DHL-Chef Tobias Meyer betonte erneut, dass das klassische Briefgeschäft in Deutschland zunehmend unter wirtschaftlichen Druck gerät. Vor allem die weiterhin rückläufigen Sendungsmengen stellen das traditionelle Modell der täglichen Briefzustellung infrage. Im Podcast von Table.Briefings erklärte Meyer, dass eine flächendeckende tägliche Zustellung von Briefen auf Dauer wirtschaftlich kaum noch darstellbar sei.
Dies gelte insbesondere dann nicht, wenn sie unabhängig vom Paketgeschäft organisiert werde. Eine tägliche Briefzustellung allein werde "nicht mehr tragfähig sein", sagte der Vorstandsvorsitzende der DHL Group. Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden des DAX-Konzerns kann der Briefdienst dennoch auch künftig bestehen bleiben – allerdings nur in Kombination mit dem boomenden Paketgeschäft. "Wir werden weiter einen qualitativ hochwertigen Briefdienst anbieten können, aber als Ergänzung des Paketgeschäftes", erklärte Meyer. Voraussetzung dafür seien jedoch geeignete regulatorische Rahmenbedingungen.
Hintergrund der Aussagen ist der anhaltende Rückgang beim Briefaufkommen. Laut Meyer sank die Zahl der verschickten Briefe im Jahr 2025 um sieben Prozent. Noch deutlicher fiel der Rückgang zu Beginn des laufenden Jahres aus: Im ersten Quartal lag das Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei 13 Prozent. Den besonders starken Einbruch führte Meyer teilweise auf einen Sondereffekt im Zusammenhang mit der Bundestagswahl des Vorjahres zurück.
Zugleich machte der DHL-Chef deutlich, dass die derzeitigen Preise und Strukturen im Briefgeschäft nur deshalb aufrechterhalten werden könnten, weil Brief- und Paketlogistik eng miteinander verzahnt seien. Ohne diese Kombination wäre das heutige Angebot nach seiner Einschätzung wirtschaftlich nicht tragfähig.
Spekulationen über eine mögliche Abspaltung des Briefgeschäfts wies Meyer zurück. Der Bereich sei "kein Klotz am Bein". Gleichzeitig verwies er auf die weiterhin starke Entwicklung im Paketgeschäft, das insbesondere vom anhaltenden Wachstum des Onlinehandels profitiere.
Letztlich sind die Aussagen von Konzernchef Meyer keine Überraschung. Das Briefgeschäft verliert auch innerhalb der DHL Group immer mehr an Bedeutung. DER AKTIONÄR bleibt indes für die DAX-Titel nach wie vor zuversichtlich gestimmt. Der Konzern ist gut aufgestellt. Die Bewertung der Aktie ist immer noch moderat. Der Stoppkurs kann bei 39,00 Euro belassen werden.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: DHL Group.
Heute, 07:19