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01.03.2020 Martin Mrowka

DAX und Co nach Corona-Crash-Woche nun mit Gegenbewegung?

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DAX

Mit dem Ausbreiten des Coronavirus in Europa ist die jüngste Rekordlaune abrupt umgeschlagen in Alarmstimmung. Je größer die Angst der Anleger vor Covid-19 wurde, desto größer wurden die Kursverluste. Durch alle Branchen hinweg verkauften vor allem Großanleger einige Anteile. Den DAX hat die Angst vor einer Rezession aufgrund der wirtschaftlichen Einbußen durch die Viruskrankheit auf den tiefsten Stand seit August letzten Jahres gedrückt. Und wie geht's in der neuen Woche weiter?  Ein Wochenausblick.

Mit einem schmerzhaften DAX-Sturz um letztlich 12,4 Prozent seit Freitag vor einer Woche erlebten die Anleger die schwärzeste Woche seit dem Börsen-Crash im August 2011 - damals im Zusammenhang mit der Weltschuldenkrise. Allein am Freitag stürzte der deutsche Leitindex zeitweise um gut fünf Prozent ab. Letzlich ging der DAX mit einem Tagesminus von 3,9 Prozent bei 11.890 Punkten ins Wochenende. In der Februar-Bilanz musste der DAX einen Verlust von mehr als acht Prozent verdauen.

War's das für's Erste? Charttechnisch hoffnungsvoll stimmt, dass es im Candlestick-Chart am Freitag eine Hammerform-ähnliche Kerze entstanden ist, bei dem der Xetra-Schlusskurs in der Nähe des Xetra-Starts gelegen hat. Nach einer derartigen "Null-Kerze" mit langem "Docht" nach unten findet oft eine Gegenbewegung der vergangenen Tage statt. Das "oft" impliziert jedoch auch, dass es doch weiter runter gehen könnte - etwa bis zum August-Tief.

DAX (WKN: 846900)

Auch AKTIONÄR-Redakteur Dr. Dennis Riedl sieht in seinem neuen Riedl-Report eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das Schlimmste vorerst hinter den Börsianern liegt. Rein statistisch gab es nämlich in allen (!) früheren starken Korrekturen (nach vorherigem neuen Allzeithoch) schon in der Woche danach eine technische Gegenreaktion.

Mehr dazu finden Sie in dem Video, das Sie in diesem Artikel anschauen und -hören können.

Was passiert in Sachen Coronavirus?

Inwiefern nun die Talfahrt tatsächlich bald ein Ende finden oder erst einmal weitergehen wird, hängt Experten in den Banken zufolge stark von den Nachrichten zu dem neuartigen Coronavirus ab. Positiv ist zum Beispiel: Laut offiziellen Infizierten-Zahlen der Johns Hopkins University liegt die Zahl derjenigen Personen, die vollständig genesen, seit mittlerweile zehn Tagen über der Zahl der neu Erkrankten. Dennoch fürchten einige Experten, dass der deutsche Leitindex durchaus noch etwas weiter absacken könnte. Immerhin seien die Anleger nun nicht mehr so unbekümmert wie zuvor.

"Das Ausbreiten des Coronavirus in Italien war für viele Investoren offensichtlich das Signal, das Risiko einer weltweiten Pandemie einzupreisen", schrieb Aktienanalyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Die darauf folgenden Kursverluste seien auch deshalb so heftig gewesen, weil zuvor viele Investoren recht sorglos in die Zukunft geschaut hätten.

Richtige Maßnahmen sind gefordert

Nun aber sind die Anleger in der Realität angekommen: Nach dem Ursprungsland China melden immer mehr Staaten Infektionen mit Sars-CoV-2, leiten Quarantänemaßnahmen ein und sagen Großveranstaltungen wie etwa den Genfer Autosalon ab. Die Weltgesundheitsorganisation gestand inzwischen ein, dass der neue Erreger "pandemisches Potenzial" habe und ohne die richtigen Maßnahmen "außer Kontrolle geraten" könnte.

