CoreWeave gehört für Goldman Sachs zu den fünf Tech-Aktien, die vor den Quartalszahlen noch reichlich Luft nach oben haben – neben Microsoft, Alphabet, Palantir und Zeta Global. Das Kursziel von 106 Dollar liegt 92 Prozent über dem Montagsschluss. Am selben Tag drückte eine Warnung von Elon Musk die Aktie zunächst auf ein neues 52-Wochen-Tief.
CoreWeave-Zahlen: Was kommt Mitte November?
Goldman-Analystin Gabriela Borges hat CoreWeave am 19. Oktober von „Neutral“ auf „Kaufen“ hochgestuft und zugleich das Kursziel von 139 auf 106 Dollar gesenkt. Ihr Argument: Nicht jede Neocloud ist gleich. So heißen Spezialanbieter, die Rechenleistung aus Nvidia-Chips an KI-Entwickler vermieten. CoreWeave zählt Borges zur Spitzengruppe. Den Ausbau finanziert der Konzern vor allem über Kredite, die mit den Chips besichert sind und über die Laufzeit der Kundenverträge abgezahlt werden. Die Finanzierungskosten sind also das Zünglein an der Waage.
Operativ läuft das Geschäft. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 112 Prozent auf 2,58 Milliarden Dollar, der Auftragsbestand lag bei 104 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal hat CoreWeave 3,4 bis 3,6 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht gestellt.
Elon Musk schrieb am Wochenende in den sozialen Medien, dass die Anleihemärkte Firmen ohne Geschäft außerhalb von KI-Rechenzentren den Geldhahn fast zugedreht hätten – den mehr als 200 Neoclouds drohe ein Massensterben. Unbesicherte CoreWeave-Anleihen rentieren um 15 Prozent, im zweiten Quartal stand ein Nettoverlust von 626 Millionen Dollar. HSBC rät zum „Reduzieren“ und sieht die Aktie bei 39 Dollar. Die Rechnung dahinter: Aus jedem eingesetzten Dollar holt CoreWeave bis 2030 im Schnitt nur 8,9 Cent Gewinn pro Jahr – weniger, als das Unternehmen an Zinsen zahlt. Wachstum auf Pump wird so zum Verlustgeschäft. Damit ist die eigentliche Frage gestellt: Ein Auftragsbestand ist nur so viel wert wie das Geld, mit dem er gebaut wird. Die Analysten sind sich, wie man sieht, nicht einig, und die Zielkurse lassen reichlich Luft für Interpretation.
Die CoreWeave-Aktie schloss gestern bei 55,19 Dollar, nachbörslich ging es auf 56,43 Dollar hoch. Im Handelsverlauf am Montag war sie bis auf 51,24 Dollar gefallen – ein neues 52-Wochen-Tief und die erste Unterstützung. Hier verläuft auch die untere Linie des Abwärtstrendkanals, der die Richtung vorgibt. Den ersten Widerstand bildet das Montagshoch bei 57,80 Dollar, der Kurs liegt 4,52 Prozent darunter. Die 200-Tage-Linie bei rund 92 Dollar ist weit weg. Der Relative-Stärke-Index steht mit 27 unter der Marke von 30, ab der Charttechniker von einer Übertreibung nach unten sprechen. Schließt die Aktie unter 51,24 Dollar, ist die Bodenbildung gescheitert.
Hinter jeder Neocloud stehen zwei Engpässe des KI-Ausbaus: Speicherchips und Strom. CoreWeave allein hat sich 4,2 Gigawatt Leistung vertraglich gesichert. Welche zwei Aktien an diesen Engpässen verdienen könnten, zeigt der Aktienreport „Die beiden Engpass-Aktien der KI“.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: CoreWeave Inc..
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