Die Bestellungen langlebiger Wirtschaftsgüter in den USA sind im September um 1,8 Prozent gestiegen. Das teilte das Census Bureau des US-Handelsministeriums gerade mit. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet. Auch der Vormonat fällt besser aus als gedacht: Statt eines Minus von 0,1 Prozent steht für August nun ein Plus von 0,1 Prozent in den Büchern.
- Gesamtaufträge plus 1,8 Prozent – Prognose 1,5 Prozent, August auf plus 0,1 Prozent revidiert
- Ohne Transport plus 0,5 Prozent – knapp unter der Prognose von 0,6 Prozent
- Kern-Investitionsgüter plus 0,5 Prozent – Prognose 0,7 Prozent, nach 1,6 Prozent im August
Den Ausschlag gab der Flugzeugbau. Boeing hatte im September 165 Bestellungen eingesammelt, nach nur 15 im August – allein Turkish Airlines orderte 100 Maschinen vom Typ 737 Max. Entsprechend kräftig zogen die Aufträge für Transportgüter an – ohne sie bleibt nur ein Plus von 0,5 Prozent. Bemerkenswert: Ohne Verteidigungsgüter stiegen die Bestellungen sogar um 2,2 Prozent. Die Rüstungsaufträge sind also gesunken.
Aussagekräftiger ist der Blick unter die Oberfläche – und der fällt verhaltener aus. Ohne den schwankungsanfälligen Transportbereich stiegen die Bestellungen um 0,5 Prozent, erwartet waren 0,6 Prozent. Immerhin ist es das 17. Plus in Folge, und der August wurde auf 0,3 Prozent nach oben korrigiert. Die Kernaufträge für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge – das wichtigste Frühbarometer für die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen – legten um 0,5 Prozent zu und verfehlten die Prognose von 0,7 Prozent. Nach dem Augustsprung ist das eine Verschnaufpause, kein Bruch.
Darum sind die Auftragseingänge langlebiger Güter für die Kursentwicklung wichtig
Bestellungen kommen vor Umsatz und Gewinn. Wer heute Maschinen, Schaltanlagen oder Server ordert, sichert der Industrie die Auslastung der kommenden Quartale. Anders als Stimmungsumfragen messen die Auftragseingänge harte Aufträge in Dollar – und die zeigten zuletzt mehr Kraft als die schwachen Umfragen der regionalen Notenbanken, getragen vom Ausbau von Rechenzentren und Stromnetzen.
Die Gesamtzahl schwankt 2026 stark, weil einzelne Flugzeugaufträge sie verzerren: Auf ein Plus von 8,5 Prozent im April folgte im Mai ein Minus von vier Prozent. Stabiler ist der Unterbau: Die Kern-Investitionsgüter lagen im August laut Erstmeldung 14,1 Prozent über dem Vorjahr.
Wichtig zu wissen
Die Schlagzeile glänzt, aber sie glänzt dank Boeing. Entscheidend ist der Unterbau, und der verliert etwas Tempo, ohne zu kippen. 17 Monate Wachstum ohne Transport und eine Kernrate, die nach dem Augustsprung weiter zulegt, zeigen: Der Investitionszyklus trägt, nur weniger stürmisch. Für die Fed ändert das wenig, die Industrie liefert weder ein Argument für Eile noch für Sorge. Am Mittwoch, 28. Oktober, entscheidet die Notenbank um 19:00 Uhr MEZ über die Zinsen. Am Dienstag, 3. November, folgen um 16:00 Uhr MEZ die revidierten Septemberzahlen samt Auftragseingang der gesamten Industrie.
Vorbörslich notierten die Futures auf den Dow Jones 0,4 Prozent höher, auf den S&P 500 0,5 Prozent und auf den Nasdaq 100 0,6 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt bei 4,99 Prozent, ein Barrel der US-Sorte WTI kostet 101 Dollar, die Feinunze Gold 4.032 Dollar.
DER AKTIONÄR wird im Laufe des Tages über sämtliche wichtigen Entwicklungen und Neuigkeiten an den nationalen und internationalen Märkten berichten.
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