Drei Monate nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat der DAX seine Verluste wieder aufgeholt. Vorsichtiger Optimismus im Nahen Osten und starke Vorgaben der US-Börsen sorgen unterm Strich für ein Monatsplus von drei Prozent. Die mittelgroßen Unternehmen im MDAX setzten unterdessen ihre Rekordjagd unbeirrt fort und verzeichnen den stärksten Monat seit Januar 2023.
Trotz zwischenzeitlicher Hängepartien macht der DAX nach dem starken April den nächsten Gewinnmonat perfekt. Im Mai stand unterm Strich ein Plus von 3,3 Prozent. Am Freitagabend stand der deutsche Leitindex nach zwischenzeitlichen Tagesgewinnen in Höhe von 0,45 Prozent lediglich noch 0,05 Prozent im Plus bei 25.105 Punkten. Damit notiert der DAX wieder auf demselben Niveau wie vor dem Kriegsausbruch im Iran und bringt die 25.000-Punkte-Marke über die Ziellinie.
Stärker präsentierten sich heute erneut die zweite und dritte Börsenliga: Der MDAX legte bis Handelsschluss um 0,34 Prozent auf 33.353 Punkte zu, der SDAX gewann sogar 0,54 Prozent auf 19.193 Punkte. Beide Indizes stiegen im Tagesverlauf auf neue Allzeithochs.
Diplomatischer Drahtseilakt
Pünktlich zum Handelsschluss in Frankfurt richten sich die Blicke der Anleger erneut nach Washington. US-Präsident Donald Trump kündigte an, zeitnah eine „endgültige Entscheidung“ über ein mögliches Rahmenabkommen mit dem Iran treffen zu wollen. Berichten zufolge arbeiten beide Seiten an einer Verlängerung der Waffenruhe und einer Wiederöffnung der wichtigen Straße von Hormus. Konkrete Ergebnisse stehen noch aus. Doch allein die Aussicht auf eine diplomatische Lösung reicht aus, um die Risikobereitschaft der Anleger hochzuhalten und die Ölpreise weiter unter Druck zu setzen – wenngleich die Lage fragil bleibt und jede neue Schlagzeile die Richtung bei Öl und Aktien binnen Minuten verändern kann.
Am Freitagabend jedenfalls drückt die Hoffnung auf eine Entspannung der Lage im Nahen Osten und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus den Ölmarkt nach unten. Der Preis für ein Barrel der Rohölsorte Brent geht um 1,6 Prozent auf 91,79 Dollar zurück. Die Rohölsorte WTI kostet derzeit 87,58 Dollar und somit 1,5 Prozent weniger als am Vortag. Reiseaktien wie die Lufthansa und TUI profitieren von dieser Entwicklung und gewinnen heute rund drei Prozent.
DAX: Die Tops und Flops am Freitag
Mit Kursgewinnen von 3,7 Prozent setzten sich die Aktien des Immobilienportal-Betreibers Scout24 an die DAX-Spitze. Das Unternehmen hat heute die erste Tranche des laufenden Aktienrückkaufprogramms beendet. Dahinter ordnen sich SAP und Zalando mit Tagesgewinnen von über zwei Prozent ein. Beim Berliner Online-Händler summiert sich das Wochenplus damit auf zwölf Prozent. Der Markt scheint hier zunehmend Wachstumsfantasien durch die Transformation vom reinen Online-Händler hin zum B2B-Servicedienstleister einzupreisen. Nachdem die Aktie Mitte des Monats noch auf Jahrestief stand, schaffte sie Anfang dieser Woche die Rückeroberung des GD50. Dadurch wurden charttechnische Anschlusskäufe ausgelöst. Nun steht der Kurs kurz vor dem Sprung über den GD200.
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Die Verliererseite im DAX wird von Beiersdorf angeführt. Der Kurs des Konsumgüterriesen fiel am Freitag um 3,5 Prozent. Nach Aussagen des Konzernchefs Vincent Warnery gegenüber dem Analystenhaus JPMorgan stehe die Kernmarke Nivea wegen verstärkter Rabattschlachten und Auslistungen in Europa unter Druck. Die Analysten hatten die Einstufung der Aktie auf "Neutral" mit einem Kursziel von 90 Euro belassen.
Ebenfalls unter Druck stand heute der Pharmariese Bayer mit einem Minus von 3,5 Prozent. Eine neue Jefferies-Studie belastete: Zwar hoben die Analysten ihr Kursziel deutlich auf 40 Euro an, verwiesen aber zugleich auf erhebliche Risiken im Zusammenhang mit den Glyphosat-Klagen. Im ungünstigen Fall sehen sie den Titel wieder auf 30 Euro zurückfallen (DER AKTIONÄR berichtete).
Die Deutsche Bank verlor heute 1,9 Prozent, da die Papiere ex Dividende gehandelt wurden. Die Ausschüttung von 1,00 Euro je Aktie wird dabei vom Kurs abgezogen. Dass das Kursminus geringer ausfällt als der Dividendenabschlag, ist als Zeichen relativer Stärke zu werten.
Keine der drei Aktien steht auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR.
Stattdessen sollten Anleger lieber zu den Aktien von Siltronic greifen. Der Wafer-Hersteller schoss an der Frankfurter Börse heute um 9,2 Prozent nach oben und belegte mit großem Abstand den Spitzenplatz im SDAX. Rückenwind lieferten positive Analystenkommentare sowie die anhaltende Euphorie im Halbleitersektor.
Auch für den DAX-Wert und AKTIONÄR-Tipp Infineon ging es heute weiter nach oben bis auf ein Allzeithoch bei 83,17 Euro.
Wer steigt als nächstes in den DAX auf?
Spannung verspricht in der neuen Woche der Blick auf die DAX-Familie: Am Mittwochabend gibt die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx die neuen Index-Zusammensetzungen bekannt. Laut JPMorgan-Experte Pankaj Gupta stehen der Baukonzern Hochtief und die heute stark gefragte Lufthansa als Aufsteiger in den Leitindex bereit. Das birgt Brisanz für Zalando: Der Online-Händler gilt neben der Porsche SE als potenzieller Abstiegskandidat – die laufende Rally der Zalando-Aktie erhält vor diesem Hintergrund eine ganz besondere Würze.
Heute, 18:40