++ Verrückte Börsen – 150 Prozent Potenzial ++

Nvidia‑Aktie: Der neue Großkunde hinter dem Rekordausblick

Nvidia‑Aktie: Der neue Großkunde hinter dem Rekordausblick
Foto: GPT-Image (KI-generiert)
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Ingo Nix Heute, 10:41 Ingo Nix
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Der Chipkonzern liefert Rekorde, doch die Wall Street diskutiert längst eine andere Frage: Woher kommt die Nachfrage für das nächste Quartal? Ein Name taucht plötzlich in jedem zweiten Analystenkommentar auf – und der war bis zum Juni dieses Jahres nicht einmal börsennotiert.

Am 26. August meldete Nvidia für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar und stellte für das laufende Quartal 108 Milliarden Dollar in Aussicht. Beide Zahlen lagen über der Erwartung des Marktes. Trotzdem drehte sich die Diskussion binnen Stunden nicht um das Gelieferte, sondern um das Versprochene: Wer bezahlt eigentlich den Sprung von 96 auf 108 Milliarden Dollar in einem einzigen Quartal?

Neuerdings fällt dabei ein Name, der in dieser Rolle neu ist: SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen ist seit dem Börsengang im Juni bilanziell einsehbar – und was seither sichtbar wird, verschiebt das Bild der Nvidia-Umsatzverteilung.

Nvidia (WKN: 918422)

Wenn ein Investitionsbudget zum Chipumsatz wird

Die Übertragung ist simpel, und genau deshalb ist sie so wirkungsvoll. Wer ein Rechenzentrum baut, verbucht den Chipkauf als Investition, nicht als laufenden Aufwand. Bei Nvidia landet derselbe Vorgang unmittelbar als Umsatz. Das Investitionsbudget des einen ist die Erlösposition des anderen – ohne Zeitverzug, ohne Zwischenhändler, der die Marge verwässert.

SpaceX hat dieses Budget in kurzer Zeit vervielfacht. Im Q2, das bei SpaceX Ende Juni endete, stiegen die Investitionsausgaben auf 18,4 Milliarden Dollar nach 2,83 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Davon entfielen 15,8 Milliarden Dollar allein auf Künstliche Intelligenz – bei einem Quartalsumsatz von 7,81 Milliarden Dollar. Das Unternehmen gibt für Rechenkapazität also gut das Doppelte dessen aus, was es einnimmt. Auf dem ersten öffentlichen Analystentermin am 4. August legte sich Elon Musk zusätzlich fest, die KI-Rechenzentren ausschließlich mit Nvidia-Chips zu bestücken, und stellte für das Jahresende 2026 mehr als zwei Gigawatt Rechenkapazität in Aussicht, bis Ende 2027 rund zehn Gigawatt. Zum Quartalsende waren 1,4 Gigawatt installiert nach einem Gigawatt im Vorquartal.

Von drei auf fünf Prozent

Nvidia weist keine Umsätze nach einzelnen Kunden aus, sondern nur anonymisiert in den Pflichtberichten. Im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 stehen zwei Direktkunden oberhalb der 10-Prozent-Schwelle, einer mit 22 Prozent und einer mit 14 Prozent des Konzernumsatzes. Wer also fragt, welchen Anteil SpaceX beiträgt, ist auf Schätzungen angewiesen.

Gene Munster von Deepwater Asset Management taxiert diesen Anteil im abgelaufenen Nvidia-Quartal, das am 26. Juli endete, auf rund fünf Prozent nach etwa drei Prozent im Vorquartal. Auf 96,2 Milliarden Dollar Konzernumsatz gerechnet sind das knapp fünf Milliarden Dollar in drei Monaten. Die absolute Höhe ist dabei weniger bemerkenswert als die Steigung: ein Anstieg um zwei Drittel binnen eines einzigen Quartals. Dass sich die Berichtsperioden beider Unternehmen um knapp einen Monat verschieben, sollte man beim Gegenrechnen im Kopf behalten.

