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Airbus, Thales und Leonardo: Was hinter der Satelliten‑Megafusion steckt

Airbus, Thales und Leonardo: Was hinter der Satelliten‑Megafusion steckt
Foto: AST SpaceMobile
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Ingo Nix Heute, 10:46 Ingo Nix
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Airbus, Leonardo und Thales legen ihre Satelliten-Sparten zusammen – obwohl das Geschäft gerade boomt. Genau das macht die Fusion für Brüssel zum Problem.

Airbus, Thales und Leonardo stehen kurz vor der Fusion ihrer Satelliten-Sparten. Im Projekt „Bromo" geht es um 25.000 Beschäftigte und zusammen 6,50 Milliarden Euro Umsatz. Airbus soll 35 Prozent der Anteile halten, Leonardo und Thales je 32,5 Prozent. Leonardo-Chef Lorenzo Mariani sagte dem Handelsblatt, die Anmeldung bei der EU-Kommission stehe bevor, der rechtsverbindliche Rahmenvertrag solle bis Jahresende stehen. Es entsteht hier kein europäischer Weltraumriese, sondern ein Verfolger, dessen Jahresumsatz kleiner ist als das, was der Marktführer in einem Quartal umsetzt. Die 6,50 Milliarden Euro sind keine Kampfansage, sondern die Bestätigung, wie weit der Rückstand gewachsen ist. Der Mechanismus dahinter ist Stückzahl, nicht Technik. Satellitenbau in Europa war jahrzehntelang Projektgeschäft: hohe Fixkosten, kleine Serien, drei nationale Strukturen mit denselben Kosten. Die Fusion streicht die doppelten Fixkosten – eine Serie erzeugt sie damit noch nicht.

SpaceX: Der Maßstab, der zählt

SpaceX setzte im zweiten Quartal 2026 konzernweit 7,81 Milliarden Dollar um, ein Plus von 92 Prozent. Bei einem Kurs von 1,16 sind das 6,73 Milliarden Euro – in drei Monaten mehr, als das neue europäische Unternehmen im ganzen Jahr erlöst. Der Vergleich hinkt insofern, als SpaceX seine Satelliten selbst nutzt, statt sie zu verkaufen: Der Bau der Starlink-Flotte erscheint nirgends als Umsatz, sondern nur in den Kosten. Genau das ist der Punkt. Wo Europa Satelliten als Produkt verkauft, betreibt SpaceX sie als Dienstleistung – zwölf Millionen Abonnenten zahlen im Schnitt 66 Dollar im Monat, das Segment verdiente im Quartal 1,66 Milliarden Dollar. Allein ins Weltraumgeschäft investierte SpaceX in diesen drei Monaten 2,54 Milliarden Dollar.

Bromo: Was für die Fusion spricht

Dagegen steht, dass hier keine Notgemeinschaft entsteht. Airbus Defence and Space verdiente im vergangenen Jahr rund 800 Millionen Euro, Spartenchef Michael Schöllhorn stellt für 2029 bis zu 1,3 Milliarden Euro in Aussicht. Thales und Leonardo melden steigende Auftragseingänge, alle drei Satelliten-Töchter schreiben im ersten Halbjahr Gewinne. Der Grund liegt in Europa selbst: Allein die Bundeswehr will 35 Milliarden Euro in Weltraumtechnik investieren. Der Unterschied zu SpaceX ist der Kunde – europäische Regierungen kaufen Sicherheit nicht beim günstigsten Anbieter, sondern beim eigenen.

Genau hier liegt das kartellrechtliche Risiko: Fusioniert wird nicht mehr, um Verluste zu stoppen, sondern in einen boomenden Markt hinein. Widerstand kommt aus Bremen. OHB-Chef Marco Fuchs stellt sich gegen den Zusammenschluss und hofft auf weitreichende Auflagen der EU-Kommission. 

Airbus (WKN: 938914)

Drei Termine zur Prüfung

  • Bis Ende dieses Jahres wollen die drei Konzerne den Zusammenschluss in Brüssel anmelden und einen bindenden Vertrag unterschreiben. Erst dann ist es mehr als eine Absichtserklärung.
  • Bis Mitte 2027 entscheiden die EU-Wettbewerbshüter, ob sie den Deal erlauben – möglich ist auch ein Ja mit Auflagen, etwa dem Verkauf einzelner Geschäftsteile.
  • Zum 1. Januar 2028 soll das neue Unternehmen arbeiten. Geplant war ursprünglich 2027; die Verschiebung zeigt, wie aufwendig es ist, drei Firmen zu einer zu verschmelzen.

Die 6,5 Milliarden Euro sind nur eine Summe: Zusammengezählt wird, was die drei Konzerne heute schon einzeln erwirtschaften. Schneller oder besser wird dadurch erst einmal nichts. Bisher baut Europa Satelliten fast wie Einzelanfertigungen. Günstig wird es erst in Serie – und die gibt es nur, wenn europäische Regierungen dauerhaft und in großer Zahl bestellen. 

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