Die Stimmung in der Bankenbranche kippt. Neben Donald Trumps Plänen, Kreditkartenzinsen zu deckeln, sorgt nun auch der Vormarsch der Stablecoins für Unruhe. Zur Wochenmitte schlug Bank-of-America-Chef Brian Moynihan Alarm: Sollten Stablecoins künftig Zinsen zahlen dürfen, droht dem klassischen US-Bankensystem aus seiner Sicht ein empfindlicher Rückschlag.
Nach Moynihans Einschätzung könnten rund 30 bis 35 Prozent aller Einlagen bei US-Geschäftsbanken wegbrechen, wenn Stablecoins zukünftig Zins zahlen dürften. Der Grund: Stablecoins funktionieren strukturell ähnlich wie Geldmarktfonds. Die Reserven fließen in kurzfristige Instrumente wie US-Staatsanleihen – und fehlen damit in der Bilanz der Banken als Basis für die Kreditvergabe.
„Wenn man die Einlagen herausnimmt, können Banken entweder keine Kredite mehr vergeben oder müssen sich teures Großhandels-Funding besorgen“, analysierte Moynihan trocken. Das Resultat wäre eine Kreditklemme für Haushalte und Unternehmen oder explodierende Refinanzierungskosten für die Institute. Ein Szenario, das die Margen der Geldhäuser massiv unter Druck setzen würde.
Regulatorischer Deichbau
In Washington wird derweil hektisch am regulatorischen Schutzwall gearbeitet. Im Fokus steht der neueste Gesetzentwurf von Tim Scott, dem Vorsitzenden des Bankenausschusses im Senat. Der Entwurf vom 9. Januar enthält eine entscheidende Klausel: Ein striktes Zinsverbot für das bloße Halten von Stablecoins. Digitale Asset-Dienstleister sollen Nutzer nicht für das „Parken“ von Geld belohnen dürfen.
Einzig „aktivitätsbasierte“ Belohnungen – etwa für Staking, die Bereitstellung von Liquidität oder das Hinterlegen von Sicherheiten – blieben erlaubt. Es ist der Versuch, den Wettbewerbsvorteil der Krypto-Assets gegenüber dem niedrigverzinslichen Girokonto per Gesetz zu beschneiden.
Lobby-Schlacht in Washington
Doch der Widerstand formiert sich breit. Coinbase-CEO Brian Armstrong zog am Mittwoch öffentlich die Unterstützung für den Entwurf zurück – die Regeln würden „Rewards auf Stablecoins töten“. Auch Datenschützer schlagen Alarm: Ein Bericht von Galaxy Research warnte Anfang der Woche vor der massivsten Ausweitung der Finanzüberwachung seit dem „Patriot Act“, sollte das Finanzministerium neue Befugnisse über Krypto-Transaktionen erhalten.
Die Folge des Tauziehens: Tim Scott musste die geplante Ausschusssitzung („Markup“) am Mittwoch kurzfristig absagen. Über 70 Änderungsanträge und massives Lobbying brachten den Zeitplan zu Fall.
Die Wall Street hat die systemische Bedrohung durch den Krypto-Sektor erkannt. Der Kampf um die gefährdeten Einlagen sechs Billionen Dollar dürfte gerade erst begonnen haben. DER AKTIONÄR hält Sie weiter auf dem Laufenden.
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