Der eigentliche Unterschied zum Sektor liegt jedoch nicht in der Höhe, sondern in der Herkunft des Geldes. Die etablierten Hyperscaler finanzieren ihre Rechenzentren überwiegend aus laufenden Überschüssen; SpaceX finanziert sie über den Kapitalmarkt. Morgan Stanley veranschlagt die KI-Investitionen des Unternehmens für 2028 auf 110 Milliarden Dollar. Melius-Analyst Ben Reitzes rechnet vor, dass bereits zwei Gigawatt des geplanten Ausbaus 100 Milliarden Dollar zusätzlichen Nvidia-Umsatz bedeuten könnten. Beides sind Modellrechnungen, keine Aufträge.

SpaceX (WKN: A42D4F)

Eine Zusage ist kein Auftragsbuch

Gegen die These spricht dreierlei. Erstens ist die Exklusivzusage eine Absichtserklärung ohne vertragliche Bindung; sie kostet nichts, wenn sie nicht eingehalten wird. Zweitens hängt die Finanzierung dieser Nachfrage vollständig am Kapitalmarktzugang eines Unternehmens, das im Quartal deutlich mehr investiert als einnimmt. Drittens streckt Nvidia inzwischen selbst vor: Großen Rechenzentrumskunden räumt der Konzern Zahlungsziele von 90 Tagen bis zu einem Jahr ein, die offenen Forderungen sind seit Januar von 38,5 auf 63,1 Milliarden Dollar gestiegen. Wer den Umsatz erst in einem Jahr bezahlt, muss ihn bis dahin auch erwirtschaften.

Hinzu kommt eine Beobachtung jenseits der SpaceX-These: Nvidias eigenes Momentum verlangsamt sich bereits. Der im Ausblick angelegte Zuwachs von 11,8 Milliarden Dollar liegt unter den 14,6 Milliarden Dollar, die zwischen dem ersten und zweiten Quartal hinzukamen. Die absolut hinzugewonnenen Dollar werden also nicht mehr größer, auch wenn die Prozentzahlen weiter beeindrucken. Ein neuer Großkunde dämpft diesen Effekt, er hebt ihn nicht auf.

Was der Quartalsbericht verrät – und was nicht

Ein Teil der Antwort liegt bereits vor. Nvidias Quartalsbericht für das am 26. Juli 2026 beendete Quartal ist eingereicht, und er zeigt die Konzentration von der Forderungsseite her: Fünf Direktkunden standen zum Stichtag für 22, 14 und 13 Prozent sowie zweimal für gut zehn Prozent der offenen Forderungen, zusammen also für 70 Prozent. Zum Geschäftsjahresende im Januar waren es noch drei Kunden mit 25, 18 und 13 Prozent. Die Zahl der Großabnehmer wächst, ihr Gewicht ebenfalls. Ob SpaceX darunter ist, verrät der Bericht nicht – er nennt keine Namen.

Der nächste harte Beleg hat ein Datum: Am 17. November legt Nvidia die Zahlen zum dritten Quartal vor. Dann zeigt sich, ob die Forderungskonzentration weiter steigt und ob die in Aussicht gestellten 108 Milliarden Dollar tatsächlich erreicht wurden. Zuvor liefert der nächste SpaceX-Quartalsbericht die Gegenprobe von der Ausgabenseite. Weiter hinten im Kalender steht das vierte Quartal 2027: Dann soll der erste Starmind-Satellit AI1 starten, ausgerüstet mit einer weltraumtauglichen Fassung von Nvidias Vera-Rubin-NVL144-System. SpaceX gibt die Rechenlast mit 120 Kilowatt im Mittel und 150 Kilowatt in der Spitze an – Konstruktionswerte, keine gemessenen. Für den Umsatz von heute ist das ohne Bedeutung, für die Frage, wie eng beide Unternehmen künftig verbunden sind, nicht.

Der Ausblick auf 108 Milliarden Dollar ruht damit erstmals nennenswert auf einem Abnehmer, dessen Nachfrage nicht aus einem laufenden Geschäft mit zahlender Kundschaft stammt, sondern aus einem fremdfinanzierten Investitionsprogramm für den Eigenbedarf. Das ist kein Argument gegen die Zahl. Es ist ein Argument dafür, sie anders zu lesen als die Umsätze der vergangenen zwei Jahre: nicht als Abbild eines breiten Marktes, sondern als Abbild weniger, sehr großer Entscheidungen.

SpaceX und Nvidia sind beides Aktien im AKTIONÄR-Depot.

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