++ KI-Boom ‒ so sind 125 Prozent drin ++

Schlussglocke: Wall Street dreht ins Minus – Intel +18% nach Zahlen

Schlussglocke: Wall Street dreht ins Minus – Intel +18% nach Zahlen
Foto: Shutterstock/ Songquan Deng
DJ Industrial Average -%
Annalena Götz Heute, 23:00 Annalena Götz

Nach einem freundlichen Handelsstart hat die Stimmung an der Wall Street im Tagesverlauf gedreht. Die Waffenruhe im Iran-Krieg steht nach Berichten über Machtkämpfe in Teheran zunehmend auf der Kippe und die Ölpreise steigen wieder. Der S&P 500 und der Nasdaq 100 geben nach ihrem Rekordlauf deutlich nach.

Am Ende ging den Bullen die Luft aus: Der S&P 500 verlor am Donnerstag 0,4 Prozent auf 7.108 Punkte. Der Tech-Index Nasdaq 100 verzeichnete noch deutlichere Verluste in Höhe von 0,6 Prozent und ging mit 26.783 Punkten aus dem Handel. Der Dow Jones – im Tagesverlauf über weite Strecken eigentlich schwächer – beendete den Handelstag ebenfalls 0,4 Prozent tiefer.

Infront DowJones (WKN: 969420)

Nahost-Eskalation treibt Öl – Gold, Silber und Kryptowährungen schwach

Bei den Rohstoffen dominierte Öl die Schlagzeilen. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent notierte bei US-Handelsschluss vier Prozent höher als am Vortag – knapp unter 106 Dollar. Grund: Eine zweite Gesprächsrunde zwischen den Kriegsparteien USA und Iran bleibt nicht absehbar. 

Obwohl Donald Trump noch am Dienstag die Waffenruhe im Iran-Krieg auf unbestimmte Zeit verlängert hatte, heizte der US-Präsident heute via Truth Social die Spannungen wieder an. In einem Post ordnete er der US-Marine den Beschuss von Minenleger-Booten in der Straße von Hormus an (DER AKTIONÄR berichtete). Aber auch ein Bericht des israelischen Nachrichtensenders N12, wonach der Sprecher des iranischen Parlaments Baqer Qalibaf, der bisher den Dialog mit den USA koordinierte, zurückgetreten sein soll, belastete. Bestätigt ist diese Nachricht jedoch nicht.

Öl Brent (ISIN: XC0009677409)

Die Edelmetalle Gold (minus ein Prozent) und Silber (minus drei Prozent) gaben nach. Der Kryptomarkt verzeichnete aufgrund der heute nachlassenden Risikobereitschaft ebenso leichte Verluste: Bitcoin kam mit einem Tageshoch bei 78.686,61 Dollar nicht an den Vortageswert heran. Etherum fiel um knapp zwei Prozent.

Bitcoin (ISIN: CRYPT0000BTC)

Am Devisenmarkt gab es im Zuge der Gesamtgemengelage ebenso Bewegung: Der Euro ist am Donnerstag im US-Handel unter die Marke von 1,17 Dollar gefallen und notiert damit auf dem niedrigsten Stand seit zwei Wochen.

Quartalszahlen im Fokus

Auch am Donnerstag hielt die laufende Berichtssaison die internationalen Börsen auf Trab: Im Dow zogen unter anderem Honeywell und American Express nach unten. Der Industriekonzern hatte die Umsatzerwartung im ersten Quartal verfehlt, beim Gewinn jedoch besser abgeschnitten als erwartet. Die Aktie fiel um 2,6 Prozent. Der Finanzdienstleister rauschte sogar um 4,3 Prozent ab, obwohl alle Kennzahlen die Analystenschätzungen übertroffen hatten. Investoren bestraften den vorsichtigen Ausblick.

Weitere Zahlen kamen am Donnerstag von Rüstungskonzern Lockheed Martin und der Fluggesellschaft American Airlines.

