16.09.2019 DER AKTIONÄR

Standpunkt: Empören Sie sich

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Trendthema

An Olaf Scholz haben wir an dieser Stelle selten ein gutes Haar gelassen. Jetzt zeigt sich einmal mehr: vollkommen zu Recht. Deutschlands oberster Finanzbeamter führt die Idee einer kapitalmarktregulierenden, Auswüchse eindämmenden Steuer ad absurdum. Was damals, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, zur Vermeidung von Exzessen gedacht war, schlägt heute um in eine Belastung für alle, die sie eben nicht treffen sollte.

Die von Scholz angedachte und von seinem Ministerium konzipierte Finanztransaktionssteuer bürdet insbesondere Kleinanlegern eine Last auf, die vermeidbar ist – und mehr noch vollends sinnentleert daherkommt. Hochfrequenzhändler, Spekulanten und große Investoren nämlich lässt sie unberührt. Sie können weitermachen wie gehabt. Wer indes in Aktien investiert, um seine Altersvorsorge zu sichern, oder einfach nur, um dem Nullzins zu entfliehen, wird bestraft. Die Allokation von Kapital in den Händen vieler (Kleinanleger) wird hier geopfert zugunsten des großen Kapitals. Ist das im Sinne der SPD und ihrer Wählerschaft?

Wenngleich die Belastung von 0,2 Prozent pro Aktientransaktion augenscheinlich gering ist, schmälert sie die zu erwartende durchschnittliche jährliche Rendite um 0,1 bis 0,4 Prozent. Es bedarf keines mathematischen Fachwissens, um zu ermitteln, dass der Zinseszinseffekt zu einer erheblichen Mehrbelastung führt, die angesichts des Nullzinses bei anderen Anlagen umso schwerer wiegt.

Auf der anderen Seite stehen Steuer-Mehreinnahmen von 1,2 Milliarden Euro aus ebendieser Steuer. Das entspricht 0,3 Prozent des Haushalts – und wirft die Frage auf, ob Olaf Scholz und die gesamte Regierung nicht fähig sind, diesen Betrag, sofern er denn überhaupt notwendig ist, durch Einsparungen zu erlösen.

Abgesehen von der offensichtlichen Unfähigkeit, mit dem auszukommen, was man hat, wäre es richtig, Aktienanlagen steuerlich zu begünstigen. Womöglich nicht für alle, aber doch zumindest für die Kleinanleger. Jetzt aber gilt es zunächst aus unserer Sicht, die von Scholz vorgeschlagene Finanztransaktionssteuer zu verhindern. DER AKTIONÄR unterstützt die vom DSW gezeichnete Petition. Wenn auch Sie Ihre Unterschrift daruntersetzen wollen, dann besuchen Sie folgende Seite: www.dsw-info.de/steuerirrsinn

Ihr Leon Müller

Dieser Standpunkt ist zuerst in der Print-Version der aktuellen Ausgabe 38/19 von DER AKTIONÄR erschienen.