100 Prozent mit diesen 7 Aktien?!
Foto: Shutterstock
18.11.2020 Maximilian Völkl

Highflyer Encavis: CEO Dierk Paskert exklusiv - "Die mit Abstand kostengünstigste Form Strom zu erzeugen"

-%
Encavis

Der Solar- und Windparkbetreiber Encavis zählt bislang zu den absoluten Highflyern im laufenden Börsenjahr. Nach den Zahlen kam die Aktie allerdings etwas unter Druck.  Sorgen müssen sich Anleger deshalb aber nicht machen. CEO Dr. Dierk Paskert stand dem AKTIONÄR im Exklusiv-Interview Rede und Antwort.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Paskert, wie ordnen Sie die Zahlen zum abgelaufenen Quartal ein?

Dr. Dierk Paskert: Die entscheidende Botschaft der Zahlen nach neun Monaten ist unsere erneute Bestätigung der positiven Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2020. Unser Geschäft zeigt sich auch in Zeiten von Corona äußerst robust. Damit gehören wir zu den wenigen Unternehmen, die trotz einer weltweiten Pandemie ihren Wachstumskurs weiter fortsetzen konnten. Das ist die zweite Botschaft unserer Zahlen.

Zu den Quartalszahlen von Encavis

Welche potenziellen Wachstumstreiber sehen Sie für die Wind- und Solarbranche?

Der mit Abstand größte Wachstumstreiber für die Erneuerbaren ist das riesige Delta zwischen einem immer stärker steigenden Energiebedarf auf der einen Seite und der Verpflichtung zur Einhaltung unserer Klimaschutzziele andererseits. Dieses Delta können wir nur mit dem systematischen Umbau unserer Energieerzeugung mit den Erneuerbaren schließen. Dies ist ein globaler Trend und damit ein globaler Wachstumstreiber.

Die durch Corona noch einmal forcierte Digitalisierung unserer Arbeits- und Lebenswelt, aber auch Themen wie E-Mobilität oder Smart Buildings lassen die Nachfrage nach Energie künftig weiter steigen. Der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen beträgt heute aber gerade mal rund 40 Prozent. Bis 2038 werden nach der Kernenergie aber weitere 84 Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Diese Lücke gilt es zu schließen.

Ein weiterer Treiber der Erneuerbaren Energie ist ihre zunehmende Wirtschaftlichkeit. Die aus Solarparks gewonnene Energie ist schon heute gemessen an den Neubau- und Betriebskosten, die mit Abstand kostengünstigste Form Strom zu erzeugen. Wir können unseren grünen Strom wettbewerbsfähig im Strommarkt verkaufen und brauchen keine Subvention mehr für Neuanlagen.

Encavis
CEO Dr. Dierk Paskert

Encavis ist nur in Europa tätig. Erwarten Sie dennoch positive Folgen für die gesamte Branche durch die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten?

Ja, ganz sicher wird die Wahl von Joe Biden unserer Branche ganz wichtige und auch neue Impulse geben. Und das weit über die Grenzen der USA hinaus. Mit dem neuen Präsidenten erwarten wir einen vernünftigen Wechsel in der amerikanischen Umwelt- und Klimaschutzpolitik. Biden will im Gegensatz zu Trump den Einsatz Erneuerbarer Energien stark vorantreiben und mit bis zu zwei Billionen Dollar eine moderne, nachhaltige Infrastruktur im Land aufbauen. Bis 2050 sollen die USA das Netto Null CO2-Ziel erreichen. Und er hat bereits angekündigt, dem Pariser Klimaschutz-Abkommen wieder beizutreten. Damit verfolgt er vergleichbare Ziele wie Europa.

Das Potenzial für den Einsatz Erneuerbarer Energie in den USA ist enorm. Die Kapazitäten sind aktuell nur halb so groß wie in Europa und auch deutlich geringer als in China. Das sind Wachstumsperspektiven für mehrere Jahrzehnte.

Die USA sind ein interessanter Wachstumsmarkt auch für Encavis.

Ist mittelfristig auch ein Engagement in den USA vorstellbar?

