Es ist der härteste Machtkampf in der US-Notenbank seit 34 Jahren. Die Fed hält die Zinsen wie erwartet stabil. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Wie inzwischen bekannt wurde, fiel die Entscheidung alles andere als einstimmig. Jerome Powell nutzt zudem seinen wohl letzten Auftritt – und sendet eine klare Botschaft.
Die Entscheidung selbst war Formsache. Die Fed belässt den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Doch das Votum sorgt für Aufmerksamkeit: Mit 8 zu 4 Stimmen fällt die Entscheidung so gespalten aus wie zuletzt 1992. Drei Mitglieder stellen sich gegen eine lockerere Formulierung. Ein weiteres votiert sogar für eine Zinssenkung.
Powell macht Ansage
Im Fokus steht jedoch Powell selbst. Und der wird deutlich. Auf die Frage nach seiner Zukunft sagt er: Er werde gehen, „wenn ich es für richtig halte“. Offiziell endet seine Amtszeit als Fed-Chef am 15. Mai. Doch Powell stellt klar: Er will darüber hinaus im Board der Notenbank bleiben – zumindest vorerst. Sein Mandat als Gouverneur läuft noch bis 2028. Es ist kein Geheimnis, dass US-Präsident Donald Trump Powell am liebsten loswerden würde.
Gleichzeitig versucht Powell zu beruhigen. Es werde „nur einen Vorsitzenden geben“, sagt Powell. Sobald Kevin Warsh im Amt ist, liege die Führung bei ihm. Der Übergang solle geordnet verlaufen.
Machtkampf unter Notenbankern
Die Spannungen sind damit offen sichtbar. Vier abweichende Stimmen, politische Unsicherheit und ein möglicher Kurswechsel unter Warsh. Der designierte Nachfolger steht für eine restriktivere Linie und will die Strategie der Fed verändern.
Hinzu kommt der Druck von außen. Steigende Energiepreise durch den Iran-Konflikt treiben die Inflationserwartungen. Gleichzeitig schwächelt der Arbeitsmarkt. Für die Notenbank ein gefährlicher Mix.
Nervöse Reaktion an der Börse
Die Reaktion kommt sofort. Anleihen fallen, Renditen steigen. Der Dollar legt zu. Am Aktienmarkt überwiegen die Verluste. Gleichzeitig preisen Händler wieder steigende Zinsen ein – ein Szenario, das vor wenigen Wochen kaum eine Rolle spielte.
DER AKTIONÄR hatte den möglichen Konflikt bereits rund um die Zinsentscheidung antizipiert, aber das kommt dann doch etwas überraschend: Vier Gegenstimmen, ein gespaltenes Lager und ein Fed-Chef, der sich demonstrativ nicht festlegen lässt. Die Botschaft des Tages: Die Fed ist gespalten. Und der Kurs der Geldpolitik wird unsicherer. Powell hat sich heute nicht verabschiedet, sondern sich bewusst Spielraum gelassen.
Heute, 21:39