Im Streit um die Krypto-Regulierung in den USA schaltet sich nun das Weiße Haus ein. In den kommenden Tagen will die Regierung von Präsident Donald Trump Vertreter der Bankenbranche und führende Krypto-Unternehmen an einen Tisch bringen. Ziel ist es, eine Einigung zu erzielen und das stockende Gesetzesvorhaben voranzubringen.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, wird der Gipfel vom Krypto-Rat des Weißen Hauses veranstaltet, dem Vertreter des National Economic Council, des Finanzministeriums und weiterer Behörden angehören. Im Mittelpunkt der Gespräche steht eine besonders umstrittene Frage: Wie sollen Zinsen und andere Belohnungen behandelt werden, die Krypto-Unternehmen auf Kundenbestände von Stablecoins ausschütten können?
An dem Treffen werden Führungskräfte mehrerer Branchenverbände teilnehmen, darunter die Blockchain Association, die Krypto-Riesen wie Coinbase, Ripple und Kraken vertritt. Deren CEO Summer Mersinger zeigte sich erfreut über die Initiative: „Wir sind stolz darauf, an dem Treffen teilzunehmen und freuen uns darauf, weiter mit politischen Entscheidungsträgern zusammenzuarbeiten, damit die USA die Krypto-Hauptstadt der Welt bleiben.“
Das geplante Gesetz namens CLARITY Act soll bundesweite Regeln für digitale Assets schaffen – das Ergebnis jahrelanger Lobbyarbeit der Krypto-Industrie. Das Repräsentantenhaus hatte seine Version des Gesetzes bereits im Juli verabschiedet. Im Senat arbeitet man seit Monaten an dem Entwurf, doch eine für Anfang Januar angesetzte Abstimmung im Bankenausschuss wurde kurzfristig verschoben.
Der Grund: Uneinigkeit über die Stablecoin-Regelungen, sowohl zwischen Demokraten und Republikanern als auch zwischen den Branchen. Krypto-Unternehmen argumentieren, dass Belohnungen wie Zinszahlungen entscheidend seien, um neue Kunden zu gewinnen. Ein Verbot wäre wettbewerbsfeindlich.
Banken hingegen warnen vor einem Exodus ihrer Einlagen – der wichtigsten Finanzierungsquelle für die meisten Institute. Die britische Großbank Standard Chartered geht in einer Analyse aus dieser Woche davon aus, dass Stablecoins bis Ende 2028 rund 500 Milliarden Dollar an Einlagen aus US-Banken abziehen könnten.
Die Kontroverse geht auf ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz zurück, das einen bundesweiten Regulierungsrahmen für Stablecoins schuf. Dieses Gesetz verbot Stablecoin-Herausgebern zwar die Zahlung von Zinsen auf Kryptowährungen, ließ aber nach Ansicht der Banken eine Lücke offen: Dritte, etwa Krypto-Börsen, könnten weiterhin Renditen auf Token zahlen und so neue Konkurrenz um Einlagen schaffen.
Das Treffen im Weißen Haus unterstreicht, wie wichtig der Trump-Regierung die Verabschiedung des Gesetzes ist. Trump hatte im Wahlkampf um Krypto-Spenden geworben und versprochen, die Verbreitung digitaler Assets zu fördern. Das neue Marktstrukturgesetz stellt dabei eine wichtige Wegmarke dar. Vertreter der Kryptobranche mahnen daher zur Eile – zumal sich die Mehrheitsverhältnisse im Kongress nach den US-Zwischenwahlen Ende 2026 ändern könnten.
Die regulatorische Hängepartie in den USA trägt mit dazu bei, dass Bitcoin und Co bei der aktuellen Rally an den Aktienmärkten sowie bei Gold und Silber nicht mithalten können. Auch der Zinsentscheid der Fed am Mittwoch und der anhaltend schwache Dollar liefern momentan keine Impulse. Investierte Anleger brauchen daher weiterhin Geduld, während Neueinsteiger zunächst noch an der Seitenlinie bleiben.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
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Heute, 09:50