Nach den gestrigen Zahlen von Boeing hat nun auch der europäische Rivale Airbus seine Bücher geöffnet. Der Unterschied könnte kaum deutlicher sein: Airbus liefert ein starkes zweites Quartal ab und schlägt die Erwartungen der Analysten auf ganzer Linie.
Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro (Prognose: 20,25 Milliarden Euro). Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (EBIT) stieg um 54 Prozent auf 2,43 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente der DAX-Konzern mit 1,66 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Treiber der Entwicklung waren vor allem die gestiegenen Auslieferungen: Im ersten Halbjahr übergab Airbus 351 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden (Vorjahr: 306). Die Auftragsbücher sind mit 9.222 Maschinen gefüllt, was rechnerisch für mehr als zehn Jahre Produktion reicht.
Neben der Zivilsparte zeigt auch der Rüstungs- und Raumfahrtbereich (Airbus Defence and Space) starke Dynamik – getrieben von hoher Nachfrage nach dem Eurofighter und dem Militärtransporter A400M sowie Fortschritten bei der geplanten Fusion der Satellitensparte mit Thales und Leonardo.
Konzernchef Guillaume Faury bestätigte das Jahresziel für 2026, rund 870 Passagierjets auszuliefern. Damit würde Airbus seinen bisherigen Allzeit-Rekord aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 (863 Maschinen) übertreffen. Das bereinigte Jahres-EBIT soll wie geplant bei rund 7,5 Milliarden Euro landen.
Die ehrgeizigen Mittelfristziele bis 2029 (operativer Gewinn von 12 bis 13 Milliarden Euro) bleiben der klare Fahrplan. Trotz bestehender Engpässe beim Triebwerkszulieferer Pratt & Whitney sieht Faury die Lieferkette auf Kurs, auch wenn eine vollständige Normalisierung erst nach 2027 erwartet wird.
Erster Kommentar
Die kanadische Bank RBC reagierte direkt am Abend. Analyst Ken Herbert belässt die Einstufung für Airbus auf "Outperform" mit einem Kursziel von 225 Euro. Herbert hebt hervor, dass das bereinigte EBIT die Konsensschätzungen um elf Prozent übertroffen hat. Neben den Zivilflugzeugen lobt der Experte explizit die operative Stärke der Verteidigungs- und Raumfahrtsparte.
Während Boeing mit operativen Problemen kämpft, liefert Airbus verlässlich ab. Der Flugzeugbauer hat seine Lieferketten besser im Griff, steuert auf ein Rekordjahr zu und hat auf Jahre hinaus volle Auftragsbücher. Dass die Aktie nach der Zahlenvorlage kurzfristig mit Gewinnmitnahmen zu kämpfen hat ("Sell on good news"), ändert nichts an den starken Aussichten. Die Aktie bleibt ein Kauf.
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