welche Aktien mittelfristig größeres Potenzial versprechen, lesen Sie in der neuen Ausgabe vom AKTIONÄR.