Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat sich das Kräfteverhältnis an den Märkten schlagartig verschoben. Während klassische „Krisenprofiteure“ wie Staatsanleihen und Gold nur verhalten zulegen oder sogar nachgeben, dominieren Krypto-Werte und Energietitel die Gewinnerliste.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der digitalen Assets. Ethereum liegt mit einem Plus von rund 16 Prozent gegenüber dem S&P 500 im Beobachtungszeitraum an der Spitze, dicht gefolgt von Bitcoin mit gut zwölf Prozent. Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass der Krypto-Markt bereits sehr viel früher als die klassischen Märkte nachgab.
Der Grund dafür ist einleuchtend: Wenn Anleger anfangen, sich Sorgen zu machen, dass ihre Assets demnächst fallen könnten, trennen sie sich zuerst von den risikoreichsten, in diesem Fall Kryptowährungen. Ein Absturz des Kryptomarktes ist deshalb oft ein führender Indikator für einen bevorstehenden Kursrutsch an den klassischen Märkten.
Energie als Krisengewinner
Ebenfalls stark präsentiert sich der Energiesektor, der seit Beginn des Iran-Kriegs rund 16 Prozent gegenüber dem S&P 500 zulegte. Wenig überraschend angesichts eines Konflikts, der die Ölexporte über die Straße von Hormus direkt ins Zentrum rückt. Der Ölpreis hat seit den ersten Schlägen merklich angezogen, da ein signifikanter Anteil der weltweiten Lieferungen vorübergehend als gefährdet gilt. Gleichzeitig geraten energieintensive Branchen und zyklische Konsumwerte unter Druck, weil höhere Energiepreise Margen und Kaufkraft belasten.
Tech, Finanzen leicht vorne
Unter den klassischen Branchen schaffen es vor allem Technologie (XLK) und Finanzwerte leicht ins Plus, jeweils gut ein Prozentpunkt vor dem Gesamtmarkt. Das zeigt: Trotz der geopolitischen Schockwelle bleibt die Risikobereitschaft der Anleger grundsätzlich erhalten – Wachstumsstories werden nicht flächendeckend abgestoßen.
Versorger sowie langlaufende US-Staatsanleihen (TLT) liegen nur knapp im positiven Bereich. Das spricht gegen eine ausgeprägte Flucht in „sichere Häfen“ und deutet eher auf eine Rotationsbewegung innerhalb des Aktienmarktes hin, bei der Anleger selektiv zwischen Gewinner- und Verlierersektoren umschichten.
Deutliche Verlierer: Defensivwerte und Silber
Zu den klaren Underperformern zählen Basiskonsumgüter, Gesundheitswesen und Industrie, die jeweils mehrere Prozentpunkte hinter dem S&P 500 zurückbleiben.
Beachtlich ist der Einbruch bei Silber: Der Spotpreis liegt im Betrachtungszeitraum mehr als 20 Prozent unter dem Markt. Damit entpuppt sich das „Gold des kleinen Mannes“ ausgerechnet in der Krise als Rohrkrepierer, während Gold mit einem Minus von rund 11 Prozent ebenfalls enttäuscht. Offenbar dominiert bei Edelmetallen derzeit der Zins- und Dollartrade, nicht die klassische Krisenlogik.
Die Kryptowährungen präsentieren sich aktuell robust. Wie Anleger jetzt bei Bitcoin und Co agieren sollten, erfahren Sie in „Krypto-Insights“ von Oliver Michel und Johanna Krämer. Der Telegram-Kanal liefert Abonnenten klare Einschätzungen zur weiteren Entwicklung von Bitcoin, Ethereum, XRP und anderen digitalen Assets.
Jetzt Krypto Insights freischalten
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin, Ethereum.
Heute, 10:39