Analyst Christian Kahler von der DZ Bank erwartet, dass die Epidemie negative Auswirkungen haben wird auf die globale Konjunktur und damit auch auf die Gewinnentwicklung der börsennotierten Unternehmen. Anleger sollten deshalb nicht überrascht sein, wenn der DAX in den kommenden Wochen noch weiter fällt. Würde aber der Leitindex vom Allzeithoch bei knapp 13.800 Punkten nur bis auf etwa 11.600 Punkte fallen, wäre dies noch eine völlig normale Konsolidierung.

Commerzbank-Experte Hürkamp geht davon aus, dass der DAX im Bereich von 11.800 Punkten einen Boden finden wird, da Stimmungsindikatoren wieder Kaufsignale sendeten. Zudem reagierten Zentralbanken und Regierungen zunehmend mit expansiven Maßnahmen.

Noch keine Entwarnung

Pessimistischer äußerten sich die Chartexperten der Landesbank Helaba: "Der Abgabedruck ist massiv. Eine Entwarnung kann noch nicht ausgesprochen werden, da zuletzt der 200-Tage-Durchschnitt durchbrochen wurde und zudem der 200-Wochen-Durchschnitt einem Test unterzogen wird." Diese beiden Linien sind Indikatoren für die langfristige Entwicklung des Leitindex.

Damit die deutschen und europäischen Aktienmärkte die Talsohle durchschreiten können, seien vermutlich klare Anzeichen für eine Abflachung der bestätigten Coronavirus-Fälle außerhalb Chinas vonnöten, schrieben die Volkswirte der Bank Unicredit. Nach den neuesten Infektionsstatistiken sei es allerdings "schwer vorstellbar, dass wir bereits in den nächsten Tagen eine Bestätigung für eine solche Entwicklung erhalten werden".

Folglich sei die Entwicklung an den Aktienmärkten und damit auch der anhaltende Rückgang der Renditen von US-Schatzpapieren und Bundesanleihen höchstwahrscheinlich noch nicht vorbei.

Konjunkturdaten

Die Anleger dürften jedoch in der neuen Woche nicht nur den Nachrichtenticker zum Coronavirus, sondern auch die anstehenden Konjunkturdaten im Blick behalten. So könnten dies- und jenseits des Atlantiks Stimmungsindikatoren wie die Einkaufsmanager-Indizes für das verarbeitende Gewerbe am Montag oder für den Dienstleistungssektor am Mittwoch Aufschluss darüber geben, wie groß die Virussorgen aktuell in der Wirtschaft sind. Am Freitag dann werden die aus geldpolitischer Sicht wichtigen US-Arbeitsmarktdaten für Februar veröffentlicht.

Fünf DAX-Konzerne mit Quartalszahlen

Derweil geht die Berichtssaison der Unternehmen in der neuen Woche weiter. Besonders dicht ist die Agenda am Donnerstag. Dann präsentieren mit Continental, Henkel, Merck KGaA und Vonovia gleich vier DAX-Konzerne ihre Geschäftszahlen. Bereits am Dienstag berichtet der Konsumgüter-Konzern Beiersdorf über das abgelaufene Quartal.

Änderungen in den Indizes

Darüber hinaus nimmt die Deutsche Börse am Mittwoch die DAX-Familie unter die Lupe und gibt nach Börsenschluss etwaige Änderungen bekannt. Umgesetzt werden diese dann zum Montag, 23. März.

Während im DAX und im Index der mittelgroßen Werte MDAX keine Änderungen erwartet werden, gibt es im Nebenwertebarometer SDAX mit dem UV-Technologie-Spezialisten Dr. Hönle und der Heidelberger Druck zwei Kandidaten, die den Regeln der Deutschen Börse zufolge wohl ausgetauscht werden müssen.

Ebenfalls auf einem Entnahmeplatz befindet sich Experten zufolge der Kohlenstoff-Spezialist SGL. Im Gegenzug rechnen Fachleute mit einer Rückkehr des Möbelhändlers Steinhoff in den SDAX. Die weiteren Aufsteiger seien jedoch noch unklar. (Mit Material von dpa-AFX)

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