Der vertrauliche Börsenprospekt des Claude-Entwicklers zeigt, wie eng sein Geschäft an zwei Großaktionäre gebunden ist. Für Amazon und Alphabet ist das eine gute Nachricht – für künftige Anthropic-Aktionäre eine offene Frage.
Anthropic verkauft seine Künstliche Intelligenz zu einem großen Teil nicht selbst. Laut dem vertraulichen Börsenprospekt, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, liefen im Jahr 2025 rund 47 % des Umsatzes über die Cloud-Plattformen von Amazon und Google. Im Jahr 2024 waren es 32 %, im Jahr 2023 erst elf Prozent.
Anthropic: Wer am Umsatz mitverdient
Die Erlöse haben sich im Jahr 2025 auf 4,59 Milliarden Dollar verzwölffacht, davon flossen 2,16 Milliarden Dollar über die beiden Partner. Amazon und Google sind dabei keine Kunden, sondern Vertriebswege: Unternehmen buchen Claude über deren Cloud-Marktplätze, die Plattformen behielten rund 351 Millionen Dollar Gebühren ein – etwa 16 Cent je Dollar. Abonnements brachten nur 789 Millionen Dollar oder 17,2 %, der Löwenanteil wird nach Nutzung abgerechnet. Rund ein Drittel des Umsatzes stammte aus dem Ausland.
Amazon und Alphabet verdienen dreifach: an Gebühren, an Rechenleistung und an der Beteiligung. Amazon hält Schätzungen zufolge 15 bis 19 % an Anthropic, Google laut Gerichtsunterlagen rund 14 %. Für Anthropic liegt darin ein Risiko. Hinzu kommt eine zweite Abhängigkeit: Zwei Endkunden, deren Namen der Prospekt nicht nennt, stehen für je zwölf Prozent des Umsatzes, viele Großkunden sind ohne lange Vertragsbindung. Dagegen steht das Tempo: Allein im zweiten Quartal 2026 lag der Umsatz Medienberichten zufolge bei 11,5 Milliarden Dollar.
Die Aktie von Amazon schloss gestern bei rund 247 Dollar. Der erste wirkliche Widerstand liegt am Zwischenhoch vom 21. September bei 259 Dollar, gut fünf Prozent über dem Kurs. Unterstützung bietet die Zone um 245 Dollar, wo Käufer Mitte und Ende September zugriffen. Die 200-Tage-Linie verläuft aktuell bei 241 Dollar.
Was die Abhängigkeit langfristig für Amazon bedeutet, werden die anstehenden Quartalszahlen Ende Oktober zeigen.
Amazon bleibt ein Basisinvestment im AKTIONÄR-Depot, Amazon und Alphabet sind laufende AKTIONÄR-Empfehlungen.
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