Technologie: Halbleiter top, Software flop

Im Tech-Sektor sich ein gespaltenes Bild: Die Zahlen von IBM (minus 8,3 Prozent) und ServiceNow (minus 17,8 Prozent) konnten die alten KI-Bedenken der Anleger nicht zerstreuen. Andere Software-Schwergewichte wie Microsoft, Salesforce, Oracle und Adobe wurden heute im Sog mit nach unten gerissen. Unterdessen setzten Halbleiteraktien ihre starke Serie fort. Rückenwind kam von Texas Instruments. Starke Zahlen und ein optimistischer Ausblick katapultierten die Aktie um 19 Prozent rauf und schoben die Chipwerte insgesamt weiter an.

Intel zündet Kursfeuerwerk: Erwartungen pulverisiert

Der US-Chipkonzern Intel liefert nachbörslich ein starkes Zahlenwerk – angetrieben vom boomenden Rechenzentrumsgeschäft. Die Aktie explodiert um rund 20 Prozent. Der Q1-Umsatz von 13,6 Milliarden Dollar lag sieben Prozent über dem Vorjahreswert und übertraf die Prognose von 12,4 Milliarden Dollar klar. Ein echtes Highlight ist die Margenentwicklung: Die operative Marge schoss von 5,4 Prozent auf 12,3 Prozent. Erwartet worden waren lediglich 3,1 Prozent. Beim EPS hat Intel mit 29 Cent die Analystenschätzung von 1 Cent ebenfalls pulverisiert. Auch der Ausblick überzeugt: Für das laufende Quartal stellt Intel deutlich mehr Umsatz und Gewinn in Aussicht als von den Analysten erwartet. 

Die Data-Center-Erlöse legten um 22 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar zu. Intel profitiert zunehmend von der steigenden Nachfrage nach klassischen Prozessoren (CPUs) im Zuge der KI-Entwicklung. CEO Lip-Bu Tan sieht darin eine strukturelle Verschiebung: Die CPU etabliere sich wieder als unverzichtbare Basis der KI-Ära. Somit wächst die Hoffnung auf eine Trendwende. Neben der wieder anziehenden Nachfrage treiben auch Fortschritte im Foundry-Geschäft sowie bei modernen Packaging-Technologien die Fantasie.

Intel (WKN: 855681)

Mag-7: Microsoft, Tesla, Meta und Nvidia schwach – Amazon erreicht Rekordhoch

Bei den "Magnificent 7" zeigte sich heute ein schwaches Bild mit klaren Verlierern. Allen voran Microsoft, dessen Papiere um 4,0 Prozent abrutschten, nachdem der Konzern freiwillige Abfindungen für Teile der US-Belegschaft ankündigte. Bis zu sieben Prozent könnten betroffen sein. Hintergrund ist der massive Umbau durch den KI-Boom und steigende Investitionen in Rechenzentren. Auch Meta geriet mit minus 2,3 Prozent unter Druck, nachdem weitere Stellenstreichungen im Zuge des KI-Umbaus bekannt wurden. Ebenfalls schwach waren Tesla (minus 3,6 Prozent) und Nvidia (minus 1,4 Prozent). Apple, Alphabet und Amazon schlossen mit einem leichten Plus. 

Der E-Commerce-Riese erreichte zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch bei 258,79 Dollar – unter anderem dank einer Welle angehobener Kursziele infolge der in dieser Woche angekündigten Partnerschaft mit Anthropic. Die UBS rechnet für 2026 mit einem AWS-Umsatzsprung um 38 Prozent und liegt damit deutlich über dem Marktkonsens. Die Deals mit Anthropic und OpenAI könnten laut UBS zusammen einen Auftragsbestand von nahezu 200 Milliarden Dollar generieren.

Behandelte Werte

Name Wert Veränderung
Heute in %
Infront DowJones - Pkt.
Infront Nasdaq 100 - Pkt.
Infront S&P 500 - Pkt.
Intel - €

Aktuelle Ausgabe

Chip-Boom: Die Milliarden-Welle rollt

Nr. 18/26 8,90 €
Paypal Sofortkauf Im Shop kaufen Sie erhalten einen Download-Link per E-Mail. Außerdem können Sie gekaufte E-Paper in Ihrem Konto herunterladen.