23.07.2019 Martin Mrowka

Daimler, Conti, Dürr und mehr - was heute die Kurse bewegen wird

-%
DAX
Trendthema

Deutschlands Aktien starten überwiegend freundlich in den Dienstag. Die vier Gewinnwarnungen vom Vorabend dürften allerdings die betreffenden Unternehmen belasten. Die Daimler-Aktie wird von einer Meldung aus China nach oben gepusht. Die Wahl des Nachfolgers von Theresa May wird indes kurzfristig wohl wenig Auswirkungen hierzulande haben. Was heute wichtig wird. 

Nach dem soliden Start in die Woche dürfte es am deutschen Aktienmarkt auch am Dienstag weiter aufwärts gehen. Trotz mehrerer Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen am Vorabend wird der Leitindex DAX vor Xetra-Handelsbeginn 0,6 Prozent höher taxiert auf 12.360 Punkten. Der Euro gab auf 1,1186 Dollar nach.

Denn die US-Regierung und führende Vertreter aus dem US-Kongress haben sich auf ein Haushaltspaket geeinigt - und damit größere Turbulenzen bis hin zu einem Regierungsstillstand abgewendet. US-Präsident Donald Trump schrieb am Montagabend (Ortszeit) auf Twitter, gemeinsam mit den Chefs beider Parteien im Repräsentantenhaus und im Senat sei eine Zwei-Jahres-Vereinbarung zum Haushalt und der Schuldenobergrenze gefunden worden. Er sprach von einem "echten Kompromiss" ohne bittere Pillen. Details nannte er nicht. - Was heute an den Börsen die Kurse beeinflussen könnte.

Vorgaben aus den USA

An der Wall Street ist es zu Wochenbeginn ruhig zugegangen. Bevor in den kommenden Tagen die Berichtssaison der Konzerne im Dow Jones Industrial ihren Lauf nimmt, hielt sich der US-Leitindex am Montag bis zum Schluss unweit der Gewinnschwelle auf. Er ging 0,1 Prozent höher bei 27.171 Punkten über die Ziellinie.

Vorgaben aus Fernost

Die Börsen Asiens haben am Dienstag überwiegend zugelegt. In Japan ging es für den Nikkei 225 um ein Prozent auf 21.621 Punkte nach oben. In Hongkong stieg der Hang Seng um 0,1 Prozent, während der CSI 300 an Chinas Festlandbörsen um 0,1 Prozent nachgab. Das Umfeld für Aktien bleibt insgesamt gemischt. Anleger schauen derzeit im Zuge der Quartalsberichtssaison genau auf die Geschäftsentwicklung der Unternehmen und welche Auswirkungen die globalen Handelsstreitigkeiten und die träge Autonachfrage haben.

Hinzu kommen die Spannungen zwischen den USA und Großbritannien auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite. Auch die Geldpolitik bleibt Thema. So wird die EZB diese Woche möglicherweise ihren Kurs anpassen. Ob die US-Notenbank Fed dann Ende Juli den Leitzins senkt, ist noch ungewiss.

Gewinnwarnungen

Am Montagabend hatten indes mit Continental, dem Autozulieferer Dürr, dem Stahlhändler Klöckner & Co und dem Gabelstapler-Bauer Jungheinrich gleich vier Industrieunternehmen die Gewinnziele zurückgeschraubt. Anleger müssen das nun erst einmal verarbeiten. Beobachter rechnen denn auch mit teils deutlich fallenden Kursen.

So fielen die Aktien von Continental bereits auf der Handelsplattform Tradegate um gut 4,5 Prozent gegenüber dem Xetra-Schlussstand vom Montag. Damit droht den Papieren ein Rutsch auf den tiefsten Stand seit 2013. Das Ausmaß der Conti-Gewinnwarnung sei größer als erwartet, schrieb Analystin Gungun Verma von der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Für die Anteilsscheine von Dürr ging es auf Tradegate um mehr als zwei Prozent nach unten. Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank sieht nun kurzfristig kaum Erholungspotenzial für die Papiere und strich seine Kaufempfehlung.

Bei Jungheinrich ging die Investitionstätigkeit der Kunden neuerdings deutlich zurück. "Ursächlich hierfür sind die sich eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die damit verbundene aktuelle Marktentwicklung für Flurförderzeuge." Die Aktien büßten auf Tradegate rund 7 Prozent ein.

Weitere Unternehmens-News

Neben den Gewinnwarnungen beschäftigt die Anleger, dass der chinesische Autohersteller BAIC seinen Anteil an Daimler nun auf fünf Prozent ausgebaut hat. Die Aktien des Stuttgarter Autobauers zogen auf der Handelsplattform Tradegate um knapp zwei Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Montag an.

Für ein positives Ausrufezeichen sorgte auch Eckert & Ziegler: Der Ausrüster medizinischer Anlagen erhöhte seine Gewinnprognose und die Anteilsscheine zogen auf Tradegate um knapp 6 Prozent an.

Für den in der Schweiz notierten Halbleiter-Hersteller AMS schließlich ist eine potentielle Übernahme von Osram noch nicht vom Tisch. AMS hatte letzte Woche über Gespräche mit Osram über eine mögliche Transaktion berichtet, diese aber kurze Zeit später als beendet bezeichnet. Nun entschied AMS, eine mögliche Transaktion mit Osram Licht weiter zu prüfen. Die Osram-Aktien legten auf Tradegate etwas zu.

Quartalszahlen

Ihre Geschäftsabschlüsse per Ende Juni melden heute unter anderem folgende Unternehmen: AMS, Biogen, Coca-Cola, Endesa, Hochtief, Kimberly Clark, Lockheed Martin, Metro, Norsk Hydro, Santander, Snap, Texas Instruments, UBS, United Technologies und Visa.

Wahl von Nachfolger Theresa Mays

Der umstrittene Tory-Politiker Boris Johnson wird nach jüngsten Umfragen der neue Premierminister Großbritanniens. Johnson gilt schon lange als haushoher Favorit für die Nachfolge von Theresa May. Seinem Konkurrenten, Außenminister Jeremy Hunt, werden nur geringe Chancen eingeräumt. Die Konservative Partei wird den Namen des neuen Tory- und Regierungschefs am Dienstagmittag in London verkünden.

Der Brexit-Hardliner Johnson will Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union herausführen - notfalls auch ohne Abkommen. Ein solcher No Deal würde die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche stark schädigen. May war mit ihrem mit Brüssel ausgehandelten Abkommen drei Mal im Parlament krachend durchgefallen.

Konjunkturdaten

Um 16 Uhr MESZ werden sowohl das Verbrauchervertrauen in der Eurozone als die Verkäufe bestehender Häuser in den USA gemeldet.

Mit Material von dpa-AFX