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Oracle‑Aktie: Der Kreditmarkt schlägt Alarm

Oracle‑Aktie: Der Kreditmarkt schlägt Alarm
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Ingo Nix Heute, 18:30 ‧ Ingo Nix
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Das deutlichste Warnsignal kommt nicht von der Aktie, sondern vom Kreditmarkt: Die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall von Oracle erreicht ein Rekordniveau, eine Anleihe bis 2056 rentiert über acht Prozent. Was die Credit Default Swaps verraten – und wo die Schwelle liegt, an der es ernst wird. 

Den Anlass lieferte am Donnerstag die Force-Majeure-Mitteilung zum Rechenzentrum „Project Jupiter“ in New Mexico, über die DER AKTIONÄR bereits hier berichtet hat. Laut Reuters droht dem Projekt rund ein Jahr Verzögerung, weil die Stromversorgung nicht gesichert ist. Die Aktie verlor daraufhin 3,47 Prozent. Deutlicher fiel die Reaktion an anderer Stelle aus: Die Prämien der Credit Default Swaps auf Oracle stiegen auf Rekordniveau.

Oracle: Was die Ausfallversicherung verrät

Ein Credit Default Swap funktioniert wie eine Versicherungspolice auf Schulden. Der Käufer zahlt eine jährliche Prämie, gemessen in Basispunkten, also Hundertstel Prozentpunkten, auf die abgesicherte Summe. Fällt der Schuldner aus, ersetzt der Verkäufer den Schaden. Bei 200 Basispunkten kostet es 200.000 Dollar im Jahr, zehn Millionen Dollar Oracle-Schulden abzusichern. Steigt die Prämie, verlangt der Markt mehr Geld für dasselbe Risiko – er hält einen Ausfall also für wahrscheinlicher.

Der Markt gilt als Frühwarnsystem, weil hier Profis handeln: Banken, die Baukredite für Rechenzentren vergeben, sichern ihr Risiko häufig über solche Kontrakte ab, Hedgefonds setzen auf steigende Prämien. Wenn diese Käufer gleichzeitig nach Schutz suchen, zeigt sich die Nervosität oft früher als an der Aktienbörse. 

Oracle: Acht Prozent an der Ramschgrenze

Wie teuer das Misstrauen ist, zeigt die Anleihe bis 2056 mit einem Kupon von 6,70 Prozent. Sie rentiert laut Zerohedge erstmals über acht Prozent und damit mehr als die 7,50 Prozent, die Ramschanleihen mit B-Rating im Schnitt zahlen – obwohl Oracle mit Baa2/BBB- noch im Investment Grade steht. Gegenüber 30-jährigen US-Staatsanleihen, die mit rund 5,46 Prozent rentieren, verlangen Anleger damit rund 2,5 Prozentpunkte Aufschlag. 

BBB- ist die unterste Stufe vor dem Ramschbereich, und genau dort liegt der Knackpunkt. Viele Pensionskassen und Fonds dürfen nur Investment-Grade-Anleihen halten. Bei einer Herabstufung fielen nach Rechnung von Zerohedge Oracle-Anleihen über 120 Milliarden Dollar automatisch aus den Investment-Grade-Indizes. Es drohten Zwangsverkäufe, jede neue Finanzierung würde teurer. Genau dieses Szenario preisen die Credit Default Swaps inzwischen mit ein.

Oracle: Ein Signal für die ganze Branche

Oracle steht nicht allein. Am Donnerstag wurde auch die Absicherung von Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Nvidia teurer. Oracle sticht heraus, weil der Konzern seinen Ausbau stärker über Schulden finanziert als die großen Rivalen. „Die Finanzierungsseite des KI-Ausbaus beginnt, deutlich schwierigere Fragen zu stellen als die Nachfrageseite“, sagt Sean McDevitt, Partner der Beratung Arthur D. Little, laut Reuters. Goldman Sachs Asset Management hat die größten KI-Schuldner untergewichtet – nach Aussage von Lindsay Rosner nicht aus Skepsis gegenüber KI, sondern weil weitere Anleihewellen der Hyperscaler erwartet werden. Die Brookings Institution beziffert den Investitionsbedarf für KI-Infrastruktur in den USA bis 2032 auf bis zu 10,3 Billionen Dollar; ein wachsender Teil des Risikos wandert dabei aus den Konzernbilanzen in weniger transparente Finanzierungsstrukturen.

Oracle: Nachfrage ja, Finanzierung offen

Dass die Kunden Oracles Cloud wollen, zeigt ausgerechnet die eigene Tochter. Oracle Japan ist die in Tokio börsennotierte Landesgesellschaft, an der der US-Konzern die Mehrheit hält; sie steht für knapp drei Prozent des Konzernumsatzes und ist an Jupiter nicht beteiligt. Im Quartal von Juni bis August steigt ihr Umsatz um 13 Prozent, der Cloud-Umsatz um 31,7 Prozent und der Nettogewinn um 23,2 Prozent. 

Oracle (WKN: 871460)

Charttechnisch ist die Aktie unter die 50-Tage-Linie bei gut 142 Dollar gerutscht und liegt nun auf der Unterstützungszone um 140 Dollar. Darüber warten die Kurslücke bis 144 Dollar und die Abwärtstrendlinie vom Juni-Hoch um 153 Dollar; die 200-Tage-Linie bei rund 165 Dollar ist weit entfernt. Gibt die Zone um 140 Dollar nach, rückt das Sommertief bei 115 Dollar in den Blick.

Bei Oracle (keine laufende Empfehlung) treffen hohe KI-Investitionen auf steigende Ausführungs- und Finanzierungsrisiken. Anleger meiden die Aktie besser und setzen stattdessen auf diese neuen Chancen.

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