Wie schon gesagt: Mit Joe Biden sind die Erneuerbaren auf der politischen Agenda der USA weit nach oben gerückt. Dies setzt ein anderes Investitionsklima für unsere Branche. Und ja, die USA sind ein interessanter Wachstumsmarkt auch für Encavis. Doch gleich ob in Europa oder anderswo - Encavis will mit jedem Engagement vor allem eines schaffen: Werte für seine Aktionäre. Das würde uneingeschränkt auch für ein Engagement in den USA gelten.

Die Branche ist zurzeit stark in Bewegung, viele Player wie etwa RWE wollen sich bei Wind- und Solarparks stärker engagieren. Rechnen Sie damit, dass Encavis auch zum Ziel einer Übernahme werden könnte?

Dies bereitet uns keine schlaflosen Nächte, denn ich meine, dass wir uns in dem dynamischen Umfeld der Erneuerbaren Energien schneller und fokussierter bewegen können als Großkonzerne. Und wenn jemand doch einmal für das Unternehmen deutlich mehr bieten will als der Aktienkurs vorgibt, dann ist der Vorstand gefragt, hierzu eine objektive Meinung abzugeben. Über solche Dinge kann man aber nicht hypothetisch sondern nur auf Basis von Fakten sprechen.

Andere Frage: Wollen Sie selbst weiterhin mit Zukäufen aktiv werden?

Unsere organische Wachstumsgeschichte bis 2025 steht. Wir wollen unsere eigene Erzeugungskapazität bis dahin auf 3,4 Gigawatt (GW) verdoppeln. Schwerpunkt dieses Wachstums werden auf jeden Fall die sogenannten „Power Purchase Agreements (PPAs)“ sein, also langfristige Stromverträge mit Großkunden und Unternehmen in Europa, die Grundlage für die Finanzierung des Neubaus von neuen Anlagen sind. Ganz nach dem Vorbild unseres Solarparks „La Cabrera“, der Strom für Rechenzentren von Amazon in Spanien liefert. Darüber hinaus schließen wir auch den Zukauf von Portfolien oder Unternehmen nicht aus. Hier sind wir aber äußerst selektiv, da wir unsere Idee vom Markt nicht verwässern wollen.

Sind Sie mit dem aktuellen Verhältnis von Wind- und Solarenergie im Portfolio zufrieden?

Ja, wir fühlen uns aktuell sowohl mit der bestehenden Struktur als auch mit der zukünftig angestrebten Struktur des Portfolios sehr wohl. Rund 75 Prozent Solar- zu 25 Prozent Windkapazitäten im Konzern eröffnen einen natürlichen Ausgleich saisonaler Energieerzeugung zwischen der windstarken Winterjahreshälfte und der solarstarken Sommerjahreshälfte. Zudem drückt die Relation auch unsere Präferenz für die einfachere Solartechnologie aus, die beim Anlagenbau den Globus als Zuliefererplattform nutzen kann und damit deutlich bessere Skaleneffekte erzielen kann. Des Weiteren sehen wir bei der Umsetzung von Windprojekten deutlich größere gesellschaftliche Gegenbewegungen.

Encavis (WKN: 609500)

Warum sollten Anleger gerade jetzt die Encavis-Aktie kaufen?

Weil wir bei unserer nachhaltigen Wachstumsstory erst am Anfang stehen. Wir produzieren keine Luftblasen, sondern mehren mit jedem organischen Wachstumsschritt die Werthaltigkeit unseres Erzeugungsportfolios, in dem wir neue Anlagen unserer Bilanz hinzufügen. Dies wollen wir bis zum Jahr 2025 finanzieren, ohne den Aktionär um Kapitalerhöhungen zu bitten. Wenn wir unsere quantitativen und qualitativen Ansprüche nicht verringern, wird nach aller Logik der Aktienkurs hiervon profitieren.

Anleger sollten aber immer beachten, Encavis ist keine Zocker-Aktie für den kurzfristigen An- und Verkauf. Wer jedoch mittel- bis langfristig und nachhaltig sein Kapital mehren möchte, der ist bei Encavis bestens aufgehoben.

Foto: Shutterstock

Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Encavis.